CUXHAVEN tw · Sie sind unkonzentriert, haben ihre Impulse nicht unter Kontrolle, schleppen oft einen ganzen Berg sozialer Belas­tungen mit sich rum – mit ihrem Verhalten stehen diese Schüler oft kurz vor einer Suspendierung von ihrer Schule. Dabei sei es wichtig, Kindern, die nicht so einfach zu beschulen sind, die Möglichkeit zu geben sich zu integrieren, sagte Friedhelm Ottens, Schuldezernent des Landkreises Cuxhaven am Donnerstag bei einem Pressegespräch in der Cuxhavener Familienschule. „Wir müssen Kindern eine Chance geben, selbstständig zu sein und ihren Abschluss zu schaffen. Sonst haben wir eine Jugend, die nicht auf eigenen Füßen steht.“ Sie bräuchten an richtiger Stelle jemanden, der sie unterstützt. Diese Unterstützung bietet seit Anfang November die Familienschule, die an der Grodener Grundschule angesiedelt ist. „Ein gutes Projekt, das wir gerne unterstützen“, betonte Petra Wüst, Sozialdezernentin der Stadt Cuxhaven.
Mit Erfolg ist das Konzept vor rund drei Jahren schon in Hemmoor gestartet. „Die Rückmeldungen der Schulleiter waren durchweg positiv“, sagte Lars Mittelstädt als Vertreter der niedersächsischen Landesschulbehörde. Es habe sichtbare Verbesserungen gegeben, die Kinder konnten wieder am Unterricht teilnehmen. Zusammen mit Landkreis und Stadt Cuxhaven war man sich dann schnell einig einen zweiten Standort in Cuxhaven zu eröffnen.
Das Positive an der Familienschule sei, dass Schule, Jugendhilfe und Eltern zusammenarbeiten, so Markus Föhl, Fachgebietsleiter der Erziehungsberatung des Landkreises. „Das ist ein großer Gewinn“. Die Kinder könnten in einem Schutzrahmen wieder Erfolge erzielen und auch die Eltern merkten, wie sie ihr Kind am besten unterstützen können. „Das ist in einer großen Klasse nicht zu bewerkstelligen.“ Das Wichtigste an der Familienschule sei jedoch, dass die Kinder ihre Stammschule behalten. „Sie erhalten nie das Gefühl abgeschoben zu sein“, betonte Föhl.
Die Schüler kommen an drei Tagen mit mindestens einem Elternteil und einen Tag allein in die Familienschule. Am fünften Tag sind sie in ihrer Regelschule. Zusammen mit jedem Kind werden individuelle Ziele festgelegt, an denen während der Familienschulzeit gearbeitet wird. Die erreichten Ziele würden mit Kindern und Eltern überprüft, die diese dann in ihrer Regelschule umsetzen können. Nicht nur für die Jungen und Mädchen selbst, sondern auch für die Klasse und die Lehrer werde deutlich, dass die Schüler der Familienschule weiterhin dazugehören und willkommen sind.
Die Familienschule Cuxhaven bietet Platz für sieben Kinder von der 1. bis 6. Klasse sowie ihre Eltern. Zurzeit kümmern sich die Lehrerinnen Antje Altenhoff und Ramona Linke sowie die Sozialpädagoginnen Christina Eckert und Anja Eysen um fünf Schüler. Die Zeit in der Familienschule ist auf ein halbes Jahr begrenzt, kann aber bei Bedarf auf ein Jahr erweitert werden. Zum Ende hin wird in einer Rückführungsphase die Zeit in der Regelschule schrittweise erhöht.
Die Teilnahme beruht dabei auf Freiwilligkeit, betonte Mittelstädt. Voraussetzung ist deshalb ein formloser Antrag, mit der Bitte das Kind in die Familienschule zu schicken. Für Akzeptanz der Familienschule sorge vor allem die Einbeziehung der Eltern, so Föhl. Und die Erfahrung mit der Familienschule in Hemmoor habe gezeigt, dass die Eltern es gut finden, gemeinsam Konflikte zu lösen und sie merken, dass sie nicht alleine sind und sich miteinander austauschen können.
Rund 22.000 Euro hat die Stadt Cuxhaven in die Hand genommen, um den ehemaligen Werkraum der Grodener Grundschule umzugestalten. Die Personalkosten tragen zur Hälfte der Landkreis Cuxhaven und die niedersächsische Landesschulbehörde.

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