LANDKREIS ano/tw · Es ist nicht die Pest, es ist nicht die Cholera, es ist auch nicht die Spanische Grippe. Aber mit dem Corona-Virus, der zu einer Lungenkrankheit führen kann, ist eine weltweite Epidemie verbunden, die zur Vorsicht mahnt – auch wenn sie bisher nur im geringen Maß den Landkreis Cuxhaven (es sind derzeit 13 nachgewiesene Fälle bekannt) erreicht hat. Grund zur Panik besteht – wenn alle mit Sinn und Verstand reagieren und sich an einige besondere „Spielregeln“ halten – nicht. Dazu gehört der Verzicht auf Reisen, kein Aufenthalt in größeren Personenansammlungen und die Einhaltung von Hygienemaßnahmen. Und statt sich massenhaft mit Toilettenpapier und Nudeln einzudecken, ist der Kauf von Früchten und Gemüse eine sinnvolle, weil gesunde Alternative.
Corona-Virus hat Leben fest im Griff – Ministerpräsident bittet um Verständnis / Bürgertelefon
Das neuartige Virus Sars-CoV-2 hat das Land im Griff. Seit Dienstag kommt es zu tiefen Einschnitt ins Privatleben aller. Größer Veranstaltungen sind schon länger abgesagt. Jetzt kommt nicht nur das Kulturleben zum Stillstand. Das Land Niedersachsen untersagt alle öffentlichen Veranstaltungen sowie die Schließung aller Freizeit- und Kultureinrichtungen und Teile des Einzelhandels. „Wir haben die Gesundheitsbehörden angewiesen, alle öffentlichen Veranstaltungen sowie private Versammlungen in Niedersachsen zu untersagen. Auch sämtliche Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind ab Dienstag zu schließen. Das gleiche gilt für die Teile des Einzelhandels, die nicht für den täglichen Bedarf erforderlich sind“, sagte Gesundheitsministerin Dr. Carola Reimann.
Ausdrücklich nicht geschlossen werden der Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel. Bereiche für die das Sonntagsverkaufsverbot bis auf weiteres ausgesetzt ist.
Einschränkungen, für die Ministerpräsident Stephan Weil um Verständnis bittet. „All diese Maßnahmen sind mit dem Bund und den anderen Bundesländer abgestimmt. Die Menschen erwarten in diesen Zeiten zu Recht, dass der Staat so eindeutig und einheitlich wie möglich auftritt und Sicherheit gibt. Mein Appell an alle Bürgerinnen und Bürger: Bitte halten Sie sich an die Vorgaben und nutzen Sie auch in ihrem privaten Umfeld alle Möglichkeiten, Infektionen vorzubeugen. Es geht um unser aller Gesundheit, insbesondere aber auch um die Gesundheit von älteren und vorerkrankten Menschen.“
Untersagt sind deshalb auch alle privaten Besuche von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen sowie von Patienten in Krankenhäusern. Ausnahmen vom Besuchsverbot gelten lediglich für die Besuche von Eltern auf Kinderstationen, von Vätern auf Entbindungsstationen und für die Besuche von Angehörigen auf Palliativstationen.
Auch Gottesdienste in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften werden, unabhängig von der Teilnehmerzahl, verboten.
Mit Blick auf das sich täglich intensivierende Geschehen im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Corona-Virus, teilt auch der Landkreis Cuxhaven in Absprache mit den kreisangehörigen Gemeinden/Samtgemeinden und Städten folgendes mit: „Das Kreishaus in Cuxhaven inklusive aller Nebenstellen sowie die Rathäuser der kreisangehörigen Gemeinden, Samtgemeinden und Städte bleiben bis auf weiteres geschlossen. Gleiches gilt auch für alle öffentlichen Einrichtungen, auch die Sportstätten. Die Erreichbarkeit per Telefon und E-Mail ist gewährleistet. Termine, für die ein persönlicher Besuch erforderlich ist, müssen fest vereinbart werden. Dieses gilt auch für die Kraftfahrzeug-Zulassung des Landkreises. Zulassungen der Außenstelle Hemmoor werden ab sofort nicht mehr möglich sein.“
Bürgertelefon: Unter (04721) 66 20 06 hat der Landkreis ein Bürgertelefon eingerichtet, bei dem die Anrufer Auskunft zu fragen erhalten, die sich aus der aktuellen Situation ergeben. Darüber hinaus gibt es weitere Informationen auf der Homepage des Landkreises unter www.landkreis-cuxhaven.de. Hier sind insbesondere Fragen zur Hygiene dargestellt, um das Bürgertelefon nicht mit Fragen hierzu zu belas­ten. Das Telefon ist montags bis freitags zwischen 8 und 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 13 Uhr besetzt.
