Wenn der Stillstand etwas Gutes hat, dann den, dass er Zeit bringt. Die kann man damit verbringen vor der Glotze geistig zu stagnieren, oder mit dem einzigen Menschen, der einen zu hundert Prozent versteht – also sich selber – ein paar Runden zu joggen, biken oder zu walken. Man kann auch mal wieder einen Brief schreiben – zum Beispiel an Freunde außerhalb von facebook und Co, die man ohnehin zu selten sieht und man kann – last but not least – auch Denken. Eine Fähigkeit, die viel zu oft in der coronalosen und eigentlich immer viel zu hektischen Zeit vernachlässigt wird.
Als erste kleine Übung, sozusagen um wieder rein zu finden in das brachliegende Synapsenfeld, könnte man ja mal über Klein und Groß nachdenken. Damit sind nicht zwingend wir Zweibeiner gemeint, denn da denkt man – sofern betroffen – ob mit oder ohne Corona eh permanent dran. Also an die Kleinen. Wegen der Verantwortung und so. Kindergarten, die ersten Jahre in der Schule, die späten Jahre in der Schule, in der die ehemals Kleinen dann trotz Schulpflicht immer seltener angetroffen werden: es gibt genug zu denken bei diesen Kleinen.
Aber heute soll es um andere Kleine gehen. Die Kleinen, die wir zwar schätzen, aber eigentlich der Bequemlichkeit halber viel zu selten aufsuchen. Die kleinen Gewerbetreibenden. Ehemals Tante Emmaläden genannt, heute vielfach als Dorfladen gefeiert, aber zu selten genutzt. Und ihre Artverwandten, die Hofläden. Die zugegeben, eine stille Renaissance feiern. Aber denen wir durchaus auch häufiger die Aufwartung machen dürften. Denken wir mal an die letzten Wochen zurück, haben sie uns gezeigt, wie wichtig sie sind oder besser, seien könnten. Sie haben neben Waren des täglichen Bedarfs, insbesondere bei Mehl und dem ungleich wertvollerem Klopapier, geliefert wo die, die Lebensmittel zwar lieben, aber keine Miete, kläglich versagten. Sie waren nicht nur mit Ei und Hefe in der österlichen Zeit Tröster und Gedächtnis an die gute alte Zeit, sie haben häufig auch denen mehr als nur das Ei gebracht und so deren vermaledeite Einsamkeit des Seins gebrochen.
Und nun, da die zarte Pflanze der Hoffnung auf Lockerung des eingeschränkten Lebens frühlingshaft erblüht und Aussicht auf eine Rückkehr in die Normalität verspricht – die so ganz anders wird als ehedem – sei der Gedanke diesen im Gegensatz zu so mancher Großbank tatsächlich systemrelevanten Teilnehmern des geschäftlichen Lebens geschuldet. Wollen wir nicht die Gunst der Stunde nutzen und uns auch in Zukunft entschleunigt und dabei nicht nur gedanklich mit denen solidarisch zeigen, die mehr zu bieten haben als ein Kilo Schweinefilet für 6,99 Euro? Den sogenannten Kleinen, die ganz groß waren in den letzten Wochen! Die zwar nicht zwingend Shitake-Pilze, Perlhühner und Dryaged-Rinderhüfte anboten, dafür aber alles wirklich Wichtige! Die genau wie die Meisten von uns ums Überleben bangten. Denken wir nicht nur dankbar zurück an sie, wenn es bald heißt back to the future. In dem wir sie unterstützen setzen wir ein Zeichen, dass aus dieser schlimmen Erfahrung der letzten Wochen zumindest wir etwas gelernt haben. Und ist es nur, das Denken ein ganz passables Handwerkszeug für den Alltag ist. Denn letztendlich wird alles gut.

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