BREMERHAVEN sh · Die maritime Wirtschaft ist prägend für Bremerhaven. Zumindest bis heute. Doch die Zeichen stehen auf Veränderung. Grund genug für die Bremerhavener FDP sich dem Thema Wirtschaftswandel anzunehmen. Denn in der Vergangenheit haben sich zunehmend Unternehmen aus innovativen Bereichen in Bremerhaven angesiedelt. Unter der Moderation von Malte Bastian trafen sich im Atlantic Hotel Sail City der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Ingo Kramer, Investor Dieter Petram, der Geschäftsführer der E.I.S. Electronics GmbH Cezary Pilarski sowie Lencke Steiner, Unternehmerin und Vorsitzende der FDP-Fraktion Bremen. Begrüßt wurden die rund 100 Gäste vom Bremerhavener Bürgerschaftsabgeordneten Professor Dr. Hauke Hiltz.
Hiltz kam bei seiner Begrüßung auf die traditionellen Fischverarbeitungsbetriebe zu sprechen, bei denen unter dem Stichwort Industrie 4.0 bereits ein innovativer Wandel eingesetzt habe. „Auch auf die Häfen selbst wartet ein massiver Wandel Richtung HighTech“, wie Hiltz mit Fingerzeig auf den Hamburger Hafen sagte. Als Professor an der Bremerhavener Hochschule verwies Hiltz auf den neuen Gründer-Studiengang. „Da werden als Seminararbeiten reale Firmen gegründet mit dem Ziel, diese nach Ende des Studiums erfolgreich am Markt zu führen.“
Für das Podium war dies der Startschuss in die Diskussionen. So nannte Lencke Steiner auf die Frage von Malte Bastian, was denn wirtschaftlich gut und was schlecht in Bremerhaven laufe, als positive Merkmale den Tourismus, die vielfältige Kulturarbeit, die Strahlkraft der Havenwelten, eine starke Zulieferindustrie sowie die wachsende Hochschule. All dies könne aber nicht verdecken, so Steiner, dass der Strukturwandel nach dem Werftensterben noch nicht abgeschlossen sei, der jahrzehntelang diskutierte Hochseeterminal viel zu spät komme und es in der Stadt immer noch kein Verkehrskonzept gäbe.
Auch Arbeitgeberverbandspräsident Kramer erkannte die großen Veränderungen in der Hafenstadt. Als Beispiel nannte er den Wandel „der Industriebrache Hafengelände zum Sahnestück der Stadt mit den Hafenwelten“. Bedenklich nannte er den Lehrkräftemangel und forderte zudem eine Stärkung des Einzelhandels. Den Wandel zur TechTown sieht Investor Petram bereits beim Bau von Spezialschiffen erfüllt. Auch die Ansiedlung innovativer Firmen bestehe, so Petram. Aber erschwerend für die Stadtplanung sei der schlechte Ruf Bremerhavens sowie das Fehlen von günstigem Wohnraum. Dabei verfüge die Stadt, ergänzte Geschäftsführer Pilarski, über ausreichend Möglichkeiten, um „der höchsten Wissenschaftsdichte“ in Deutschland gerecht zu werden. „Es ist eine tolle Stadt mit vielen Jungunternehmern.“ Und so wirkte die Botschaft vom Podium, dass es mit dem Wandel zur TechTown doch schon gut klappe. „Um Bremerhaven auch nach außen attraktiver zu machen, muss das negative Selbstbild der Stadt geändert werden.“ Steiner wirbt dafür, die Mitarbeiter in den Firmen „in die Zukunft mitzunehmen“. Die Bewohner müssten Botschafter sein, dann würde es gelingen Bremerhaven in die Zukunft zu führen. Den Ruf Bremerhavens als Regenstadt eliminierte Steiner dann noch vom Podium aus. „In München regnet es, statistisch bewiesen, häufiger als hier.“

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