Bundesteilhabegesetz bereitet der Lebenshilfe Sorge
BREMERHAVEN tw · „Arbeit ist mehr als Geld verdienen. Es bedeutet auch, als Mensch wahrgenommen zu werden und sich selbst zu erleben“ findet Anja Stahmann, Senatorin für Soziales, Jugend, Frauen, Integration und Sport im Land Bremen. „Hier leisten die Werkstätten für Menschen mit Behinderung eine wichtige Arbeit, die oft nicht wahrgenommen wird.“
Um auf die Mitarbeiter mit Behinderung einzugehen, böten die Werkstätten ein vielfältiges Angebot an. Ein Angebot, das auch nötig sei, um als Werkstatt für Menschen mit Behinderung anerkannt zu werden, erklärte Gisela Tresch, Geschäftsführerin der Lebenshilfe Bremerhaven, beim Besuch der Senatorin am vergangenen Mittwoch. Deshalb treibt sie beim neuen Bundesteilhabegesetz vor allem eine Sorge um. „Wie soll das Werkstattprinzip funktionieren, wenn andere Anbieter auf den Markt kommen? Sind sie wie wir auch zur Aufnahme verpflichtet?“, fragte sie, egal wie stark der Behinderungsgrad sei oder könnten sie Bewerber ablehnen? Und warnte gleichzeitig davor, „dass es keine Werkstatt light geben darf“.
Eine genaue Antwort konnte auch Stahmann nicht liefern, vieles sei noch in der Schwebe. Sie betonte aber: „Die Qualität muss vergleichbar bleiben.“ Es dürfe nicht so kommen, wie im Pflegebereich, in dem es einen Preiswettbewerb gibt. „Wir müssen daraus lernen und für faire Spielregeln sorgen“, sagte sie und fügte hinzu: „Wer Inklusion will, muss auch Geld in die Hand nehmen.“
Um solche Sorgen und Ängs­te aufzunehmen und zu sehen und zu erfahren was die Werkstätten leisten, ist Stahmanns Antrieb, die Werkstätten zu besuchen. Nachdem sie in Bremerhaven bereits die benachbarten Elbe-Weser Werkstätten kennen gelernt hatte, machte sie sich am vergangenen Mittwoch ein Bild von den Werkstätten der Lebenshilfe und informierte sich mit Gremienreferent Dr. David Lukaßen bei Geschäftsführerin Gisela Tresch, dem pädagogische Leiter Mirco Stokic, Vorstandsmitglied Petra Lange und der Vorsitzenden des Werkstattrats Karina Griese über die Lebenshilfe. Diese bieten 362 Mitarbeitern in 25 Werkstätten eine Beschäftigung. Die Arbeitsfelder reichen von der Kartonfabrik und Montage und Konfektionierung, über Kunststoffverarbeitung und Holzwerkstatt bis zur Gartengruppe „Querbeet“, dem Fahrradladen „Drahtesel“ und der Bäckerei mit Bistro „Brötchengeber“. Zudem gibt es auch Außenarbeitsplätze in Firmen der Region, die beim Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt helfen sollen. „Die erste Stufe auf dem Weg nach draußen“, erklärt Mirco Stokic. Ob Werkstattarbeitsplätze, ausgegliederte Arbeitsplätze, oder das Budget für Arbeit, „alles zusammen bringt den Erfolg“, ist er überzeugt. Die Herausforderung sei, herauszufinden, was zu wem passt. „Interesse, Leis­tungsstärke und Behinderungsgrad müs­sen passen“, bestätigte Tresch. Für Karina Griese ist vor allem ein Punkt bei ihrer Arbeit in den Werkstätten wichtig. „Du wirst als Mensch geschätzt.“
Bei einem anschließenden Rundgang informierte sich Stahmann über die Arbeitsabläufe, sprach mit den Mitarbeitern, versuchte sich beim Kartonheften und beim Verzieren von Berlinern und Co., und zeigte sich am Ende „stark beeindruckt, wie die Leute hier arbeiten“.
Und obwohl sie sich schon mehr Zeit als vorgesehen genommen hatte, konnte sie nur einen kleinen Ausschnitt der Lebenshilfe kennen lernen. Deshalb will sie auf jeden Fall wiederkommen und dann auch die anderen Bereiche der Lebenshilfe wie etwa die Tagesstätte oder den Kindergarten für alle kennen lernen. Zudem versprach sie, dass ihr Ressort bei Informationsbedarf zum Bundesteilhabegesetz auch Veranstaltungen vor Ort durchführen würde.

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