Man glaubt es kaum, aber ohne es zu Beschreien, in Deutschland kommen wir möglicherweise besser weg als so mancher unserer Nachbarn. Man stelle sich vor, die ganze Welt, gut sagen wir mal ganz Europa hat nicht genug Notfallbetten. Ganz Europa? Nein, ein von umsichtig denkenden Volksvertretern jahrzehntelang in Sachen Medizin wohl gelenktes Land …
Nein, das kann man nicht schreiben, nicht so und das ist auch nicht so und ganz bestimmt gibt es Haue für den Autor dieser Zeilen, wenn er das so stehen lässt. Fakt ist, in Deutschland gibt es seit Jahren – im zweistelligen Jahreszahlenbereich – heftige Diskussionen ob des mitunter eingeschlagenen Irrwegs im nationalen Gesundheitswesen. Da ist die von vielen als Zweiklassengesellschaft empfundene Unterteilung in Kassen- und Privatpatient, da ist die Schließung unzähliger meist im ländlichen Raum gelegenen Krankenhäuser, da ist der Ausbau der Bürokratie, der aus einer einstündigen Operation ein sechsstündiges Schreibvergnügen für den behandelnden Arzt macht und nicht zuletzt ist da die Betrachtung eines Krankenhauses als ein auf Gewinnmaximierung ausgelegtes Wirtschaftsunternehmen. Und natürlich schalt auch die Klage nach mehr medizinischem Personal durch die mit Patientenbetten vollgestellten Flure der mit Pflegepersonal unterbesetzten Krankenhausstationen. Und doch sollen wir Deutschen uns glücklich schätzen in der momentanen Situation? Die Kritik mal verstummen lassen und uns mit gebührendem Abstand zueinander freuen und uns klatschend um 21 Uhr auf den Balkon stellen? Ja, Ja und nochmals Ja!
Denn ein Blick zum Nachbarn, nein nicht dem auf dem Balkon neben uns, sondern dem hinter früher frei überschreitbaren nationalen Grenzen offenbart Erschreckendes. Da sterben bei einigen internationalen Nachbarn pro Tag genauso viele Corona-Patienten wie in Deutschland in der gesamten Zeit. Was das Wissen und Ertragen um den Tod nicht leichter macht. Da werden Patienten mit Hilfe deutscher Bundeswehrsanitäter und -ärzte – auch Euch sei gedankt – aus Ländern nach Deutschland verlegt, die in ihrem Heimatland sonst keine Überlebenschance hätten. Und mit dem Blick über den großen Teich – ja, das ist weit, aber in Zeiten eines nicht sichtbaren Feindes namens CoV19 doch nah – müssten wir eigentlich auf die Knie fallen ob eines Gesundheitswesens, das jeden einschließt und nicht nur die paar Gutsituierten.
Sicher, in Deutschland wurde gespart, zu viel gespart und zu schnell „der Laden dicht gemacht“. Unzählige Gesundheitsminister haben ihren Job als Strafversetzung in den einstweiligen politischen Ruhestand empfunden und verwaltet, statt zu entwickeln. Aber jetzt merken wir, es war doch nicht alles schlecht in diesem unserem Land. In Deutschland haben wir, nein können und sollten wir weiterhin die momentane Situation als das betrachten was sie ist. Eine Herausforderung, die viele Freiheiten einschränkt, die uns dabei vor völlig neue Probleme und damit Aufgaben stellt und die wir doch ganz sicher meistern werden. Auch dank eines Gesundheitswesens, dass es nach der Krise dringend zu überarbeiten gilt. Zum Beispiel mit besserer Entlohnung des Personals, mit mehr Betten in Krankenhäusern auch auf dem Land und einem nicht länger auf Gewinnmaximierung angelegtem System. Es hat sich gezeigt, Gesundheit ist vor allem auch eine Staatsangelegenheit. Bis dahin hilft uns das Wissen, dass wir eine gute Perspektive haben und wir sicher auch die nächsten Tage noch aushalten können. Ehrlich!

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