WISCHHAFEN re · Elbe, Dümmer, Ems, Ostfriesland: Insgesamt vier Naturschutzstationen sorgen in Niedersachsen für die praktische Umsetzung der Naturschutzziele des Landes in großflächigen Naturschutzgebieten. Und das zum Teil seit 25 Jahren. Das Jubiläum der drei vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) betriebenen Stationen am Dümmer, an der Unterelbe und am Fehntjer Tief wurde am Freitag in Wischhafen von Naturschutzengagierten und ihren Partnern aus ganz Niedersachsen gefeiert. Umweltminister Olaf Lies hob die Bedeutung der Präsenz der Landesnaturschützer in der Fläche hervor und lobte die enge Verzahnung mit regionalen Akteuren.
Vom flächenmäßig größten Ästuar im deutschen Nordseeraum über den zweitgrößten Binnensee im Land bis zu bedeutsamen Niedermoorlandschaften: „Niedersachsen hat eine abwechslungsreiche, einmalige und schützenswerte Natur- und Kulturlandschaft zu bieten. Im Bemühen um ihren Erhalt ist die Vor-Ort-Präsenz der Landesverwaltung ein wichtiger Baustein“, lobte Lies das „Erfolgsmodell Naturschutzstationen“ im Rahmen seiner Festrede vor rund 60 geladenen Gästen. Zuvor hatte sich der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz im Rahmen einer Exkursion auf der nahen Elbhalbinsel Krautsand über die aktuellen Naturschutzthemen in der Region informiert.
Rund sieben Kilometer vom Ort der Festveranstaltung entfernt liegt die Naturschutzstation Unterelbe in Freiburg. Wie in ihren Schwesterstationen am Dümmer und in Ostfriesland laufen hier seit einem Vierteljahrhundert die Fäden bei Naturschutzprojekten in der Region zusammen. Bei der Auswahl der Standorte für die ersten Naturschutzstationen Niedersachsens standen vor 25 Jahren dabei vor allem jene Gebiete im Fokus, die nicht nur für den Naturschutz eine besondere Bedeutung hatten: „Es waren auch Flächen, in denen eine kontinuierliche Betreuung vor Ort besonders wichtig war und bis heute ist“, betonte Berthold Paterak, Geschäftsbereichsleiter Landesweiter Naturschutz beim NLWKN.
Denn ob Fehntjer Tief-Niederung, Elbe-Ästuar oder Erholungsraum Dümmer: Überall in den drei Naturräumen, die zugleich wichtige Siedlungs-, Wirtschafts- oder landwirtschaftliche Kulturräume sind, waren in den vergangenen Jahrzehnten konkurrierende Interessen aufeinandergetroffen. „Gerade hier liegt aber eine wesentliche Stärke der Naturschutzstationen an Ort und Stelle, die den Rahmen schaffen können für eine intensive lokale Zusammenarbeit und die vertrauensvolle Kooperation mit den Akteuren“, stellte Olaf Lies heraus. In seiner Ansprache verwies der Niedersächsische Umweltminister mit Blick auf die Unterelbe etwa auf die aktuellen Planungen zur Elbvertiefung oder die Küstenautobahn A20: „Hier wird greifbar, dass Naturschutzstationen auch in schwierigen Spannungsfeldern mit ihrer Fachkompetenz zu respektierten Ansprech- und Kooperationspartnern geworden sind“.
Über Kreisgrenzen hinweg betreuen die drei Naturschutzstationen zusammen rund 7.500 Hektar öffentliche Flächen. Für die Umsetzung konkreter Maßnahmen des Arten- und Biotopschutzes spielen große Komplexe landeseigener Naturschutzflächen eine zentrale Rolle. „Hier konnten in den vergangenen Jahrzehnten wichtige Erfolge erzielt werden“, resümierte Berthold Paterak. So hätten sich die Bestände gefährdeter Brutvogelarten wie der Uferschnepfe in diesen Gebieten weitgehend stabilisiert oder sogar verbessert, während sie in vielen Teilen Niedersachsens abgenommen hätten. Am Dümmer seien sogar zwölf ehemals verschwundene Vogelarten als Brutvögel zurückgekehrt – eine Entwicklung, so Paterak, die auch auf die Arbeit der Naturschutzstationen und ihrer regionalen Partner zurückzuführen sei. „Gleichzeitig konnten in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft im Zuge einer flexiblen Nutzung wichtige Grünlandkomplexe erhalten und für den Naturschutz aufgewertet werden“, ergänzte der Geschäftsbereichsleiter Landesweiter Naturschutz beim NLWKN. Gemeinsam mit Umweltminister Lies und NLWKN-Direktorin Anne Rickmeyer sprach er den Mitarbeitern in den drei Stationen seinen Dank aus für ihr Engagement bei Bestandserfassungen und Effizienzkontrollen, bei der Planung und Durchführung komplexer Naturschutzprojekte, in der regionalen Öffentlichkeitsarbeit, der naturschutzfachlichen Beratung und ihren vielen weiteren Aufgaben.
Trotz des festlichen Rahmens nutzten Lies und die Verantwortlichen beim NLWKN den Anlass aber auch, um auf Handlungsbedarf in der Zukunft aufmerksam zu machen. „In allen drei Stationsgebieten wie auch im Wirkungskreis der 2015 neu eröffneten Naturschutzstation Ems stehen in den kommenden Jahren große Herausforderungen bevor“, betonte Anne Rickmeyer. So dürften die bisher erzielten Erfolge nicht darüber hinwegtäuschen, dass etwa zur Verbesserung der Wasserqualität am Dümmer oder zur Stabilisierung der Vorkommen gefährdeter Arten noch enorme Anstrengungen nötig seien. „Mit der örtlichen Präsenz in diesen wichtigen Schwerpunkträumen und der regionalen Vernetzung mit unseren Partnern haben wir uns hierfür in den vergangenen 25 Jahren aber gut aufstellen können“, befand die NLWKN-Direktorin.

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