Max muss lernen

Apr 25, 2018

BREMERHAVEN sh · Max wird kommen! Nicht wie im Hollywood-Streifen als Terminator oder per subversiver Programmierung als killender Haushaltsgehilfe, sondern als Unterstützung in Pflegeeinrichtungen. Jeder weiß, dass es einen tatsächlichen Pflegenotstand in Deutschland gibt. Welch große Entlastung versprechen da Roboter bei der täglichen Pflege wie Max, denn er ist ein Roboter. Allerdings ist auch die Skepsis gegen Maschinen in betreuenden Einrichtungen groß. So war es für die Weser-Elbe Sparkasse schnell klar, hier bringen wir Mitarbeiter regionaler Pflegeeinrichtungen und eine Forschungsgruppe der Fachhochschule Kiel an einen Tisch. Diese Forschungsgruppe arbeitet im Bereich Robotik eng mit der Universität Siegen zusammen und ist im Rahmen des vom Bildungsministeriums initiierten Wissenschaftsjahres 2018 unter dem Thema „Arbeitswelten der Zukunft“ in ganz Deutschland unterwegs.
Die Fragen waren klar. Wie kann Robotik in der Pflege sozial verträglich eingesetzt werden? Wie kann den zu Pflegenden die Scheu, in manchen Fällen gar die Angst vor den Maschinen genommen werden? Immerhin handelt es sich bei der Mehrzahl der zu Betreuenden um Menschen, denen eine digitalisierte Welt völlig fremd ist. Während am Vormittag Workshops unter Anleitung von Hannes Eilers von der FH Kiel gemeinsam mit Vertretern mehrerer Pflegeeinrichtungen aus Bremerhaven stattfanden, wurden am Abend die Ergebnisse zusammen mit einem Überblick über den Stand der Forschung in den Räumen der Weser-Elbe Sparkasse präsentiert.
Nach einführenden Worten von Sparkassen-Direktor Thomas Rebstock übernahm Hannes Eilers von der Fachhochschule Kiel. An seiner Seite Max, der mit übergroßen Kindchenaugen und einem breiten Brustmonitor geradezu sympathisch wirkte. „Gewollt“, sagte Eilers und kam direkt auf die Ängste der Menschen zu sprechen. „kein Asta-la-vista-baby, sondern konkrete Hilfestellung sollen Maschinen wie Max leisten“. Probleme dabei sind, auf dem heutigen Stand der Technik begründet, vor allem der hohe Zeitaufwand des Lernens. So könne man einem Roboter nicht beibringen was ein Glas sei, sondern nur wozu ein spezieller Gegenstand nötig sei. Wie er zu transportieren sei und wer ihn bekommen soll, müsse ebenfalls gelernt werden. Das heißt, da jede Pflegeeinrichtung ihre „eigenen“ Gläser habe, sei jedes Mal ein spezieller Lernaufwand nötig. Das setze sich fort bei der Tischhöhe, bei der Ordnung im Medikamentenschrank und so weiter. Dazu käme, dass es bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu unterschiedlichen Interpretationen des Gegenstands kommen könne. „Um zu lernen, was ein Wasserglas ist und was damit zu geschehen habe, braucht Max zwischen drei Monaten und einem halben Jahr.“ Man könne sich vorstellen führte Eilers aus, wie komplex die Welt „erlernt“ werden müsse. Das wenden einer bettlägerigen Person sei bislang noch in weiter Zukunft.
Erst in hundert Jahren rechnet Eilers mit leistungsfähigen und damit entlastenden Maschinen wie Max im Regeleinsatz. Ob bis dahin auch Fähigkeiten wie Empathie und Verständnis bei Robotern vorhanden sei, wäre zweifelhaft. So brachte es eine der Teilnehmerinnen der Workshops auf den Punkt. Zukünftige Kollegen von Max könnten wohl betreuen, aber nicht pflegen. Menschen würden gerade im Gesundheitsbereich unersetzlich bleiben. „Selbst auf Raumschiff Enterprise war mit „Pille“ ein menschlicher Doktor unterwegs“, so Eilers. Und um den Pflegenotstand kurzfristig durch Max und seine Kollegen zu beseitigen, besteht keine Hoffnung. Hier muss tatsächlich etwas an den Umständen geändert werden. Etwa durch mehr Personal bei besserer Bezahlung, eine zukunfts­orientierte Aus- und Weiterbildung und der Erkenntnis, dass der Mensch beim Menschen gut aufgehoben ist. Dies zumindest war die Meinung der meis­ten Teilnehmer an diesem Abend.

Hennes Eilers und Max (r) zeigten wie die Robotik in ferner Zukunft einmal im Pflegebereich eingesetzt werden könnten • Foto: sh

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