CUXHAVEN sh · Dass der 10. Windgipfel des Presseclubs Bremerhaven-Unterweser dieses Mal in Cuxhaven stattfand, war kein Zufall. Sozusagen im Schulterschluss mit Bremerhaven ist die Stadt Cuxhaven und die gesamte Region besonders stark im Bereich Windenergie engagiert. Und so ging es in den Hapag-Hallen einmal mehr um die Zukunft des Wirtschaftsfaktors Windenergie.
Wie schon beim Windgipfel letztes Jahr wurde deutlich, dass der Blick auf Gegenwart und Zukunft ganz unterschiedlich ausfällt. Andreas Wellenbrock, Geschäftsführer des Windverbandes WAB konnte von gefüllten Auftragsbüchern in der Branche berichten. Doch immer deutlicher bemerke man, dass die Geschäfte immer mehr auf den internationalen Markt verlagert würden. „Uns fehlt in Deutschland die Unterstützung durch die Politik,“ so Wellenbrock. Auch der Geschäftsführer der b.offshore GmbH Thomas Pontow bestätigte, dass man noch die nächsten drei Jahre über ausreichend Aufträge verfüge, sich gleichzeitig aber auch stärker international positioniere. Auf die Frage der Moderatorin Heike Winkler, was dies für die Zukunft bedeute, war man sich auf dem Podium einig, „nichts Gutes.“
Die Bedeutung der Windenergie ist der Politik bewusst. Schließlich sind in der Windindustrie nach offiziellen Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums über 160.000 Menschen beschäftigt, davon 42.000 in den Bundesländern Bremen und Niedersachsen. Derzeit wird politisch ein neues Energiesammelgesetz in Berlin verabschiedet, das den regulatorischen Rahmen für den Ausbau der Windenergie in Deutschland bilden soll. Für die Windenergie an Land sind bereits Sonderausschreibungen für einen wachsenden Ausbau vorgeschlagen worden. Leider sehe der Gesetzesentwurf keine Sonderausschreibung für die Windenergie auf See vor. Doch das, so die Replik aus der Politik, sei in Zukunft anders. Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur und Mitglied des Deutschen Bundestages, verteidigte die Bundespolitik mit dem Hinweis, dass bereits im März in Berlin über die kommenden Sonderausschreibungen für die Offshore-Windkraft verhandelt werden soll. Und Nils Schnorrenberger als Geschäftsführer der Bremerhavener Wirtschaftsförderung unterstrich, dass es zwischen Bremerhaven und Cuxhaven ein Testfeld für Offshore-Windkraftanlagen brauche.
Zusätzlich wurde deutlich, dass man in Bremerhaven und dem Cuxland an einem neuen Schulterschluss arbeite. Wasserstoff ist das Zauberwort in der Energiefrage. Hier sieht man, nicht zuletzt durch die politische Unterstützung vor Ort sowie der Einbindung von Forschung und Lehre, ein zweites „Standbein für die Wirtschaft vor Ort.“ Perfekte Bedingungen für die Industrie vor Ort belegen das Engagement für den weltweit ersten Wasserstoff-Zug im Linienbetrieb sowie die Diskussion über die Speicherung von Energie durch die Koppelung von Wind und Wasserstoff.
Letztendlich herrschte große Einigkeit auf dem Podium, dass für die Windindustrie in Bremerhaven und Cuxhaven dringend politischer Handlungsbedarf besteht. Und dass Wasserstoff, mit oder ohne Wind, bedeutsam in der Zukunft wird.

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