CUXHAVEN sh · Von Kulturanstiftern, Nie-Besuchern und Bildungsfernen war bei der vom Landkreis und der Stadt organisierten Veranstaltung „Kultur braucht Vernetzung“ im großen Saal des Kreishauses die Rede. Und davon, wie man Menschen mit Kulturarbeit erreicht, die sonst eher einen Bogen um „Kunst“ machen. Sei es darstellende Kunst, Musik oder Schauspiel. Ins Thema einführen konnte der Peiner Kulturwissenschaftler und Theaterleiter Dr. Thomas Renz. Der hatte das Ergebnis seiner Doktorarbeit in dem Buch „Nicht-Besucher-Forschung“ veröffentlicht und war somit der richtige Ansprechpartner.
So sind Nicht- oder auch Nie-Besucher die Lieblingszielgruppe vieler Kulturschaffenden. So sei man ständig, so Renz, „auf der Suche nach einer einfachen Formel mit der man dieses immense Potenzial für die eigene Einrichtung gewinnen könne“. Schließlich besucht nur ein kleiner Teil der deutschen Bevölkerung besucht regelmäßig Kulturveranstaltungen. „So rund zehn Prozent sind ständige Besucher, rund 50 Prozent dagegen Nie- oder Nicht-Besucher.“ Blieben 40 Prozent Gelegenheits-Besucher „an die auch schwer ranzukommen“ sei. Grund seien Barrieren. Subjektive, wie Angst vor dem Unbekannten und objektive, wie eine schlechte Erreichbarkeit Dank mangelhafter ÖPNV-Situation. „Geld spiele auch eine Rolle, auch wenn manchmal 50 Euro für eine Fußball-Ticket möglich seien, aber keine fünf Euro für ein Museumsticket“, so der Einwurf einer Besucherin.
Renz differenzierte zwischen Gelegenheits- und Nie-Besuchern und stellte dar, welche Konsequenzen sich daraus für Marketing und Programmplanung ergeben. Denn nur mit einer veränderten Kommunikationspolitik werden neue Zielgruppen nicht nachhaltig in den Kulturbetrieb kommen. Es gehe darum, die Rezeptionserwartungen von Gelegenheitsbesuchern ernst zu nehmen und in die künstlerische Programmplanung aufzunehmen. Neue Themen, neue Besucherkonzepte und, wie aus dem Publikum schallte, eine veränderte Schulpolitik. Denn spätes­tens in der Schule würden die Wurzeln gelegt für ein Interesse an „Kulturarbeit“. Wer nie in einem Theater oder einer Ausstellung gewesen ist, wird als Erwachsener wenig Interesse an so etwas haben, wie eine Podiumsteilnehmerin sagte. Dort saßen mit Dezernent Friedrich Redeker, Oberbürgermeister Uwe Santjer, Sparkassenchef Peter Klett, Künstlerin Elke Prieß und Kunstlehrerin Dorothee Schelenz Teilnehmer, die sehr direkt mit dem Phänomen Nicht-Besucher oder besser Nicht-Interessierten zu tun haben. Sie konnten die Forschungsarbeit von Thomas Renz in den meisten Punkten aus eigener Erfahrung bestätigen.

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