Hoher Besuch

Mrz 7, 2018

Bundespräsident Steinmeier zu Gast in der Seestadt
BREMERHAVEN tw · Beherzt griffen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz und Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (v.l., Foto: tw) nach einem Kabeljau. Dieser ist wie seine anderen Meereskollegen Gegenstand von Altersuntersuchungen in einem der vielen Forschungslabore des Thünen-Instituts für Seefischerei und Fischereiökologie. Die Forschungsanstalt war am vergangenen Mittwoch die erste Station beim Antrittsbesuch des Bundespräsidenten in der Seestadt. Institutspräsident Prof. Dr. Folkhard Isermeyer sowie die Institutsleiter Dr. Gerd Kraus und Dr. Reinhold Hanel führten Steinmeier zusammen mit seiner Frau Elke Büdenbender durch das neue Gebäude am Fischereihafen. Erst im letzten Jahr wurde das Institut von Hamburg nach Bremerhaven verlegt. „Eine neue Heimat, die wir sehr schätzen“, so Isermeyer, „da wir mit vielen Institutionen kooperieren können“. Auch Steinmeier zeigte sich begeistert von der Stadt, die sich seit seinem letzten Besuch vor ein paar Jahren positiv gewandelt habe. „Ich habe eine Stadt erlebt, die wächst und Modernität ausstrahlt.“ Im Juni will er deshalb auch gleich wiederkommen. Dann mit 150 Diplomaten im Schlepptau, denn Bremerhaven „ist ein gutes Stück Deutschland“.
Von außen wirken sie gelassen, aber „ich bin sehr aufgeregt“, so Chiara Kück. Denn gleich spielen sie und ihre Mitschülerinnen im Historischen Museum Bremerhaven eine Theaterszene, die sie für den „Tag der Stadtgeschichte“, im September letzten Jahres eingeübt hatten, vor dem Bundespräsidenten. „Wir hoffen, dass alles klappt“, so Vivienne Hemme. Es sei auch merkwürdig vor einer so hohen Person zu spielen, aber auch „eine große Ehre“, sagte Therese Döscher. Und sie mussten sich keine Sorgen machen, ihr Spiel und ihr Engagement für das seit 2015 stattfindende Projekt fand viel Beifall und große Zustimmung bei Frank-Walter Steinmeier und seiner Frau.
Rund 180 Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums Geschwister Scholl, haben am 18. September des letzten Jahres an 50 „Orten der Diktatur“, die für die Geschichte Bremerhavens während des Nationalsozialismus von his­torischer Bedeutung sind, an die Schreckensherrschaft der NS-Zeit erinnert, stellte Schuldezernent Michael Frost das Projekt vor. Jede der drei Bremerhavener Oberstufenschulen betei­ligt sich im Wechsel an dem Projekt, mit dem sie sich vor allem an Schüler der 9. und 10. Klassen richten. Aber auch Passanten und Touristen seien stehen geblieben. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass so viel Interesse besteht“, erzählte Alina Augustin in einer Gesprächsrunde mit dem Bundespräsidenten. Ziel des Projekts sei es, den abstrakten Themen aus Geschichtsbüchern ein konkretes Gesicht zu geben, erklärte Frost. „Geschichte wird anfassbar“, bestätigt Peer Stindt, wie Alina Augustin Oberstufenschüler am Geschwister-Scholl-Zentrum.
„Um Demokratie zu leben und Verantwortung zu übernehmen braucht es ein geschichtliches Fundament, betonte Oberbürgermeister Melf Grantz. „Wir sind stolz darauf, dass junge Menschen Geschichte erfahren und nachvollziehen wollen“. Denn Erinnern sei kein Selbstzweck. Aus dieser gelte es Schlüsse für Gegenwart und Zukunft zu ziehen.
Für Steinmeier ein positives Beispiel gesellschaftlichen Engagements. Stehen seine Antrittsbesuche in den Bundesländern doch unter dem Motto „Orte der Demokratie“. „Wir können Demokratie nur leben, wenn sie von Demokraten getragen wird“, erklärte er. Deshalb freute sich Steinmeier junge Menschen zu sehen, die sich für die Demokratie einsetzen. Und zeigte auf, dass sich für Politik zu begeis­tern nicht heiße, sich in einer Partei zu engagieren. „Politik beginnt da, wo die Bereitschaft besteht, über den Tellerrand hinauszuschauen und Verantwortung für andere zu übernehmen.“ So wie etwa Esther Oettinger, Mitglied im Stadtjugendring, die begeistert von ihrem politischen Einsatz erzählte und betonte, wie wichtig es sei zu zeigen, „dass Demokratie nicht selbstverständlich ist“.

Wer sagt, dass der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt eine ernste Angelegenheit ist. Dass der Kugelschreiber anfangs nicht so wollte wie gewünscht, sorgte bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für ein verdutztes Gesicht, bei seiner Frau Elke Büdenbender (2.u.3.v.r.), OB Melf Grantz (r.), Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Lückert und Bremens Bürgermeister Carsten Sieling für einem kleinen Lachanfall • Fotos: tw

Als Gastgeschenk überreichte der OB Grantz einen Plan der Alexander von Humboldt II, der Steinmeier als Schirmherr der Sail 2020 „inspirieren und Vorfreude bringen soll“. Seine Frau konnte sich über eine Patenschaft für den Humboldt-Pinguin „Alex“ freuen

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