LANDKREIS tw · Sie waren ein Sensationsfund in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts – die Gräber an der Fallward bei Wremen. Zwischen 1993 und 1998 konnten bei der Grabungskampagne durch die Archäologische Denkmalpflege des Landkreises Cuxhaven rund 200 Urnen-, Brandschüttungsgräber, Brandgruben und etwa 60 Körpergräber eines zwischen 300 nach Chris­tus und der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts nach Christus belegten Friedhofes freigelegt und dokumentiert werden. Dabei entdeckte hölzerne Grabeinbauten sowie vollständige Beigabeninventare unter anderem aus Holz und vielschichtige Textilien sowie zahlreiche pflanzliche Materialien, „sind in einer zum Teil hervorragenden organischen Erhaltung, wie sie sonst kaum gegeben ist“, wie der ehemalige Kreisarchäologe Matthias D. Schön bei einem Pressegespräch am Mittwoch letzter Woche im Kreishaus deutlich machte. Und er konnte sich noch gut an den Tag der offenen Tür erinnern, an dem das Grabungsfeld der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Rund 6.000 Besucher kamen und sorgten für ein Verkehrschaos im damaligen Land Wursten.
Ein Fund, der für die Archäologin Christine Peek vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, Wilhelmshaven „der Auslöser war, für das was ich heute tue“, so die Spezialistin für organische Materialien. „Ich hatte sofort Blut geleckt und war von der ers­ten Sekunde an fasziniert“, erinnert sie sich an den Moment, als ihr ein Kollege von den Grabfunden berichtete. Damals ahnte sie noch nicht, dass sie diese einmal federführend mit erforschen würde. Und ist begeistert von ihrem Forschungsobjekt. „Die Holz­erhaltung ist fantastisch. Das gibt es kein zweites Mal in Europa.“
Die umfangreichen interdisziplinären Untersuchungen an den spätrömischen Grabfunden werden deshalb von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und sollen neue Ergebnisse zur Gesellschaft des Wesermünde-Gebiets zu Tage bringen, wie etwa zu den Bestattungsritualen und der gesellschaftlichen Organisation der Bestattungszeremonien. Dazu sollen die Gräber insbesondere in den Bereichen Textilarchäologie, Dendrochronologie, Anthropologie, Paläogenetik und Paläobotanik analysiert werden. Das Forschungsvorhaben ist am Niedersächsischen Institut für his­torische Küstenforschung, Wilhelmshaven angesiedelt, unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Universität Kiel, der Akademie für bildende Künste, Stuttgart, der Universität Kopenhagen, des Royal Institute for Cultural Heritage, Brüssel, und aus Braunschweig.

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