Der Witz ist alt bekannt. Wird ein Österreicher von einem Franzosen darauf angesprochen, warum es in den Wiener Restaurants so selten Weinbergschnecken gäbe, ist die Antwort „Du versuchst sie zu fangen und husch, husch, fort san’s.“ Was wenig über Schnecken, aber viel über Vorurteile betreffs der österreichischen Schnelligkeit aussagt.
Manchmal – und zu betonen ist hier, dass dies nicht zwingend nur für das Land von Schnitzel und Kürbiskernöl gilt, manchmal steckt ein Kern – ich betone nochmals: Kein Kürbiskern – Wahrheit in all dem. Doch nun scheint alles anders. Ungleich der vermaledeiten Schnecken prescht die österreichische Regierung nach vorn. Lockern will sie die coronal bedingten Zwangsmaßnahmen, und zwar schon nach Ostern. So die Gedankenspiele gleich hinter dem Brenner.
Doch Obacht. Wer jetzt frohlockt und jauchzend seine Kumpels anruft und zur großen Nach-österlichen-Sause einlädt, handelt schnell. Zu schnell, nach Meinung diverser Wissenschaftler. Die warnen nicht nur vor einer möglichen zweiten Welle, sondern verweisen auf die nach wie vor hohen Zahlen bei den Virusinfektionen. Nicht nur in Österreich, auch bei uns.
Mal ganz ehrlich, sozusagen by the botton of your heart, was bringt ein Haufen köstlicher Weinbergschnecken, wenn danach der Magen revoltiert. Oder mit den Augen des Virologen gesehen: die ausgelassenste Party ist nichts wert, wenn danach jeder zweite den Virus mit nach Hause nimmt. Wo der sich dann freudig auf Oma und Opa stürzt. Nein, etwas freizeitliche Geduld sollte noch aufgebracht werden.
Nichts desto trotz, auch wir horchen hier in den heimischen Niederungen auf, wenn von Lockerungen gesprochen wird. Zumal es Nachrichten gibt, die tatsächlich Anlass zur Hoffnung geben. Nein, es geht nicht darum, dass es anderswo noch viel schlimmer ist. Es sind vielmehr die kleinen Erfolge, die das Ausharr-Gen stärken. Gemeint sind hier nicht Beispiele wie die Vorschläge, doch mal eben die Abiturprüfungen sehr zur Freude der meisten Schul-Delinquenten ersatzlos dieses Jahr zu streichen oder der Ausblick auf eine fernseh-gerecht aufgehübschte Fußball-Bundesliga ohne Pyro-Deppen und Haßgesänge. Es ist die Rede von Statistiken, die Hoffnung machen. Die Verbreitung des Virus verliert an Fahrt, unser Gesundheitssystem ermöglicht eine relativ geringe Mortalitätsrate und es gibt sogar – in Maßen – wieder Nudeln und Klopapier. Kleiner Schwenk: Das mit den Nudeln und dem Klopapier sollte sogar Supermarktriesen, die zwar betonen Lebensmittel zu lieben, aber anscheinend nicht miet-vertragliche Pflichten, trotz übervoller Kassen dazu bringen, ihre Geschäftsmoral auf den Prüfstand zu stellen. Obwohl die Amoralität solcher Mietnomaden auch als ein Zeichen für die Rückkehr zur Normalität verstanden werden darf. Doch zurück zur Schnecken-Allegorie. So schnell sind sie nicht. Trotzdem, Kopf hoch, flott die Hand ausgestreckt und die Schnecke gegriffen und bald darf auch wieder mit Kind, Kegel, Familie und Freunden gelebt werden. Nicht sofort, aber bald. Nur Mut.

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