LANDKREIS tw · Was ist noch Flirt? Was schon sexuelle Belästigung? Was sind sexistisch Sprüche? Und was machen sie mit einem? Diesen und vielen weiteren Fragen geht die Ausstellung „Echt Krass! Wo hört der Spaß auf? – Jugendliche und sexuelle Gewalt“ nach, die zurzeit für Schulklassen und Jugendgruppen in der BBS Cuxhaven zu sehen ist.
„Es ist ein Thema, das alle angeht“, sagte Rüdiger Koenemann, Schulleiter der BBS Cuxhaven bei der Eröffnung am Mittwoch letzter Woche. Es sei wichtig Intervention und Prävention an Schulen zum Thema zu machen. Er sieht die Ausstellung deshalb auch als einen wichtigen Impuls für die Arbeit an Schulen an. Biete der interaktive Parcours doch eine gute Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen, wie Cuxhavens Bürgermeister Bernd Jothe sagte. Ein großer Dank ging von Sozialdezernent Friedhelm Ottens an den „Arbeitskreis gegen sexuelle Gewalt an Kindern“, der die Ausstellung nach Cuxhaven geholt hat.
Dass sexuelle Grenzverletzungen auch unter Jugendlichen keine Seltenheit sind, macht folgende Zahl deutlich. Rund 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen erfahren laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung sexualisierte Gewalt. Das reicht von unangemessenen Berührungen über sexuell motivierte Annäherungsversuche in sozialen Medien bis hin zu schweren Fällen von Missbrauch. Und alle diese Bereiche spricht der interaktive Parcours an. An fünf Stationen können die Jungen und Mädchen anhand von Toneinspielungen, kleinen Filmen, Bildern oder auch greifenden Händen viel zu den Themen „Sex sells: sexistische Werbung und Pornografie“, „Trial & Error: eigene Bedürfnisse und die des Partners/der Partnerin“, „Stop & Go: Kommunikation in Teenagerbeziehungen“, „Love & Hate: Gruppendruck und emotionale Abhängigkeiten“ sowie „Law & Order: Gesetzeslage und Hilfe bei sexuellen Grenzverletzungen“ erfahren. Und das nicht mit erhobenem Zeigefinger sondern bunt, zum Teil auch witzig, mit wichtigen Tipps, aber auch immer die Grenzen aufzeigend und über Recht und Anspruch auf Schutz und Hilfe aufmerksam machend. Und die Schüler so spielerisch für ein nicht einfaches Thema sensibilisiert. Kombiniert sind die Stationen mit Kabinen in denen man hautnah erleben kann, wie es sich anfühlt begrapscht zu werden, oder lästige Anmachsprüche an den Kopf geworfen bekommt. Begleitet wird der Ausstellungsrundgang von Mitgliedern des Arbeitskreises, die in die Ausstellung einführen und an die sich die Schüler mit Fragen wenden können.
„Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden“, so Kim Riga-Stüve von der Erziehungsberatung des Landkreises Cuxhaven. 34 Schulklassen aus zwölf Schulen des Landkreises haben sich bereits angemeldet. Da noch Zeitfens­ter offen sind, können sich auch noch weitere Gruppen bei Alexandra Kock von profamilia unter cuxhaven@profamilia.de oder (04721) 311 44 anmelden. Die Ausstellung ist bis zum 25. Februar von 8 bis 14 Uhr für Schulklassen zugänglich.
Der „Arbeitskreis gegen sexuelle Gewalt an Kindern“ ist ein Zusammenschluss mehrerer Institutionen und befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit der Verbesserung von Hilfsangeboten und Interventionsmöglichkeiten bei sexuellem Missbrauch und bei Verdacht auf sexueller Gewalt. Die Federführung übernimmt dabei die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Landkreises Cuxhaven.

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