Bremerhavener Feuerwehr unterstützt Aufbau eines Katastrophenschutzes
BREMERHAVEN tw · Durch Zufall entstehen manchmal die besten Ideen. Dass sich eine Abordnung der brasilianischen Stadt Rolândia letzte Woche in Bremerhaven aufhielt, um an einer Stabsrahmenübung im Lage- und Führungszentrum der Hochschule Bremerhaven teilzunehmen, fußt auf so einem Zufall. Im letzten Jahre zeigte Manfred Karigers Frau dem ehemaligen Mitglied der Berufsfeuerwehr Hannover einen Zeitungsbericht über eine verheerende Naturkatastrophe in Rolândia, in der am Schluss um Hilfe gebeten wurde. Manfred Kariger, schrieb an den Bürgermeister der brasilianischen Stadt, ohne ernsthaft eine schnelle Antwort zu erwarten. Doch diese kam fast sofort. Denn der Dezernent der brasilianischen Stadt Paulo Gaffo war gerade in Hamburg und schrieb zurück. „So entwickelte sich der Kontakt“, erinnert sich Kariger. Zuerst dachte er an Sachhilfen etwa für Krankenhäuser. Doch bald hatten sie eine bessere Idee. Die
Unterstützung beim Aufbau eines Katastrophenschutzes in der brasilianischen Stadt. Hierfür stellten sie einen Antrag auf Förderung bei der Engagement Global gGmbH, brauchten dafür aber auch einen Partner auf deutscher Seite. Da Kariger aus gemeinsamen Zeiten in Hannover noch guten Kontakt zu Jens Cordes, dem Leiter der Bremerhavener Feuerwehr hielt, konnte er diesen schnell als Partner gewinnen. „Der internationale Austausch bringt auch uns neue Erkenntnisse, ist eine Bereicherung für beide Seiten“, betont Cordes. Auch die Förderung war kein Problem, hat sich Engagement Global doch gerade auch die Unterstützung des Fachaustausches mit Entwicklungs und Schwellenländern auf die Fahne geschrieben, wie Jessica Schwenteit, Projektkoordinatorin für den Kleinprojektefonds bei einem Pressegespräch
darlegte. Und so kam es im August zu einem ersten Treffen in Rolândia, wo in einem Workshop ausgelotet wurde, wohin der Weg gehen soll. Beschlossen wurde die Teilnahme an einem einwöchigen Workshop in Bremerhaven, der den Schwerpunkt auf die Entwicklung geeigneter Stabsstrukturen in Rolândia legen sollte. Dank der bestehenden Kooperation zwischen der Feuerwehr, die für den Katastrophenschutz zuständig ist, und dem Masterstudiengang Integrated Safety und Security Management der Hochschule Bremerhaven nahmen die brasilianischen Gäste am Freitag an einer Stabsrahmenübung teil, in der die Einsatzplanung und das Vorgehen im Krisenfall simuliert wurde. Sie erhielten Einblick in die Arbeitsweise von Stäben, bei denen es gelte, „in zeitkritschen Lagen schnelle und richtige Entscheidungen unter Berücksichtigung aller fachlichen Notwendigkeiten zu treffen“, so Jens Cordes, Leiter der Feuerwehr Bremerhaven.
Und für die 15 Studierenden des Mastergangs bot die Übung die einzigartige Möglichkeit, ihre Fachkenntnisse im Modul Notfall- und Krisenmanagement praktisch einzusetzen. Zudem wurden in der Workshopwoche die in Deutschland
für den Katastrophenschutz aufgebauten ehrenamtlichen Helferstrukturen der Freiwilligen Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und der Hilfsorganisationen vorgestellt und Umsetzungsmöglichkeiten in Brasilien erarbeitet. Eine Struktur, wie sie in Brasilien noch nicht vorhanden ist, und mit deren Aufbau Rolândia in Südamerika eine Vorreiterrolle einnimmt, wie Paulo Gaffo erklärte. Zusammen mit zwei Vertretern der in Brasilien bundesstaatlich organisierten Feuerwehr, einem weiteren Stadtrat sowie einem Vertreter aus dem Ministerium des Bundesstaates Parana, zu dem Rolândia gehört, war er bis Sonntag in Bremerhaven. „Und wenn wir wieder zuhause sind, geht es am Dienstag gleich an die Umsetzung“, sagte er. Folgeprojekte sind bereits in Planung.