Geschichte erleben

Feb 5, 2020

NORDHOLZ tw · „Wir machen Geschichte erlebbar“, sagt Bernhard Jährling, Vorsitzender des Fördervereins für das Aeronauticum. Um diese Geschichte auch Kindern und Schülern näher zubringen, müsse jedoch die Museumspädagogik weiterentwickelt werden. Eine wichtige Aufgabe, denn wie schon auf dem Netzwerktreffen für Kulturschaffende, das gerade erst im Kreishaus stattfand, deutlich geworden sei, „wird in der Schule das Interesse für Kultur gelegt“.
Umso größer war jetzt im Aeronauticum die Freude, dass die Stiftung Niedersachsen, die Klos­terkammer Hannover und die VGH-Stiftung, die Weiterentwicklung der Museumspädagogik zusammen mit 88.500 Euro fördern, wie sie bei einem Pressegespräch am Donnerstag im Aeronauticum bekannt gaben. Hierzu gehört auch die Schaffung einer Halbtagsstelle für eine museumspädagogische Fachkraft. Seit dem 1. Februar nimmt diese Aufgabe Katja Tiltmann wahr, die im Landkreis keine Unbekannte ist. Aus dem Sauerland kommend, hat die 35-jährige in Heidelberg klassische Indologie und Ethnologie studiert. Vor ihrer geplanten Doktorarbeit legte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr ein und landete so vor rund zehn Jahren im Wrackmuseum in Cuxhaven. „Und meine erste Führung war so klasse, dass ich gemerkt habe, das ist genau mein Ding.“ Und da ihr auch die Gegend gefiel, beschloss sie hier zu bleiben. Und so folgte dem FSJ ein Volontariat im Wrackmuseum, dessen Umzug in „Windstärke 10“ sie mit vorbereitet hat. Danach ging sie für ein Jahr zum Ringelnatz-Museum, dem sie durch einen ehrenamtlichen Sitz im Stiftungsrat immer noch eng verbunden ist. Nach sechseinhalb Jahren im Bachmann-Museum in Bremervörde, will sie mit ihrem dort erlangten Wissen auch im Aeronauticum voll durchstarten. Denn in Bremervörde stand neben der Öffentlichkeitsarbeit auch die Museumspädagogik im Vordergrund. Und in dieser Zeit „ist es uns gelungen, die Schülerzahlen zu erhöhen“. Sie hat lehrplanbezogene Konzepte aufgestellt und immer den Kontakt mit den Lehrern gesucht. Das Königsziel in der Museumspädagogik sei, den Museumsbesuch in die Lehrpläne zu implementieren. Was ihr in Bremervörde an zwei Schulen gelungen ist.
„Kein Schüler sollte die Schule verlassen, ohne das Aeronauticum besucht zu haben“, findet auch Hans-Christian Biallas, Präsident der Klos­terkammer Hannover. Und das gehe nur, wenn man die Schüler vom hervorragenden Museumskonzept überzeugen könne. Deshalb sei die Klosterkammer gerne in die Förderung mit eingestiegen. Für ein Projekt, das dazu diene, das Museum so aufzustellen, dass es auch für die nachwachsende Generation interessant wird.
Rund 20.000 Euro der Fördersumme gehen deshalb in ein Fahrkostenbudget, um den Schulen eine unkomplizierte Möglichkeit zu bieten, das Aeronauticum zu erreichen. Damit werde die im ländlichen Raum oft herrschende Barriere der Beförderung zum Museum abgebaut. „Dies sehen wir auch als Signal an den Landkreis“, so Biallas. Denn er findet, dies sollte auch Aufgabe des Landkreises sein.
„Wir sind daran interessiert die Museumsszene weiter zu entwickeln“, so Dr. Tabea Golgath von der Stiftung Niedersachsen. Und dazu brauche es zwei Dinge: „Keine Information ohne Emotion und assoziative Brücken schaffen.“ Und dies soll unter anderem mit Experimentierkoffern und Mitmach-Stationen in der Dauerausstellung erreicht werden. Und auch Klaus Müller von der VGH-Stiftung sieht in der Weiterentwicklung der Museumspädagogik ein Projekt, das Wirkung erzielen werde.
„Eine Unterstützung die wir dringend brauchen“, freute sich Kuratoriumsvorsitzender Dirk Wurzer. Und ein ganz wichtiger Schritt in eine neue Zukunft. „Sie helfen uns ungemein, die Vermittlung auf neue Füße zu stellen.“ Denn das war bisher ein großes Problem. „Wir konnten nicht in die Vollen gehen, weil wir das personell nicht geschafft hätten“, so Museumsleiterin Dr. Anja Dörfer. Umso mehr freut sie sich, mit Katja Tiltmann eine erfahrene Museumspädagogin ins Haus holen zu können, die auch in der Gegend verwurzelt ist.
Ein Projekt läuft bereits. Jungen und Mädchen der Kita und der Grundschule Midlum erstellen in kleinen Gruppen kleine Filme rund um ihr Lieblingsexponat im Museum. Filme, die später an entsprechender Stelle über einen QR-Code abgerufen werden können.
Von Mai bis September folgt die Ausstellung „Frieden machen“ der Bundeszentrale für politische Bildung. Die interaktive Wanderausstellung beschäftigt sich mit Fragen der politischen Konfliktbewältigung und wurde Schülerorientiert konzipiert.

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