Sport steht im Mittelpunkt einer neuen Ausstellung im Ringelnatz-Museum
CUXHAVEN tw · Im Jahr von Olympia und Fußballweltmeis­terschaft stellt auch das Ringelnatz-Museum den Sport in den Mittelpunkt seiner neuen Sonderausstellung, die ab dem 15. April zu sehen ist. In „Klimme wacker, alter Knacker!“ geht es um die 1920 erschienenen „Turngedichte“ von Joachim Ringelnatz. Ein Thema, das das Team um Museumsleiterin Erika Fischer dazu inspirierte nachzuschauen, „wie war das damals mit dem Sport in Cuxhaven“, so Fischer bei einem Pressegespräch. Und so kam es zur Zusammenarbeit mit Cuxhavens ältestem Sportverein, dem Allgemeinen Turn- und Sportverein Cuxhaven (ATSC). Dieser feierte vor sechs Jahren sein 150-jähriges Jubiläum und konnte aus dieser Zeit unter anderem auf viel Fotomaterial zurückgreifen, „das wir gerne zur Verfügung gestellt haben“, so der Vorsitzende Manfred Abbes. Ergänzt wird das Ganze durch ein von Hartmut Mester gedrehtes Video, in dem die Turner das Gedicht „Klimmzug“ – dessen Zeilen „Klimme wacker, Alter Knacker!“ der Ausstellung auch zu ihrem Titel verhalfen – in Szene gesetzt haben.
Mit den „Turngedichten“ trat der als Hans Bötticher geborene Autor und Kabarettist 1920 zum ersten Mal unter dem Namen Joachim Ringelnatz in Erscheinung. „In seiner Formulierungs- und Dichtkunst hat er dem Sportgedanken um Turnvater Jahn auf seine charakteristische Art neue Akzente gegeben und die verschiedenen Sportarten parodiert“, so Fischer. Als „Reisender Artist“ habe er die Stücke auf die Bühne gebracht, nicht nur rezitierend, sondern auch mit den entsprechenden Übungen in Szene gesetzt. Drei Jahre später erschien eine erweiterte Auflage mit 17 Zeichnungen von Karl Arnold. Hiervon gab es eine auf 100 Ausgaben begrenzte, von Ringelnatz signierte, handcolorierte Auflage, von der das Ringelnatz-Museum das Büchlein mit der Nummer 33 sein eigen nennt und das natürlich auch in der Ausstellung zu sehen sein wird.
Außer dem Turnen hat Ringelnatz zwei weitere Lieblingssportarten der damaligen – und auch heutigen Zeit – aufs Korn genommen, den Fußball und das Boxen. Zu letzterer hatte er einen ganz besonderen Bezug, verband ihn doch eine tiefe Freundschaft mit dem Schwergewichts-Boxweltmeister Max Schmeling. Eine Freundschaft, die ebenfalls in der Ausstellung beleuchtet wird. Neben den „Turngedichten“ hat Ringelnatz weitere sportliche Gedichte verfasst, wie den „Ruf zum Sport“ der mit den Zeilen „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, Kürzt die öde Zeit, Und schützt uns durch Vereine, vor der Einsamkeit“, durchaus noch Berechtigung in der heutigen Zeit habe, so Fischer.
Zudem machte sie auf ein weiteres Gedicht aufmerksam, das Ringelnatz noch kurz vor seinem Tod im November 1934 für einen Wettbewerb für ein Olympisches Weihelied verfasste. Da inzwischen durch das Nazi-Regime verboten, schrieb er es unter dem Namen Erwin Christian Stolze. Dass es ihm dabei weniger um Olympia ging, als darum, sich über die neuen Machthaber lus­tig zu machen, machte er durch zwei textliche Stilmittel sichtbar. Nicht nur dass der jeweils erste Buchstabe der Zeilen des Gedichtes den Namen Joachim Ringelnatz ergibt, sein Pseudonym ist ein Anagramm für „Wer ein Nazi Strolch ist“.
Dieses und vieles weitere Amüsante, Spannende und Erhellende erfahren die Besucher bis zum 15. Oktober in der Sonderausstellung „Klimme wacker, Alter Knacker!“. Die Vernissage findet am 15. April um 11 Uhr mit einer Einführung durch den Moderator, Autor und Schriftsteller Dirk Böhling im Schloss Ritzebüttel statt. Danach geht es rüber zur Ausstellung ins Ringelnatz-Museum. 

Erika Fischer und Birte Preuß vom Ringelnatzmuseum sowie Manfred Abbes, Vorsitzender des ATSC, stellten die neue Sonderausstellung vor • Foto: tw

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.