Eine sichere Wohnung zu haben, die bezahlbar ist, ist Menschenrecht. Und während Kommunen Millionen Wohnberechtigungsscheine ausstellen – mehr gibt es hier zu lesen – verfügen diese schlicht nicht über ausreichend Wohnraum. Diese fehlenden Sozialwohnungen könnten jedoch von Menschen mit einem Berechtigungsschein gemietet werden. Da dieser Wohnraum öffentlich gefördert ist, sind die Mieten entsprechend niedriger. Das die Kosten für eine Wohnung dennoch immer höher werden, liegt unter anderem an dem massiven Verkauf öffentlicher Wohnungen an Investoren. So sind die Mietpreise in vielen deutschen Städten für einen Großteil der Bevölkerung in der Zwischenzeit zu hoch.
Blickt man in der Geschichte der BRD zurück, zeigt sich, dass noch 1987 mehr als 5,5 Millionen Sozialwohnungen existierten. Heute sind es nur noch 1,5 Millionen in ganz Deutschland – einschließlich der neuen Bundesländer. Hinzu kommt, dass jedes Jahr Hunderttausende dieser Wohnungen aus der Mietpreisbindung fallen. Neue hingegen werden kaum noch gebaut. Dem Gegenüber steht eine gestiegene Nachfrage, als es vor mehr als 30 Jahren der Fall war. Zu verdanken ist dies der niedrigen Mietobergrenze, mit der Hartz IV-Empfänger zu kämpfen haben sowie den Mietkosten, die gerade in den Ballungszentren explodiert sind. Jedoch tragen ebenfalls die vervielfachten Kosten für Heizung und Strom ihren Teil bei.
Das Menschen in Deutschland ohne Wohnung sind, ist dabei nichts Neues. Waren es im Jahr 2014 noch rund 430.000 Menschen so hat sich diese Zahl bis heute mehr als verdoppelt. Skurril wird es in diesem Kontext dann, wenn man die Folgen das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums betrachtet. Unter dem Titel „Soziale Wohnungspolitik“ wird den Politikern nahegelegt, die Mietpreisbremse abzuschaffen und den Markt freizugeben. Mit dem Statement „Markteingriffe seien kontraproduktiv“ solle hingegen das Wohngeld erhöht werden. Dabei zeigt sich gerade in den großen Städten, was drei Jahrzehnte Privatisierung für Folgen haben.
Begonnen hat das Wirtschaften mit öffentlichem Wohnraum unter der Regierung von Helmut Kohl 1988. Dieser hatte für eine Aufhebung der Gemeinnützigkeit der Wohnungsgenossenschaften gesorgt. Hinzu kam die Legislaturperiode von Gerhard Schröder. In dieser haben Staat, Bundesländer und Kommunen eine Vielzahl von öffentlichen Wohnungen an private Investoren verkauft. Doch selbst in den letzten Jahren zeigt sich die Politik unter Kretschmann, Nils Schmid oder Horst Seehofer und Markus Söder offen, für den Verkauf dringend benötigter Wohnungen an rabiate Investoren. So wurden 2012 und 2013 weitere 55.000 Wohnungen verkauft.
Hier gibt es aus politischer Sicht erheblichen Nachholbedarf im Bereich Wohnungsmarkt. Denn auch im Elbe-Weser-Dreieck wird bezahlbarer Wohnraum immer knapper. Gerade Zweitwohnungen oder die dauerhafte Vermietung an Touristen ist hier zu einem Problem geworden. So stehen Wohnungen oftmals viele Monate im Jahr leer, nur um einige Wochen lang genutzt zu werden. Für den Besitzer bleibt dies aktuell straflos, wobei der Ruf des Wohnungs-Missbrauchs immer lauter wird.
 

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