BREMERHAVEN sh · Die außergewöhnliche Bedeutung des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven macht das neueste Forschungsprojekt einmal mehr deutlich. Beim North Sea Wrecks Project ist das DSM federführend. Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Umsetzung einer gemeinsamen Strategie bei der Lösung einer kriegerischen Altlast. Es sind die wirtschaftlichen, ökologischen und sicherheitsrelevanten Herausforderungen, die in vorhandenen Schiffs- und Flugzeugwracks, verlorener Ladung, deponiertem chemischen Abfall und Munition bestehen und die die nachhaltige Bewirtschaftung des Ökosystems der Nordsee gefährden. Darüber hinaus wird das Projekt neue Methoden und Technologien zur Bekämpfung des Risikos für Menschen, blaue Wachstumsinfrastrukturen, Lebensmittel und Umwelt entwickeln und erproben. In diesem Zusammenhang wird das Projekt zudem das Unterwassererbe von kulturellem und historischem Interesse identifizieren und bewerten. Und liegt damit genau in der vom DSM entwickelten musealen Zukunft.
So ist eine Wanderausstellung zur Sensibilisierung und Aufklärung zum Thema Wracks und Schadstoffe am Meeresboden geplant. Helfen soll dabei eine Datenbank über Standorte, Eigenschaften, Schadstoffe und Risiken. Da es sich um ein internationales Projekt handelt, werden Formate für den Austausch von Informationen und Wissen zur Sicherstellung der Verfügbarkeit und Kompatibilität der Inhalte entwickelt, um so eine wissenschaftlich fundierte Risikobewertungsmethodik zu ermöglichen. Neben der Suche nach Sprengstoffrückständen aus konventioneller Munition und Chemie wird auch der Einsatz und Test neuer Methoden zur Risikominimierung diskutiert. Zusammen mit Partnern der Nordsee-Anrainerstaaten werden die Standorte von Wracks, Ladung und Abfällen am Meeresboden identifiziert, kartiert und bewertet. Das Projekt trägt außerdem zur Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und zum UNESCO-Übereinkommen zum Schutz der Unterwasserkultur bei und stellt damit sicher, dass die Ergebnisse auch nach der Laufzeit des Projekts verfügbar und in Verwendung sind.
Neben dem DSM ist auch das in Bremerhaven ansässige Alfred-Wegener Institut beteiligt. Es wird sich auf die Bewertung biologischer Effekte konzentrieren, die durch Substanzen verursacht werden, die durch Kampfstoffe und Treibstoffe aus den Wracks in die Meeresumwelt in der deutschen Bucht freigesetzt werden. Weitere beteiligte Regionen und Städte sind unter anderem das Vlaams Instituut voor de Zee aus den Niederlanden, die Aarhus University mit ihrem Department of Geoscience aus Dänemark sowie das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Institut für Toxikologie und Pharmakologie. Professorin Sunhild Kleingärtner als Leiterin des DSM freute sich, „sich bei diesem Projekt genau im Museumskonzept Mensch und Meer zu bewegen.“

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