Die Gefühlswelten hätten an jenem Bundesliga-Samstag des 12. Mai 2018 nicht anders sein können. Während Werder Bremen längst den Klassenerhalt gefeiert hatte, war der Hamburger SV zu Tode betrübt und erstmals abgestiegen. Dabei hatte die Saison so unterschiedlich angefangen. Vieles davon stellte sich jedoch als falsches Versprechen heraus, während Bremen mit einer Entscheidung genau ins Schwarze traf.
Der erstmalige Abstieg des Dinos aus der 1. Bundesliga

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Als die Saison mit zwei Siegen und der Tabellenführung begann, war die Euphorie in ganz Hamburg und Umland groß. Sollte der HSV tatsächlich erstmals seit langer Zeit eine sorgenfreie Saison spielen und die Probleme inklusive Abonnement-Relegation der Vergangenheit angehören? Die folgenden Wochen ließen diesen Traum schnell der Vergangenheit angehören. Der Dino wurde unter Markus Gisdol nach und nach in Richtung Keller durchgereicht und spielte dort eine übliche schwache Saison mit einer wahren Ausstellung an Problemen, bis der Trainer schließlich gehen musste. Zu spät, sagen viele Experten. Doch da sich der anschließend beschäftigte Bernd Hollerbach als ein kompletter Griff daneben durch den ehemaligen Vorsitzenden Heribert Bruchhagen herausstellte, verlor der HSV schon frühzeitig alle Chancen auf den Klassenerhalt. Diese Fehleinschätzungen konnte schließlich auch der für Schadensersatz berufene Jugendtrainer Christian Titz nicht mehr ausgleichen, auch wenn er ab dem 26. Spieltag nah dran war.
Am Ende fehlten zwei Punkte zur Relegation, die nun der VfL Wolfsburg angehen darf, der ausgerechnet von Hamburgs Ex-Trainer Bruno Labbadia dorthin geführt worden war. Zu spät kehrte in Hamburg Ruhe sowie leistungsorientiertes Denken ein, sodass auch die Rückkehr von Bernd Hoffmann als Präsident nur ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft ist. Da sich auch einige Spieler wie Kapitän Gotoku Sakai ihrer Verantwortung bewusst sind, sollte in Liga Zwei ein wettbewerbsfähiges Team auf dem Rasen stehen. Dieses erhielt bislang Verstärkung durch die jungen Manuel Wintzheimer (Stürmer, Bayern Amateure) und David Bates (Verteidiger, Glasgow Rangers). Daneben enden einige Leihverträge, sodass etwa Pierre-Michel Lasogga zurück in die Stadt an der Elbe kehren wird. Ob er dort allerdings verbleibt, ist nach seiner Zeit bei Leeds United relativ fraglich.
Kein Wunder von der Weser, aber viel gute Arbeit
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Das viel zitierte Wunder von der Weser war am Ende nicht einmal annähernd nötig, um Werder Bremen in der 1. Bundesliga zu halten. Vielmehr ist der Erfolg der Arbeit von Trainer Florian Kohfeldt zuzuschreiben, der die Mannschaft am 31. Oktober des vergangenen Jahres übernahm und sie seitdem zur Endplatzierung 11 führte. Dabei holte Werder beachtliche 42 Punkte, distanzierte sich also um neun Zähler vom Relegationsplatz. Dass am Ende gar mehr über den Europapokal als den Abstiegskampf gesprochen wurde, ist der Verdienst des Mannes, den viele an der Weser noch kritisch beäugten, als er das Amt übernahm. Wie sollte das nur gutgehen mit dem dritten Trainer aus der eigenen Jugend in Folge? Es ging jedoch, wie die Betway Quoten auf die Meisterschaft der kommenden Saison 2018/19 zeigen. Erstmals seit langem ist Werder mit 251,00 (Stand 15. Mai) wieder gelistet, auch wenn nicht mit besonders realistischen Chancen. Im Schnitt holte Werder unter Kohfeldt starke 1,60 Punkte pro Spiel.
Insbesondere die Einzelleistungen konnten überzeugen, selbst in München, als man nur aufgrund von Schwächen in der Standardverteidigung 2:4 unterlag, zwischenzeitlich sogar führte. Dortmund, Stuttgart, Schalke und Frankfurt wurden allesamt geschlagen, im Pokal-Viertelfinale verlor Werder nach 2:0 Führung unglücklich nach Verlängerung gegen Bayer Leverkusen. Schon jetzt trauen dem Trainer viele Experten zu, eine ähnliche Ära bei Werder wie Thomas Schaaf zu prägen. Dass ausgerechnet der Ex-Erfolgstrainer dieser Tage wie durch den Spiegel berichtet als technischer Direktor nach Bremen zurückkehrt, hat dabei Symbolcharakter. Nach Jahren der Dürre geht es endlich wieder aufwärts an der Weser, sodass vielleicht schon bald tatsächlich wieder von Europa geträumt werden darf. Der Kader bietet dafür starke Perspektiven, etwa mit Stürmer Max Kruse, Torhüter Jiri Pavlenka oder Abwehrchef Niklas Moisander. Insbesondere die Entwicklung des Eigengewächses im Mittelfeld, Maximilian Eggestein, wird mit viel Freude verfolgt. Unter Kohfeldt wurde er von einem Bankspieler zum wichtigsten zentralen Baustein auf dem Platz und zahlt dieses Vertrauen Woche um Woche mit überzeugenden Leistungen zurück. Dieser Trend und seine Entwicklung werden sich 2018/19 nur noch weiter fortsetzen und Werder zu einer besseren Mannschaft machen.
Unterschiedliche Gefühlswelten also an Elbe und Weser zu diesem Zeitpunkt. Wie es wohl langfristig aussehen wird?
 

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