LANDKREIS tw · Er war die politische Überraschung des letzten Jahres. Der IT-Fachmann und Unternehmer Carsten Meyer Heder, mit dem die Bremer Christdemokraten als ihren Spitzenkandidaten in die Landtagswahl gingen, und der seine Partei allen Unkenrufen zum Trotz zum ersten Mal in Bremen zum Sieg führte. „Und das stärker als die bisher immer siegreiche SPD“, so der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (vormals Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU) im CDU-Kreisverband Cuxhaven, Dr. Dirk Timmermann am Sonntag beim MIT-Neujahrsempfang im Schloss Ritzebüttel, auf dem er Meyer-Heder als Gastredner begrüßte.
In seiner Eingangsrede prangerte Timmermann die „ausufernde Bürokratie in Deutschland“ an. Obwohl alle Parteien sich deren Abbau auf die Fahne geschrieben hätten, nähme der Bürokratismus immer mehr zu. Als Beispiel nannte er die Datenschutzgrundverordnung und die Bonpflicht, „obwohl die Registrierkassen schon alles elektronisch erfassen“. Das Problem sieht er in angeblichen Gerechtigkeitslücken die geschlossen werden sollen, aber nur einen Bürokratiezuwachs erzeugten. Es könne nicht sein, dass wegen eines schwarzen Schafes, alle leiden müssten, pflichtet ihm der CDU-Landtagsabgeordnete Thiemo Röhler bei. Timmermann fordert deshalb, „die Misstrauenskultur gegen den Mittelstand abzulegen und zu sachgerechten Lösungen zu kommen“.
Nach mehreren Grußworten stand dann aber Meyer-Heder in Mittelpunkt. Da die Grünen sich gegen ein Bündnis mit CDU und FDP entschieden und lieber mit der SPD und der Linken eine Koalition eingingen, wurde Meyer-Heder nicht Bürgermeister in Bremen, blieb seiner Partei aber als Parteivorsitzender erhalten.
Und als „Neuling“ in der Politik gab es ein paar Sachen die in irritierten, wie er zu-gab. „Warum ist man gegen etwas, obwohl der andere Recht hat, nur weil er von einer anderen Partei ist?“ fragt er sich. Und warum kündige die Koalition aus SPD, Grünen und Linken einen Aufbruch an, „und tut so, als ob sie mit dem Desaster und den Problemen nichts zu tun hat, obwohl zwei von ihnen, SPD und Grüne – zwölf Jahre an der Regierung waren?“
Doch gerade als Außenstehender bringt er auch einen frischen Blick in den Politikbetrieb. Das Motto der Wahl, „Vorsprung durch Gelassenheit“ gelte noch heute, so Meyer-Heder. Für ihn und seine Parteikollegen stehe „Pragmatismus vor Populismus“.
Mit Blick auf die Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts – Digitalisierung, Klimawandel, Globalisierung, Demographischer Wandel, wie der Kreisvorsitzende und Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann in seinem Grußwort deutlich machte – gehe es aktuell um die Frage, wie die Politik der Zukunft aussehen muss. „Besteht unsere Politik den Innovationstest?“ war den auch seine Rede überschrieben. „Wir müssen die Menschen erreichen“, sagte er. Und sich dabei einer Jugend stellen, wie etwa von „Fridays for Future“, die Problemlösungen und Entscheidungen erwarte und keine ideologischen Grundsatzdebatten; Menschen, die zum Teil das politische System in Frage stellten und die Entscheidungsfindung nicht nachvollziehen könnten. Seine Antwort auf diesen Wandel: „Wir müssen Vorausdenken. Uns fragen, wo wollen wir hin?“ Und eines steht für ihn dabei im Vordergrund. „Wir müssen uns etwas trauen.“ Mit dem Blick des Unternehmers plädiert er für eine agile Vorgehensweise. Das heißt Neues in kleinen Systemen ausprobieren, schneller und kreativer sein. Hier sieht er eine Chance für das Bundesland Bremen. „Wir müssen uns Dinge trauen und keine Angst haben Fehler zu machen“, betonte er, denn es gehe darum Lösungen für den Bürger zu suchen. „Wir müssen den Mut haben, neue Prozesse zu entwickeln.“
Dazu gehört für ihn auch, die Entschlackung von Vorschriften, das Eindämmen von Klagemöglichkeiten und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Zudem fordert er eine Qualitätssicherung für Gesetze und Maßnahmen. „Wir müssen schon nach einem halben Jahr schauen, was für Effekte ein Gesetz gebracht hat. Und nicht vier Jahre bis zur Wahl warten.“
Für ihn und seine Partei gelte „entspannt, sachlich und der Zukunft zugewandt für die Menschen agieren.“ Meyer-Heder sieht deshalb die CDU als die einzige Volkspartei, die die Herausforderungen annehmen kann. Und beendetet seine Rede mit einem Zitat der CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, dass er als Motto für die nächsten Jahre sieht. „Wohlstand für alle, nicht Wohlfahrt für alle“.

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