CUXHAVEN mb · Die Bundesministerin a. D. Sabine Leutheuser-Schnarrenberger stellte am letzten Mittwoch bei der Friedrich-Naumann-Stiftung im Spiegelsaal des Unikat in Cuxhaven ihr Buch „Haltung ist Stärke“ vor. Ihr Buch ist keine Autobiografie, beschreibt aber doch das Leben der FDP-Politikerin. So stammt die Juristin aus einer sehr politischen Familie, die schon seit vielen Generationen die verschiedensten Ämter auf unterschiedlichsten politischen Ebenen besetzte. Und schon im kurzen Anriss dieser Familiengeschichte wurde deutlich, dass auch das Eintreten für die eigene Haltung auch gegen größte Widerstände ihr quasi schon in die Wiege gelegt wurde. Die Entscheidung, in die FDP einzutreten fiel 1978, als sie durch ihr Studium Werner Maihofer, ihrem Professor für Rechtswissenschaften kennenlernte und durch ihn mit den „Freiburger Thesen“ in Berührung kam. Diese beschrieben für sie am passendsten die für sie zentralen Themen „Freiheit und Sicherheit“.
Zu ihren politischen Ämtern kam sie eher zufällig, wie sie beschreibt. So wollte sie sich nach ihrem Umzug nach Starnberg zwar politisch engagieren und auch einbringen, an eine Kandidatur dachte sie dabei nicht. Ihre Kandidatur für die Bundestagswahl kam auch nur zustande, weil es hieß, „einer Frau würde diese aussichtslose Kandidatur nichts ausmachen. 1990 erzielte die FDP-Starnberg dann allerdings ihr bestes Wahlergebnis seit Jahren und ich zog als Neunte auf der Liste in den Bundestag ein,“ beschreibt sie diese Zeit. Auch die Wahl zur Justizministerin im Jahr 1992 geschah eher zufällig und war ihr aus persönlichen Gründen im Nachhinein eher unangenehm, „da ich wusste, mein Kollege und Gegenkandidat hängt viel mehr an diesem Posten,“ gab sie Einblick in ihr Innerstes.
Auch Begegnungen mit dem damaligen Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl sowie vielen weiteren Politikgrößen dieser Zeit werden immer sowohl politisch als auch persönlich beleuchtet. Im Jahr 1995 kam es dann zum Mitglieder-Entscheid der FDP zur elektronischen Kommunikations-Überwachung, auch „Lauschangriff“ genannt. Ihrer persönlichen Überzeugung folgend reichte sie am 14. Dezember 1995 ihren Rücktritt ein, nachdem sich ihre Partei für die elektronische Überwachung entschied. Auch diese Zeit wird eingehend beschrieben, vor allem kleine Freundschaftsbezeugungen sind ihr in Erinnerung geblieben und bestärkten sie.
In der Folgezeit zeigte sich deutlich in Leben und Arbeit ihr innerer Wertekompass, der aus „Freiheit und Sicherheit“ besteht. Mit diesem beschäftigt sich dann auch der dritte Abschnitt ihres Buches. Denn mit zunehmender Digitalisierung rücken diese Punkte immer wieder in den Vordergrund. Hier kommt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für Freiheit auch von der Vorlage des Buches weg und beschreibt gestenreich und vehement die Legitimierung der Grundgesetze und -rechte als Stützpfeiler der Gesellschaft, denen von der Entwicklung der globalen Digitalisierung in weiten Teilen widersprochen wird: „Das fängt schon in der Gesetzgebung an. Um auf alle Eventualitäten einzugehen, werden die Paragrafen weitläufig und unbestimmt formuliert, so dass es auch zu ganz unerwünschten Konsequenzen kommen kann“, so die engagierte Juristin. „Insofern kommt es auf in der Auseinandersetzung und Verteidigung der Grundgesetze gegenüber der Digitalisierung und Datenentwicklung auf eine normative Wertordnung an, innerhalb derer sich jeder selbst finden muss.“
Hieran schließt sich auch ein Bildungsauftrag an, den insbesondere die Friedrich-Naumann-Stiftung umzusetzen sucht. Wie sie im Anschluss in der offenen Diskussion sagte: „Junge Menschen wachsen mit der Handhabung der digitalen Medien auf, aber oft haben sie gar nicht den Weitblick, um die Grenzen und Gefahren richtig einzuschätzen, die müssen wir ihnen zeigen.“

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