Auch das Jobcenter Cuxhaven teilt mit, dass es für seine Kunden zwar weiterhin da ist, die Standorte allerdings geschlossen sind. Telefonisch ist das Jobcenter montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr unter (04721) 71 01 00 sowie zusätzlich von 8.30 bis 12 Uhr unter (04721) 71 02 73 erreichbar.
Für konkrete Notfälle besteht die Möglichkeit unter diesen Nummern auch einen persönlichen Termin zu vereinbaren. Anträge zur Grundsicherung sowie Veränderungsmitteilungen können formlos in den Hausbriefkasten der Dienststelle eingeworfen werden oder auch elektronisch über die Internetseite des Jobcenters www.jobcenter-cuxhaven.de hochgeladen oder per E-Mail unter jobcenter-cuxhaven@jobcenter-ge.de zugesendet werden.
„Das Händewaschen nicht vergessen“ – Gespräch mit Dr. Kai Dehne über das neue Corona-Virus
Es sind drastische Maßnahmen die zurzeit verfügt werden. Und sie haben einen guten Grund wie Dr. Kai Dehne vom Gesundheitsamt des Landkreises Cuxhaven in einem telefonischen Gespräch deutlich machte. „Das Virus wird sich weiter ausbreiten. Unser Hauptproblem ist, es wird sich exponentiell ausbreiten. Und mit den Maßnahmen wollen wir versuchen, alle Neuansteckungen ein bisschen zu strecken um die Gesundheitssysteme dann besser auf das Corona-Virus vorbereiten zu können. Vor allem da wir gerade parallel in der Erkältungs- und Grippe-Saison sind“, erklärte er. Die Schulschließungen seien vor allem wichtig, da Kinder, die selbst sehr selten an dem Virus erkranken, sich schnell anstecken und diesen auch schnell verbreiten können. „Damit wollen wir vor allem die Risikogruppen, wie etwa Lungenkranke oder Immungeschwächte schützen.“
Und da tatsächlich zurzeit wegen der Erkältungssaison viele vor sich hinschniefen und ein Kratzen im Hals spüren, stellt sich für sie dann auch die Frage ob man Erkältung oder Grippe vom neuen Corona-Virus unterscheiden kann? „Dass ist für einen Laien sehr schwer“, so Dr. Dehne. Der aber auch beruhigt: „Wichtig ist, wenn ich eine Erkältung habe, heißt das nicht, dass ich das Corona-Virus habe. Nur wenn ich aus einem Risikogebiet komme und erkranke oder Kontakt mit einem Verdachtsfall habe, stand heute (17. März) sollte ich meinen Hausarzt anrufen, der die Symptome abklärt und bei weiterem Bedarf mit uns Kontakt aufnimmt.“
Gibt es denn außer den bekannten Hygiene-Maßnahmen eine sinnvolle Möglichkeit der Immunstärkung? „Auf eine gesund Lebensweise achten, Fahrradfahren, laufen, nicht rauchen – das was man generell für ein gesundes Leben tun sollte“, so Dr. Dehne. „Doch ganz wichtig ist, so doof es klingt, das Händewaschen, und zwar richtig. Das heißt auch in den Fingerzwischenräumen und vor allem mindestens zwanzig Sekunden lang, dann sind alle Viren weg. Zudem enge soziale Kontakte und Menschenansammlungen meiden, zwei Meter Abstand halten, in den Ellenbogen niesen“. Das heißt nicht, dass man in der Wohnung bleiben sollte. „Wir empfehlen sogar raus zugehen und sich zu bewegen. Bloß, wie gesagt Menschenansammlungen vermeiden und sich an die Verhaltensregeln halten.“
Wer die Befürchtung hat, sich mit Sars-CoV-2 infiziert zu haben, sollte auf keinen Fall persönlich in die Hausarztpraxis kommen, sondern sich telefonisch an den Hausarzt wenden oder außerhalb der Sprechzeiten unter 116 117 den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen.
Weitere Informationen im Internet unter: www.niedersachsen.de/coronavirus, www.rki.de, www.infektionsschutz.de

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