Das Corona-Virus bringt es an den Tag. Moral, Ethik und soziales Gewissen sind nationale Eigenschaften. Nicht anwendbar auf „die da draußen“, schon gar nicht auf die „anderen“. Nichts internationales jedenfalls. International, das können die aus fernen Ländern von Krieg Verfolgten sein, das können aber auch die europäischen Nachbarn sein. Was sich so momentan im Dauer-Krisen-Verbund EU tut ist schon eine Schande wert. So jedenfalls, ihr lieben (Un-)Verantwortlichen, treibt man verzweifelte Menschen in die Arme der politischen Agitateure, die ein Demokratieverständnis von drei Meter Feldweg haben.
Was denkt ihr euch eigentlich dabei nationale Interessen über die Solidargemeinschaft zu stellen? Habt ihr den europäischen Gedanken verlernt? Seid ihr durch die Orbans, die Salvinis, die Le Pens und auch die in Deutschland heimischen Höckes vom richtigen auf den rechten Weg abgekommen? Schlimm genug, dass in diesem unserem Land das vom Bund bereit gestellte Corona-Nothilfe-Geld von einigen Bundesländern mal vorsorglich zurückgehalten wird – wer weiß denn auch, welche Kreditanstalt wegen deren Systemrelevanz demnächst dringend wieder ein Millärdchen braucht – und ihr lieber die Verantwortung für auszuzahlende Kredite an die bonitätsgläubigen Rechenkünstler mit dem Selbstversorger-Gen überbezahlter Bankmanager übertragen habt. Die, oder besser deren Geldhäuser ja tatsächlich ein Risiko von 10 Prozent tragen müssten. Im Gegensatz zu denen, die auf das Geld angewiesen sind und 100 Prozent Verantwortung für ihr Unternehmen, ihre Mitarbeiter und auch und nicht zuletzt gegenüber ihren Familien tragen. Insofern, das muss man euch zugestehen, seid ihr ja konsequent. Geld versprechen und dann blockieren, dass gilt jawohl für heimische wie unheimische Europäer. Wacht also auf, der Corona-Virus kennt keine Unterschiede von Zuschüssen, Bonds und europäischem Rettungsschirm. Die jedoch, die von ihm, dem Virus, bedroht werden, die kennen sehr wohl die Notwendigkeit neben dem eigentlichen Überleben auch das des wirtschaftlichen Überlebens. Um eure Verantwortung aber kommt ihr nicht rum, dafür habt ihr euch zur Wahl gestellt.
Und was kommt euch das Volk – das sich in der Krise alles andere als Stimmvieh präsentiert – doch entgegen. Es akzeptiert Einschränkungen, die so manchen Ruf nach dem Verfassungsgericht erschallen lassen. Es akzeptiert, dass es staatlich angeordnete No-Go-Areas gibt. Es akzeptiert den Rauswurf aus dem eigenen Haus, wenn es denn dann „nur“ ein Zweitwohnsitz ist. Es akzeptiert, dass manch älterer Angehörige nicht mehr besucht werden darf. Es akzeptiert dies alles und noch viel mehr, auch weil es an euch glaubt.
Und ihr? Ihr vertändelt Vertrauen, weil ihr euch in der Frage, wie die Geldquelle denn nun heißen soll, nicht einigen könnt? Weil die Summen, um die es geht, so unglaublich hoch sind und ihr wisst, dass an eine Rückzahlung in diesem Erdzeitalter eh keiner glaubt und ihr womöglich als Zocker gelten könntet? Ein „Schämt euch“ zuzurufen reicht nicht. „Kommt in – bzw. an die Pötte“ und seid endlich Europäer. Im Rheinland sagt man „Arsch huh“ – schön, wenn dies auch für Europa gelten würde.
Aus dem Herzen gesprochen
Eigentlich ist Stefan Hackenberg ein in sich ruhender Mensch, mit einer robusten Frohnatur ausgestattet, auf Ausgleich und Harmonie bedacht und in der EWa-Redaktion ein Aktivposten nach dem alten rheinischen Grundgesetz (der Mann kommt aus der Eifel, auch verortet in dem Land von Malu Dreyer): “Et hätt noch emmer joot jejange”. Nun ist ihm der Kragen geplatzt. Als Rheinländer, Neu-Cuxländer, Europäer und – eben – als Journalist. Und ich will es nicht verhehlen: Er hat mir damit aus dem Herzen gesprochen und ich denke damit vielen kleinen Gewerbetreibenden, Gastronomen, Dienstleistern, Hoteliers und, und, und… – auch – bedenken Sie es bitte – den Medienschaffenden.
Andreas Oetjen
EWa-Redaktionsleiter

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