BEDERKESA sh · „Das ist wie ein Heimspiel“, sagte der ehemalige Ministerpräsident und heutige Abgeordnete des Europäischen Parlaments David McAllister bei seinem Vortrag zur Zukunft Europas im evangelischen Bildungszentrum in Bad Bederkesa. Kein Wunder also, dass der seit Monaten geplante Vortrag von McAllister mit einigen Minuten Verspätung begann. Das war nicht dem Wetter geschuldet, ein kurzer Regenguss hatte den Europaabgeordneten auf seinem wenige hundert Meter langen Weg zum Bildungszentrum erwischt, sondern war Folge einer Aufstockung der Bestuhlung. Mehrere hundert Beerster, darunter der Leistungskurs Politik des Gymnasiums sowie 50 Landwirte aus dem Oldenburger Land, wollten von „ihrem“ David McAllister über den Stand „Europa“ informiert werden.
Und der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten im europäischen Parlament tat dies mit einem Vortrag, der von den Anfängen bis zum Ausblick in die nahe Zukunft den Wert Europas als gemeinschaftliche Idee unterstrich. „Die EU ist ein einzigartiges Projekt, das uns allen diese lange Periode des Friedens gesichert hat.“ Dieses Projekt gelte es zu verteidigen, sowohl durch die Parlamentarier als auch durch den Bürger. „Auch an den Stammtischen“, wie McAllister hervorhob. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen, „die EU ist der größte Binnenmarkt der Welt“, habe der Wertekonsens mit dazu beigetragen, dass „beispielsweise die deutsche Wiedervereinigung überhaupt möglich war“. McAllister spielte dabei sowohl auf die anfängliche Skepsis der beiden großen „Frankreich und England“ an, als auch auf die breite Unterstützung der europäischen Bevölkerung für ein geeintes Deutschland.
Doch „die EU ist ein fragiles Gebilde“. Das Auf und Ab der Gemeinschaft habe vor allem in den letzten zehn Jahren zu einem politischen Diskurs zwischen Nord und Süd, aber auch zwischen Ost und West geführt. „Einige Politiker sehen nur die wirtschaftlichen Vorteile, negieren aber, dass eine gemeinsame Wirtschaft nur auf gemeinsamen Werten beruht.“ Dabei ständen die Mitgliedsstaaten vor den gleichen Problemen. Im Mittelpunkt dabei die bedrohliche Jugendarbeitslosigkeit sowie die Fragen der Migration. Neuerdings sorge auch der einst so verlässliche Partner USA unter der Führung „des großen Philosophen“ Donald Trump für Sorgenfalten und auch das Verhältnis zu Russland als auch zu der Türkei würde bei den EU-Partnern unterschiedlich bewertet.
In dem Zusammenhang sprach McAllister auch von „fehlerhaften Demokratien“. Auch diese gäbe es innerhalb der EU und würden das gemeinschaftliche Projekt gefährden. Kompromisse würden schwieriger und die Gefahr durch Populisten größer. Eine Gefahr lauere auch in der absoluten Gleichmacherei. Der Wille zu einem „vernünftigen“ Europa müsse sicherstellen, dass nicht alles Europaweit gleich geregelt werden könne. In diesem Zusammenhang zeigte sich McAllister von den Plänen des französischen Präsidenten Macron angetan, „ohne mit allen Punkten einverstanden zu sein“. Seinen Vortrag beendete McAllister mit der Bitte um eine hohe Wahlbeteiligung bei den kommenden Europawahlen, „um dann den Binnenmarkt abzuschließen, eine einheitliche Digitalpolitik auf den Weg zu bringen und den Populisten dieser Welt ein starkes Europa entgegen zu stellen“.

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