BREMERHAVEN sh · Waffenstillstand ist nicht das Ende eines Krieges. Das Auswandererhaus zeigt eine emotionale Sonderausstellung, denn Ausstellung 4.0 wird in Zukunft die Konzeptionen der Museen in Deutschland beeinflussen. Vorreiter dieser neuen Ausstellungspräsentation ist unter anderem das Deutsche Auswandererhaus. In dem Ausstellungsexperiment „KRIEGsgefangen. OHNMACHT. SEHNSUCHT. 1914-1921“ vom 1. August bis 30. November zeigt eine analoge und eine virtuelle Darstellung die Möglichkeiten im digitalen Zeitalter. Thema ist die Trennung von Heimat und Familie, erzählt am Beispiel des Hamburger Soldaten August Schlicht. Die Emotionen Sehnsucht und Ohnmacht werden einerseits klassisch anhand von originalen historischen Objekten und andererseits digital mittels Virtual-Reality-Umgebungen, Stichwort VR, dargestellt. In einer die Ausstellung begleitenden Studie untersuchen gleichzeitig Wissenschaftler des Museums, welche Art der Darstellung den Museumsbesuchern welches Verständnis für die Erfahrungen und Gefühle anderer Menschen schenkt.
„Ein Gefangener, eine Nummer, eine Null!“, nennt sich der Protagonist August Schlicht selbst. Er geriet kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 in Gefangenschaft. Erst 1921 kommt er nach Hause. In einem inszenierten Ausstellungsraum erhalten die Besucher dazu historische Hintergrundinformationen. Außerdem tauchen sie ein in die Geschichte von August Schlicht, sein bürgerliches Leben als Ehemann, Familienvater und Zahnkünstler vor dem Ersten Weltkrieg.
In kleinen Nebenräumen finden die Experimente mit analoger und digitaler Vermittlungstechnik statt. Grundlage beider Erzählungen sind emotionale Objekte, Dokumente und Fotos aus dem Nachlass der Familie Schlicht, unter anderem Familienfotos aus dem Ort Dahme aus der „friedlichen, glücklichen Zeit“ vor dem Krieg und über 250 Briefe aus der Kriegsgefangenschaft
„Ein Ziel des Ausstellungsexperiments ist es, zu untersuchen, inwiefern die Reproduktion von Räumen – und die Simulation zeitlicher Entwicklungen – geeignet sind, Migration erfahrbar zu machen“, erläutert die Direktorin des Deutschen Auswandererhauses Dr. Simone Eick, „Kriegsgefangenschaft ist eine Zwangsmigration. Ob wir für solche Erzählungen in Zukunft verstärkt auch mit Techniken wie VR arbeiten können, wollen wir durch das Experiment herausfinden.“ Für die Studie werden Probanden außerhalb der regulären Öffnungszeiten durch die Ausstellung geführt und vor und nach dem Besuch wissenschaftlich befragt. Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann sich unter studie@dah-bremerhaven.de anmelden.
Die Ausstellung wird im Rahmen des von der Beauftragten der Bunderegierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundetages geförderten Projektes „museum4punkt0 – Digitale Strategien für das Museum der Zukunft“ realisiert. Bei „museum4punkt0“ sollen neue Formen der digitalen Kommunikation, Partizipation, Bildung und Vermittlung in Museen entwickelt werden.
Die Ausstellung „KRIEGsgefangen. OHNMACHT. SEHNSUCHT. 1914-1921“ wurde am gestern eröffnet und ist für die Museumsbesucher bis zum 30. November 2018 dienstags bis freitags sowie sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr zu sehen.
Das Ausstellungsexperiment basiert auf einer Schenkung von Karin und Rainer Kröger. Karin Kröger ist die Enkelin von August Schlicht. Weitere Informationen sind unter www.dah-bremerhaven.de/ausstellungsexperiment erhältlich.

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