CUXHAVEN tw · Er weiß wie wichtig Unterstützung für junge Unternehmen ist. Schon als Schüler hat ­Fridtjof­ Detzner zusammen mit Chris­tian Springub Webseiten programmiert und 2007, dann im Dreiergespann mit Matthias Henze, das Start­up „Jimdo“ gegründet. Und er ist der Gründerszene treu geblieben. So drehte er für die Deutsche Welle Beiträge zur Gründerszene in Asien. Eine Arbeit, die ihn nachhaltig geprägt und zu seinem neuen Projekt „Planet A“ geführt hat.
Am Donnerstag stellte er das Projekt im Rahmen der Vortragsreihe „Cuxhavener Unternehmerszene“ der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Alwistra vor. Die Reisen für die Deutsche Welle seien eine tolle Erfahrung gewesen, „bei denen ich ein anderes Problembewusstsein gewonnen haben“. Klimawandel, Umweltverschmutzung, Kinderarbeit waren nur einige der Seiten, die er auf seinen Reisen kennenlernte. Auf der anderen traf er Unternehmer, die sich den Problemen stellen und Lösungen suchen. Besonders gut in Erinnerung ist ihm die Geschichte eines indischen Bauern, der durch Starkregen und Dürre immer wieder seine Ernte verlor. Und der als einzigen Ausweg den Selbstmord sah, damit seine Kinder wenigstens eine Waisenrente bekommen. So weit kam es zum Glück nicht. Denn es gab einen Gründer, der anpacken und helfen wollte. Er entwickelte ein Treibhaus, das gegen Starkregen stabil ist. Nur ein Beispiel von vielen. Auf seiner Reise habe er viele inspirierende Leute getroffen, „die Probleme sehen und Lösungen finden“.
Erlebnisse, die in ihm die Idee reifen ließ, Startups mit nachhaltigen, innovativen Ideen zu unterstützen. Mit anderen bringt Detzner, wieder zuhause, zuerst selbst zwei Projekte an den Start: „Wildplastic“, das Müllbeutel aus recycelten Plastik herstellt und damit Plastiksammel­initiativen in der ganzen Welt unterstützt und „Greenloop“, ein Salatgarten für die Küchenwand, von denen der erste seit ein paar Wochen in der „Bullerei“ von Tim Mälzer hängt.
Unter dem Motto „build something the Planet needs“ hat er sich jetzt mit anderen Unternehmern zusammengetan und „Planet A“ auf den Weg gebracht. Dabei legt er auf zwei Sachen wert. „Weg vom Greenwashing hin zu quantifizierbaren Zahlen“ und „Gewinne fließen stets in die Förderung neuer Unternehmungen“.
In Sachen Nachhaltigkeit sind auch Claudia Wolf und Stefan Grieving unterwegs. Wenn auch auf ganz andere Weise. Sie haben vor zwei Jahren das Unternehmen „Cuxhavener Kaffeeröster“ gegründet, und legen in ihrem Café in der Deichstraße in Cuxhaven und dem Café Brüning in Otterndorf Wert auf Handwerk, Qualität und Nachhaltigkeit. Schon vor über 16 Jahren begann Claudia Wolf sich für das Kaffee­rösten zu interessieren. Doch es dauerte ein paar Jahre bis sie ihren Traum umsetzte. Eine Zeit, die sie intensiv nutzte sich weiterzubilden und übers Kaffeerösten zu informieren. Und so sind in ihr Unternehmen viel Wissen und Knowhow eingeflossen.
„Wir sind keine Umweltengel“, sagte Wolf. „Aber wir versuchen zu tun, was wir tun können.“ Und das ist nicht wenig. Sei es der Verzicht auf Pappbecher und das Verwenden regionaler Produkte soweit wie möglich. Zudem legen sie bei der Herstellung von Kuchen und Eis Wert auf natürliche Zutaten, verzichten ganz auf Fertig- und aufbereitete Vorprodukte. Und, das ist ihnen besonders wichtig: Der Rohkaffee stammt aus kontrollierten Anbaugebieten. Dabei waren Wolf und Grieving auch vor Ort bei Kaffeebauern in Kenia. Und haben gesehen, dass es einiges zu verbessern gibt. So beziehen sie ihren Kaffee aus Kenia über das Kedovo-Projekt. Das heißt, dass der Kaffee im direkten Handel von den Kaffeebauern bezogen wird. Auf diese Weise erhielten die Kaffeebauern 40 Prozent mehr, als sonst auf dem Weltmarkt gezahlt werde. „Und durch das Kedovo-Projekt werden die Farmer auch angeleitet, wie sie die Qualität verbessern können“, so Wolf. Etwa durch den Verzicht von Spritzmitteln und dem richtigen Einsatz von Dünger. Ein erfolgreicher Ansatz. Inzwischen produziere Kenia „den besten Kaffee“. Dabei wollen Wolf und Grieving preislich nicht mit Industriekaffee konkurrieren. „Wir machen Handwerksqualität“, so Wolf. Das heißt auch, dass dem Kaffee beim Rösten Zeit gegeben wird, sein Aroma zu entfalten. Was sich auch im Preis niederschlägt.
Zurzeit stehen Wolf und Grieving vor einer Herausforderung der ganz anderen Art, bei der sie sich gerade als junges Unternehmen ein bisschen von der Bürokratie überfahren fühlen. „Wir wurden als erste Rösterei in Deutschland ausgesucht, ein Explosionsgutachten zu erstellen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.