Heute darüber reden

Sep 20, 2017

Film von Freya Klier geht der Gleichberechtigung in der DDR nach

BREMERHAVEN tw · Die DDR galt als Vorbild in Sachen Gleichberechtigung von Mann und Frau. Doch wie sah die Wirklichkeit aus. Gab es sie tatsächlich, die Emanzipation der Frau? Dieser Frage geht Freya Klier, eine der führenden Oppositionellen in der DDR, in ihrem aktuellem Film „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht – Frauen in der DDR“ nach, den ihre Tochter Nadja Klier produziert hat. Am Montag lud die Konrad Adenauer Stiftung zu dem Film mit anschließendem Gespräch mit Freya Klier ins Comfort Hotel ein. In Interviews mit Frauen verschiedener Generationen, in Gesprächen mit Experten, sowie original Fernsehausschnitten der DDR zeichnet Klier die Stellung der Frau im Laufe der Geschichte der DDR nach. Fazit: Es hat vielen Frauen gut getan zu arbeiten. Für den Staat waren sie aber vor allem als Arbeitskraft wichtig, die Kinderbetreuung dazu da, Kinder schon von Klein aus sozialistisch zu prägen. Ende der 70er habe die Schichtarbeit die Situation der Frauen verschlechtert. „Sie waren bis zum Rand ausgepowert, hatten keine Zeit für Entfaltung und Selbstreflexion.“ Eine Situation, die zu immer mehr Schwangerschaftsabbrüchen führte, woraufhin die SED auf ihrem Parteitag 1985 den Kreissaal zum „Kampfplatz für den Frieden“ erhob. Frauen sollten nicht nur Familie und Arbeit vereinbaren, sondern auch drei Kinder kriegen. Ende der 1980er Jahre sind dreiviertel der unterbezahlten Werktätigen Frauen, in Führungspositionen waren sie kaum zu finden. Doch auch die Männer hätten ihren Platz nicht gefunden, waren voll auf Arbeit getrimmt, betonte sie in der anschließenden Diskussion. Und die Frage der Gleichberechtigung ist für sie ein Problem, das auch heute noch nicht leicht lösbar sei. „Aber darum schätze ich die Demokratie. Heute können wir darüber reden.“
 

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