CUXHAVEN tw · Hoher Wellengang, im Hintergrund ist ein Offshore-Windpark zu erkennen. Jetzt ist das Können des Kapitäns gefragt, seinen Frachter sicher durch die stürmische See zu bringen. Plötzlich ist die See ganz ruhig. Das Polizeiboot fährt langsam auf Kiel zu. Es ist Millimeterarbeit – aber bald ist es geschafft. Das Boot fährt vorsichtig in die Kieler Bucht ein. Doch Stopp weiter geht es leider nicht. Um das Schleusentor zu öffnen, bräuchte es jemanden, der diese Steuerung übernimmt. Aber es ist bereits Abend.
Die Staatliche Seefahrtschule Cuxhaven hat am Dienstag letzter Woche extra für den Presseclub Cuxhaven ihre Türen geöffnet. Schulleiter Rudolf Rothe und Nautik-Lehrer Matthias Wilhelm, Fachmann für den Simulator, führten durch das Gebäude. Und bei einer Vorstellung der Institution darf die Vorführung der Simulatoren für Brücke und Maschine nicht fehlen. Der Brückensimulator kann dabei mit einem Alleinstellungsmerkmal aufwarten. Er erlaubt eine 360 Grad Sicht, so dass die angehenden Schiffsführer nicht nur im Blick haben was vor, sondern auch hinter ihnen passiert. „Damit sind wir Vorreiter“, so Wilhelm. Die Schüler können hier virtuell alle Schiffarten vom Containerfrachter über dem Offshore-Versorgungsschiff bis zum Polizeiboot durch alle möglichen Seegebiete fahren. Der Simulator müsse dabei nicht nur real wirken, „die Parameter müssen eins zu eins stimmen“.
Im Jahr 2014 wurde die 1960 erbaute Seefahrtschule um den Simulations- und Technik-Neubau erweitert. „Wir sind mit dem was wir haben zufrieden und können so gut arbeiten“, so Rothe. Vor allem die Maschinenhalle sei ein Gewinn. Wenn im Maschinensimulator auf einmal Alarm losgeht und die Schüler festgestellt haben, was nicht in Ordnung ist, können sie hier etwa an einem Dieselmotor oder der Lehrklimaanlage gleich praktisch zeigen, was zu tun ist. Wichtig sei dabei auch zu sehen, wie die Schüler mit Stress umgehen.
Doch die Seefahrtschule hat auch mit Problemen zu kämpfen. Denn die Seeschifffahrt ist für deutsche Seeleute nach wie vor schwierig und das schlägt sich auch in der Schülerzahl nieder. Rund 140 sind es zurzeit, 300 könnten hier ihre Ausbildung zum Nautiker, Schiffbetriebstechniker, Hochseefischer oder Schiffbetriebstechnischen Assistenten machen. Wilhelm kann dem jedoch auch Positives abgewinnen. „Je kleiner die Klassen sind, umso intensiver können wir uns um die Schüler kümmern.“ Um eine stärkere Auslastung zu erreichen, will Rothe die bereits bestehende Kooperation mit der Hochschule Bremerhaven verstärken.
Seit 2012 geht es mit der Deutschen Handelsflotte bergab. Schiffe die unter deutscher Flagge fahren, werden immer weniger. Doch läuft das auf ein „Ade deutsche Flagge“ hinaus? „Nein“, ist sich Rohde sicher. In der Küsten-, Nord- und Ostseefahrt, in der Küsten- und Hochseefischerei sowie in der Kreuzfahrt sieht er gute Chancen für deutsche Offiziere. „Dort wird in Zukunft hauptsächlich das maritime Know-how zu finden sein.“

Der Leiter der Seefahrtsschule Rudolf Rothe (l.) erläuterte die Aufgaben und Problemstellungen. Im Simulator kann die Situation auf einer Brücke realitätsnah wiedergegeben werden (unten) • Fotos: tw

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.