Slapstick-Komödie

Sep 6, 2018

CADENBERGE re · „Happy End“, eine französisch-deutsch-österreichische Koproduktion aus dem Jahr 2017 unter der Regie von Michael Haneke, zeigt das Studiokino Taubenhof am Freitag, 7. September, um 19.30 Uhr.
Es ist eine ziemlich morbide Familie, die bei Calais, einem Symbolort der Flüchtlingskrise, in einer Prachtvilla lebt: Es ist alles da, Reichtum, Intrigen, Erfolge und Verlogenheit – alles bis auf Menschlichkeit und ein Happy End am Horizont. Da gibt es den greisen Patriarchen (Louis Trintignant), der jedwede Diskussion z.B. über den Alkoholkonsum seines Enkels verbietet und sich dauernd und erfolglos das Leben nehmen will; dann seine geschäftsführende Tochter (Isabelle Huppert), umtriebig, ungeduldig und schnippisch mit einem nichtsnutzigen Sohn an der Backe; die junge Enkelin Eve, die ihre depressive Mutter mit Schlaftabletten ins Koma befördert; ein Hamster, der an einer Überdosis Antidepressiva fast verendet.
Star-Regisseur Michael Haneke hat mit „Happy End“ eine wunderbare, sarkastische Slapstick-Komödie produziert – und mehr: Es geht ihm um die Demontage bürgerlicher Fassaden und um emotionale Blindheit. Dabei arbeitet Haneke mit ruhigen Einstellungen, in denen eine fast unheimliche Spannung herrscht. Es braucht ja auch nicht viele Worte, um zu erzählen, dass im Clan der Laurents eine große Verlogenheit herrscht. Hier wird vergiftet, betrogen, werden Söhne aus der Firma geworfen – und alles schnell wieder unter den Teppich gekehrt. Umso überraschender die kurzen Momente der Wahrheit. Etwa wenn die 13-jährige Eve die Sex-Chats ihres Vaters auf dessen Computer entdeckt. Wenig später sagt sie ihm ins Gesicht, wie sie die Lage einschätzt.

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