LANDKREIS re · Im Rahmen einer gut besuchten Vortragsveranstaltung in Bad Bederkesa befassten sich die Grünen im Landkreis Cuxhaven mit dem Rückgang der biologischen Vielfalt und Handlungsmöglichkeiten im kommunalen Bereich. Als Gast eingeladen hatten sie Manfred Radtke aus Rotenburg, der dort Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe ist und bis vor zwei Jahren lange Zeit Ratsmitglied für die Grünen war.
Radtke verwies zu Beginn auf einige Untersuchungen und Forschungen, nach denen der Artenrückgang für einen Großteil aller Tier- und Pflanzengruppen statistisch belegt ist und die biologische Vielfalt in städtischen und ländlichen Regionen immer mehr zurückgeht. Als Hauptursachen nannte er die intensive Landwirtschaft, den Chemieeinsatz gegen Wildkräuter, die Beseitigung von Wegrainen, aber auch die Versiegelung und zu hohe Pflegehäufigkeit bei Freiflächen in Städten und Dörfern. Sogar die EU-Kommission habe bereits mehr Finanzmittel dafür gefordert, diesem Trend entgegenzuwirken und Artenvielfalt zu fördern.
Als wichtigsten Punkt sieht Radtke jedoch die Umsetzung von gesetzlich begründeten Naturschutzmaßnahmen und naturnaher Grünflächenpflege in den Kommunen und bei Grundstückseigentümern, wo viele bestehende Handlungsmöglichkeiten nicht umgesetzt würden. So werde vielerorts das Überprüfen von Wegrainen und die Wiederherstellung der rechtlich festgelegten Randstreifen in Ackerbaugebieten nicht durchgeführt, obwohl das Problem seit langem bekannt ist und die Kommune hier zuständig ist. Es muss sich halt in der Verwaltung jemand bereitfinden, der sich kümmert und es in die Hand nimmt, fachliche Anleitungen gebe es seit vielen Jahren. Im Grünpflege-Bereich gebe es oft noch ein überzogenes Ordnungsdenken, das auch den letzten Grashalm zum Problem macht. Hier müsse es Fortbildungen in Sachen Ökologie für das Personal in den Bauhöfen geben.
Als Vorschlag für städtische Bereiche nannte Radtke Möglichkeiten, auch durch Anwohnerpatenschaften naturnahe Flächen an Straßen, in Gärten und Parks zu fördern. Dazu gehören beispielsweise fachgerecht angelegte Wildbienen-Quartiere und Einbringen von Blumenmischungen mit heimischen Arten. Der BUND und das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ sowie der Förderverein „Norddeutsche Landschaftspflegeschule e.V.“ bieten fachliche Unterstützung an. Auch der Naturschutzbeauftragte des Landkreises, Horst Backenköhler benannte Möglichkeiten, Wegränder wieder rückzugewinnen und mit heimischen Pflanzenarten aufzuwerten.
Aus der Gemeinde Beverstedt berichteten die Grünen-Ratsmitglieder Horst Roese und Bärbel Kujus. Die Gemeinde sei bereits dem Bündnis für Biologische Vielfalt beigetreten und habe erste Maßnahmen umgesetzt. Beide forderten eine bessere Vernetzung der Landkreis-Kommunen und wünschen sich auch den Beitritt des Landkreises zu dem Bündnis. In der Gemeinde Schiffdorf wird ein neuer Landschaftspflege-Plan erarbeitet, der die aktuellen Anforderungen zu mehr Artenschutz berücksichtigen soll. Der Dezernent der Stadt Geestland, Martin Döscher, berichtete von umfangreichen Plänen zur nachhaltigen Grünflächenpflege in der Stadt. Ratsmitglied Susanne Schröter (Grüne) benannte erste erfolgte Verbesserungen und eine regional entwickelte Wildblumenmischung. Für sie ist es wichtig, dass ein gutes Zusammenspiel zwischen Politik, Verwaltung und Umweltfachleuten erfolgt, um Veränderungen wirklich umzusetzen und sie als attraktiv und positiv darstellen zu können. Zudem könne jeder, der eigene Flächen oder einen Garten hat, eigene Beiträge für die Natur leisten und damit wiederum Vorbild für andere sein.

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