32. Fischgipfel hatte das britische Problem im Fokus
BREMERHAVEN re · Wenn es nicht so dramatisch wäre, könnte man schon genervt sein. Schon wieder das Thema Brexit, und schon wieder Probleme aller Orten. Der Presseclub Bremerhaven-Unterweser hatte zum 32. Fischgipfel unter dem Thema „Die Folgen des Brexit für die Deutsche Hochseefischerei“ ins Forum Fischbahnhof eingeladen. Und sich für den Podiumstalk die richtigen Fachleute geholt.
Dr. Uwe Richter vertrat als Vorsitzender des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes (DHV) und Geschäftsführer der Doggerbank Seefischerei GmbH als Direktbetroffener die Interessen der Hochseefischer. Als wissenschaftliche Stimme saß Dr. Sarah Simons vom Thünen-Institut Bremerhaven auf dem Podium und politisch brachte Brigitte Langenhagen als ehemalige CDU-Abgeordnete und Vize-Vorsitzende des Fischereiausschusses im Europaparlament profunde Sachkenntnisse mit. Vor dem großen Podiumstalk diskutierte Anke Breitlauch vom Presseclub mit Sebastian Gregorius von der Fischereihafen-Betriebsgesellschaft über die Entwicklungen in Bremerhavens Fischmeile.
Auf die Fragen nach den Tops und Flops beschrieb Gregorius die Situation überwiegend positiv. So öffne sich Geestemünde zum Meer hin und wäre damit auch für die private Wohnbebauung interessant. Und der Fischereihafen sei zwar noch ohne Tourismuskonzept, aber gerade im Hinblick auf Cuxhaven und den dortigen alten Fischereihafen sehe man viel Entwicklungspotential. Highlight in Bremerhaven sei sicher der „geplante Turm, für den gerade der Bebauungsplan erstellt“ würde. Als Flop sprach Gregorius vor allem die Ausstellung Expedition Nordmeer an. Hier soll aber ein neues Konzept die dringend benötigten Besucherzahlen garantieren.
Beim anschließenden Podiumstalk ging es dann nur noch um den Brexit und seine möglichen Folgen. Per Video wurde ein Interview mit dem EU-Abgeordneten David McAllister einge­spielt, der von einer grundsätzlichen Loose-Loose-Situation sprach. „Gewinner kann es beim Brexit nicht geben.“ In dasselbe Horn stießen die Podiumsgäste. So sieht Dr. Uwe Richter für seine Hochseefischer vor allem die Gefahr des Verlustes der Fanggebiete. „Der Hauptgrund für die schottischen Fischer dem Brexit zuzustimmen, war die Rückgewinnung dieser Fanggebiete.“ Und den Glauben dieser Fischer, sie bräuchten kein Zugangsrecht zu den europäischen Märkten, nannte er einen verhängnisvollen Fehler. „Schließlich müssen sie sich da dann mit der europäischen Konkurrenz messen.“ Wissenschaftliche Zustimmung erhielt Dr. Richter von Sarah Simons vom Thünen-Institut. „Wir haben eine Studie erstellt, nach der es ohne Einigung nur Verlierer gibt.“ Bislang gingen vier von fünf britischen Fängen komplett in die EU. Zudem müssten mit Großbritannien und anderen Nicht-EU-Staaten die Fangquoten abgesprochen werden, obwohl es nicht mehr als bislang zu verteilen gäbe und letztendlich könne ein Abkommen nur ein Kompromiss sein, dem die britischen Fischer nicht zustimmen würden.
„Wir haben unendlich viel zu verlieren“, so stieg Brigitte Langenhagen in den Talk ein. Sie verteidigte die EU-Verhandler, die engagiert die Interessen aller EU-Mitglieder verteidigten und sprach die von McAllister angesprochene Loose-Loose-Situation an. „Diese muss verhandelt werden, um den Schaden so gering wie möglich zu halten.“ Langenhagen verwies dabei auf erste Erfolge, „die trotz der zögerlichen britischen Haltung“ erreicht seien. „Es ist die Aufgabe der Willigen einen vernünftigen Brexit zu erreichen.“ Und war sich mit allen darüber einig, dass diese Willigen auf beiden Seiten sitzen sollten.

Moderator Werner Prill (r.) erörterte mit seinen Gästen Dr. Sarah Simons, Dr. Uwe Richter und Brigitte Langenhagen (v.l.) vor allem die möglichen Folgen des BrexitsFoto: sh

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.