BREMERHAVEN tw · „Wir stehen vor einer spannenden, aber auch herausfordernden Aufgabe.“ Einer Herausforderung, der sich Prof. Dr. Peter Ritzenhoff, Rektor der Hochschule Bremerhaven gerne gegenübersieht. Denn bis zum Jahr 2035 ist im neuen Wissenschaftsplan und im Zukunftsplan des Landes Bremen die Zielzahl von 5.000 Studierenden genannt. Um zu erfahren, was die Hochschule tun muss, um dieses Ziel zu erreichen, haben der Magis­trat, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS und die Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven eine Studie beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) in Auftrag gegeben. Und bei einem Pressegespräch am Donnerstag zeigten sich alle Beteiligten mehr als zufrieden mit den Ergebnissen. Nicht nur, dass die Studie bestätigt, dass die Hochschule mit ihren rund 3.000 Studierenden und 300 Beschäftigten schon jetzt gut aufgestellt ist, passen die Empfehlungen doch auch gut zu den Planungen der Hochschule selbst.
Das HWWI empfiehlt, neben dem Ausbau der bestehenden Fachbereiche „Technologie“ sowie „Management und Informationssysteme“ die Schaffung eines dritten Fachbereichs mit dem Schwerpunkt „Gesundheit und Soziales“. Ein wichtiger Bereich, um die medizinische Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen, wie Ritzenhoff findet. Er kann sich für diesen Bereich den Bachelorstudiengang „Medizinischer Assistent“ vorstellen, ein Beruf, der als „Physician Assistent“ im angelsächsischen Bereich weit verbreitet sei und die Lücke zwischen Pflegekräften und Ärzten schließe. Weitere Potenziale sehen die Gutachter aber auch in den Bereichen Abfallwirtschaft und Erlebnis-/Event-/Hotelmanagement sowie in Masterstudiengängen wie etwa im Fachbereich Lebensmittelwirtschaft.
Anregung, über die sich Ritzenhoff freut, „das heißt aber nicht, dass wir nicht über darüber hinausgehende Angebote nachdenken.“ So kann er sich den Bereich Gesellschaft und Kultur vorstellen, der sehr gut in die Bremerhavener Landschaft passen würde. Eines steht für Ritzenhoff auf jeden Fall fest: „Wir wollen weiter mit unserem Pfund wuchern, besondere Studienangebote anzubieten, die über die Region hinaus strahlen.“
Das Aufwachsen der Hochschule sei auch eine wichtige Voraussetzung, damit sich auch die Stadt selbst positiv weiterentwickeln kann, so Grantz „Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Wissenschaftsstadt Bremerhaven. Die Hochschule auszubauen, ist deshalb von großer Bedeutung.“ Eine Entscheidung, die von der Handelskammer „voll mitgetragen wird“, so ihr Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger, sei sie doch von regionalökonomischer Bedeutung. Was Wirtschaftsförderer Nils Schnorrenberger bestätigt. „Für das Stadtmarketing ist der Hochschulstandort der wichtigste Standortfaktor“, betonte er, sorge die Hochschule mit ihrer angewandten Wissenschaft doch auch für die Sicherung des Bedarfs an Fachkräften in der Region.
In einem nächsten Schritt müsse jetzt mit dem Wissenschaftsressort des Landes über die notwendigen finanziellen Mittel für eine personelle und infrastrukturelle Angebotsausweitung gesprochen werden, sagte Grantz.
Vor allem sei jedoch sicherzustellen, „dass der Ausbau der Hochschule nicht nachrangig zu Planungen in der Stadt Bremen behandelt wird. Für Bremerhaven identifizierte Potenziale müssen auch in Bremerhaven umgesetzt werden“, betonte Grantz. „Beschränkungen dergestalt, dass sich mögliche Studiengänge auch ins Bremer Portfolio einfügen, darf es nicht geben.“ Zudem fordert er, dass innerhalb des Magis­trats eine für diesen Bereich zuständige Stelle geschaffen wird, die den Gesamtprozess für die Stadt von Seiten der Verwaltung begleitet und intensive Kontakte zum Wissenschaftsressort aufbaut. Zurzeit sei die Stadt nicht in die laufenden Planungsprozesse des Landes eingebunden, weswegen eine frühzeitige Stellung- und Einflussnahme der Stadt gering sei.

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