Gibt es etwas Positives in Zeiten von Corona? Man sollte wohl nicht so weit gehen und den Virus freudig begrüßen, aber die letzten Wochen haben auch bemerkenswerte Momente hervorgebracht. Bemerkenswert positive, wohlgemerkt. Zum Beispiel beim Thema Lkw-Fahrer. Also, in virenarmen Zeiten sind die momentan mit Dankesworten Überschütteten eher ein Fall für einen massiven Wutanfall, wenn beispielsweise auf der zweispurigen Autobahn mal wieder ein Elefantenrennen den gehetzten Familienvater, der heim zu Kind und Kegel will, aufhält. Ooh, lässt sich da schön fluchen. Auch wenig beliebt ist der Lkw-Fahrer, der wegen seiner gesetzlich angeordneten Pause nicht auf dem überfüllten Rastplatz zusammen mit vielen Kollegen sein Pausenbrot genießt, sondern lieber den 40-Tonner direkt auf dem Standstreifen kurz nach der Parkplatzeinfahrt abstellt.
Doch nun ist alles anders. Erstens stören uns die Elefantenrennen nicht so, weil wir eh zu Hause ausharren – manch Familienvater wünscht sich ja momentan ohnehin weit weg von Kind und Kegel und sehnt die Zeiten zurück, in denen der Fluch nicht dem lärmenden Nachwuchs galt, sondern der Laderückwand auf der versprochen wird „Ich fahre Gut für Sie“. Sie verstehen: das Gut, also die Ware. Nudeln und Klopapier beispielsweise. Und zweitens haben wir den Zweck der 40 Tonner wieder Erkennen gelernt. Ja, sie bringen uns, was wir weder jetzt noch in vor- und nach-coronalen Zeiten horten müssen, aber haben wollen. Unser täglich Einkaufsvergnügen. Damit wir dem Drang zum Geldausgeben auch nachkommen können, kommen Herr und Frau Brummi dabei stark ins Schwitzen.
Und hier regt sich dann der Unmut, ja, wir haben die Möglichkeit herzhaft zu fluchen. Ok, diesmal nicht über, aber doch zumindest mit den Kapitänen der Straße. Denn was denen gerade widerfährt, das ist schon einen ordentlichen Fluch wert. Und ja, einen Weinbrand auch. Der als innere Desinfektion. Denn man lässt sie zwar schwitzen, aber für die Körperreinigung ist dann entweder das Sanitärgebäude auf dem Parkplatz geschlossen, wahlweise dauerbesetzt oder schlicht mit einem Benutzungsentgelt bedacht, für das der Held der Straße durchaus mal einen einwöchigen Stopp auf den nun für Urlauber gesperrten Nordseeinseln einlegen könnte. Auch so manche Adressaten der Lieferungen, sofern es sich um größere Unternehmen handelt, sind nicht zwingend ein Leuchtturm in der Hygiene-Dunklen-Zeit. Keine Möglichkeit eine Ruhepause außerhalb der Fahrerkabine einzulegen, Duschen sind nur für Mitarbeiter und manchmal fehlt auch das Klopapier auf dem alles andere als stillem Örtchen. Gut, Letzteres hat seinen Grund im deutschen Hamster, aber trotzdem, so bitte nicht.
Wie gut, dass sich nun auf einmal soziales Engagement verstärkt zeigt. In Form von Tankstellenbesitzern, die ihr Herz und ihre Waschräume weit öffnen, in Form von Dienstleistungsunternehmen, die per Werbetafel auf die Möglichkeit zur Dusche in ihren heiligen Hallen aufmerksam machen und vor allem durch private Haushalte, die Brummifahrern ein Klo und oft auch eine Dusche anbieten. Wer hätte das gedacht. Wir Wohlstands-Deutsche haben das soziale Gewissen noch lange nicht abgelegt. Selbst wenn einer von uns mal Nudeln in Mengen kauft, die ausreichen alle Brummifahrer zusammen in Deutschland bis in die Nach-Corona-Zeit zu sättigen. Es sei ihnen verziehen.

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