LANDKREIS tw · Es war fast so etwas wie eine Rückkehr in die Heimat. Nach Jahren in Köln und Karlsruhe wollte der gebürtige Kieler Philipp Rademann zurück in den Norden. Und ist am 1. November als neuer Geschäftsstellenleiter der IHK in Cuxhaven gelandet. „Menschen vernetzen, Themen fördern“, ist der entscheidende Faktor in seinem beruflichen Handeln. Und der steht auch bei seiner neuen Aufgabe an oberster Stelle.
„Wir vertreten als IHK die Gesamtinteressen der Wirtschaft“, sagt er. Und dabei sei es wichtig, diese Interessen zu bündeln und die teilweise unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. „Wir sind keine einseitige Lobby“, betont er. Wichtig ist ihm deshalb die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren aus Politik, Gesellschaft und Bürgerschaft. „Nur gemeinsam können wir etwas bewegen“, ist er überzeugt. „Deshalb sind wir auf einen guten Dialog angewiesen.“
Es ist vor allem die Themenvielfalt vom Tourismus bis zur Hafenwirtschaft, die den Rechtsanwalt an seinen neuen Arbeitsort geführt hat. Lange Jahre für einen Arbeitgeberverband in Köln und einen Immobilienverein in Karlsruhe tätig, sah er jetzt mit 45 Jahren den richtigen Zeitpunkt gekommen, „ein neues Kapitel aufzuschlagen“. Inzwischen hat er sich schon gut in der Stadt eingelebt. „Ich wurde mit offenen Armen empfangen“, freut er sich und weiß – aus einer Großstadt kommend – die Vorteile einer kleineren Stadt zu schätzen. „Eine spannende Region mit einer unglaublichen Aufbruchsstimmung“, wie er findet. Und einem Potenzial, das vielen noch gar nicht so bewusst sei.
„Viele Cuxhavener wissen nicht, was für einen Schatz sie haben“, sagt er und nennt unter anderem die in Relation zur Einkommenssituation niedrigen Lebensunterhaltungskosten und Immobilienpreise. Ein Pfund mit dem man wuchern könne, ein hervorragender Standortvorteil. „Wo sonst können sich Familien mit einem Alleinverdiener noch ein Haus leis­ten.“ Dies mache die Region auch für Leute interessant die ihren Arbeitsplatz in Hamburg haben, aber einige Tage in der Woche auch von zu Hause arbeiten können. Voraussetzung sei jedoch die Digitalisierung der Region, die so schnell wie möglich vorangetrieben werden müsse. Auch für die Unternehmen vor Ort, Start ups, Telemedizin „ist die Digitalisierung in der Fläche die große Voraussetzung“.
Weitere Themen auf seiner Agenda sind unter anderem die Interessenvertretung, die er weiter vorantreiben will, der Tourismus, dem er eine noch aktivere Rolle zuschreiben will, sowie der Südkreis, den er mehr in den Blick nehmen und dort vor Ort Angebote anbieten will.
Ein weiterer wichtiger Punkt sei zudem die Fachkräftesicherung. Hier müsse der Übergang von der Schule in den Beruf noch weiter verbessert werden. Es gelte nicht nur die Berufsorientierung an Gymnasien zu stärken, sondern auch mit den Jugendlichen selber ins Gespräch zu kommen, wie sie sich diesen Übergang vorstellen können. Für die Zukunft hat er also eine Menge Aufgaben vor sich. Dass er von außerhalb kommt, sieht er dabei als Vorteil. „Ich kann einen anderen Blick auf die Dinge werfen.“
Auch die Landrats- und Oberbürgermeister-Wahl gehen an der IHK nicht spurlos vorbei. „Wir wollen die Position der Wirtschaft schärfen und als Wahlprüfsteine in die Diskussion geben.“ Fragen, mit denen sich der Regionalausschuss der IHK befassen wird. Ein zweiter wichtiger Punkt sei die Frage, wie die Entwicklung der Stadt weitergeht. Mit der Cuxhavener Geschäftsstelle habe die IHK die Chance ihre Expertise mit in die Waagschale zu werfen.
Nach einer harmonischen Übergabe, so Rademann hat der bisherige Geschäftsführer Jochen Werwath zum Jahreswechsel das Ruder übergeben. Die Zusammenarbeit mit den Unternehmern und den politischen Akteuren stand auch immer im Mittelpunkt seines fast 25-jährigen Wirkens für die IHK. Jetzt wurde Werwath offiziell in den Ruhestand verabschiedet. „Spannende Jahre gehen zu Ende. Mit großer Freude habe ich mich für die Interessen der Wirtschaft in Cuxhaven und auch im gesamten Landkreis eingesetzt“, sagt er. Cuxhaven sei heute eine Stadt im Aufbruch. Deshalb ist er überzeugt, „dass die IHK auch mit meinem Nachfolger Philipp Rademann die erfolgreiche Arbeit nahtlos fortsetzen wird“, so der scheidende Geschäftsführer, dem die IHK für sein langjähriges Wirken dankte. „Ein stimmiger Wechsel“, wie Lutz Machulez-Hellberg, Vizepräsident der IHK Stade findet.

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