Stadt im Blick

Apr 23, 2018

Ausstellung „Lokalkolorit – 365 Tage Bremerhaven“ eröffnet
BREMERHAVEN tw · Als der Kölner Fotograf Thomas Merkenich vor vier Jahren nach Bremerhaven zog, hat ihn eines sehr verstört, die kritische Sicht der Bremerhavener auf ihre eigene Stadt. Denn er findet, dass Bremerhaven eine wirklich tolle Stadt ist. Und so entstand die Idee, sich jeden Tag auf Motivsuche zu begeben und ein besonderes Bild der Seestadt auf Facebook hochzuladen. „Ich wollte den Leuten zeigen, wie schön ihre Stadt ist.“ Und das ist ihm gelungen. Vom ersten Tag an, dem 15. Juni 2015, konnte er sich über eine große Resonanz freuen.
Unter dem Titel „Lokalkolorit – 365 Tage Bremerhaven“ ist jetzt eine Auswahl der Fotografien in der Galerie Goethe45 zu sehen, die am vergangenen Mittwoch eröffnet wurde. Ob Löschenturm, das alte Zollamt oder der Deich – Thomas Merkenich schafft es mit seinem unvoreingenommenen Blick auf die Seestadt, Bremerhaven als lebenswerte Stadt zu zeigen, die ihren Bewohnern viel zu bieten hat. Da ihn der einfarbige blaue Himmel des Tages eher langweilt hat, er sich meist zum Sonnenuntergang auf Motivsuche begeben und dabei stimmungsvolle Momente eingefangen. Momentaufnahmen, die in der Vorbereitung ihre Zeit brauchten. Die meisten Orte ist er mehrmals abgegangen, um den richtigen Lichtmoment zu erwischen. Und manch besorgter Passant hat ihn gefragt, ob es ihm gut geht, wenn er das eine oder andere Motiv liegend fotografiert hat.
„Mit seinem Projekt hat Thomas Merkenich auch zu einem Imagewechsel Bremerhavens beigetragen“, so Kuratorin Anne Schmeckies. Für sie war es daher selbstverständlich, die Einweihung des Kreativhauses in der Goethestraße 45 mit der Eröffnung dieser Ausstellung zu verbinden. „Willkommen im kleinen Wunder von Lehe, in dem kollektiv neue Wege gegangen werden“, begrüßte Schmeckies die zahlreichen Gäste bei der Einweihung am Mittwoch letzter Woche.
Rund zehn Jahre hat es gedauert bis aus der Schrott­immobilie das Kreativhaus wurde. Seit 2007 stand es fast vollständig leer. Es dauerte jedoch bis 2016, dass die Städtische Wohngesellschaft Bremerhaven (Stäwog) alle Eigentumsanteile erwerben und mit der Planung und Sanierung beginnen konnte. Das sanierte Gründerzeithaus gilt als Meilenstein im Goethequartier. „Das ist ein weiterer, wichtiger Schritt zur Wiederbelebung des Stadtteils“, sagte Oberbürgermeis­ter Melf Grantz. Er sprach auch weitere Sanierungsobjekte an, durch die Lehe schon lange kein Schmuddelstadtteil mehr sei und ist sich sicher, „dass man Lehe in zehn Jahren kaum wieder erkennt“.
Die Stäwog hat die beiden Immobilien Goethestraße 45 und Heinrichstraße 45 als Gesamtprojekt geplant, um Angebote für die Kreativwirtschaft und für Studenten zu entwickeln. Ein besonderes Projekt, bei dem Akteure aus Stadtentwicklung, Kreativwirtschaft und Wirtschaftsförderung zusammengebracht wurden, so Geschäftsführer Sieghard Lückehe. „Mit dem Kreativhaus schaffen wir im Quartier eine Vielfalt, die es bisher nicht gegeben hat“, sagte er und findet, dass „positive Impulse von hier aus in die ganze Stadt strahlen“.
In seiner Begrüßungsrede zitierte er BIS-Geschäftsführer Nils Schnorrenberger, der die Vision von Bremerhaven als kleines Kopenhagen an der Nordsee hat. „Eine wunderbare Vision. Und wir sind auf einem guten Weg dahin.“ Was Schnorrenberger bestätigte. „Dieses Haus steht für Mut, und unkonventionelle Ideen.“ Denn neben dem zentralen Gedanken des Wohnens und Arbeitens geht es der Stäwog auch darum, die gemeinschaftlichen und nachbarschaftlichen Potenziale zu wecken.
Was gelungen zu sein scheint. Für Mieter Moritz Schmeckies ist es voll allem die gute Nachbarschaft, die Gemeinschaft, die sich gefunden hat, die den Stadtteil für ihn so lebenswert macht. „Alles entwickelt sich lebendig“, sagte er und betonte: „Wir wollen nichts umkrempeln. Wir sind nicht gekommen um uns einzu­igeln, sondern um mit diesem Stadtteil zu leben.“
Neben zehn Wohnungen, die bereits alle vermietet sind, befindet sich in der ersten Etage des Hauses ein Co-Workingbereich, der zusammen mit der BIS Bremerhaven Gesellschaft für Innovationsförderung und Stadtentwicklung entwickelt wurde, mit sieben Werkstätten und Ateliers sowie einzelnen Büroarbeitsplätzen in einem Gemeinschaftsraum. Im Erdgeschoss befindet sich die Galerie Goethe45 sowie das Atelier Goethe45 des Kunstvereins Bremerhaven. Bereits seit 2013 engagiert sich der der Verein im Haus und bietet verschiedene kos­tenfreie kunstpädagogische Projekte an. Seit dem gleichen Jahr hat auch die Galerie – zwischenzeitlich in einem Container vor dem Haus – ihr Zuhause. Die Ausstellung „Lokalkolorit“ ist die inzwischen 25ste von Anne Schmeckies hier kuratierte Ausstellung. Sie ist bis zum 5. Mai dienstags, mittwochs, donnerstags und samstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet.
Als nächster Schritt folgen jetzt Abriss und Neubau der Heinrichstraße 45. Rund 4,5 Millionen Euro hat die Stäwog in das Projekt investiert. Mit einer Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Stadtumbau“ unterstützt die Stadt Bremerhaven das Gesamtprojekt. 

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