Eigentlich ist das hier ja die Mutmacher-Ecke. Die ist auch wirklich wichtig, nur manchmal fällt es themenbedingt schwer für diese Kategorie zu schreiben. Eher wäre so manches Thema besser geeignet für eine Wutmacher-Ecke. Zum Beispiel wenn man das Neuste von „Über-den-großen-Teich-rüber-Geschwapptes“ zur Kenntnis nimmt. Doch die Kunst des Schreibens soll ja auch darin bestehen, etwas zu berichten, bei dem man entweder zwischen den Zeilen lesen kann oder in dem man den im Mittelalter als allegorisches Mittel eingesetzten „vierfachen Schriftsinn“ bemüht. Was das ist? Ein kleiner Klugscheißer-Exkurs gefällig? Nun, „Jerusalem“ steht beispielsweise in der mittelalterlichen Bibelexegese für erstens die historische Stadt Jerusalem, zweitens für die Kirche Christi, drittens für die menschliche Seele und viertens für das zukünftige, himmlische Jerusalem. Klingt logisch, ist einleuchtend und sorgt dabei für unzählige Interpretationsmöglichkeiten und somit für viel Streitpotential. Als Beleg sei hier die Geschichte der katholischen Kirche in den letzten Jahrhunderten angeführt.
Aber heute ist doch alles anders, oder? Mitnichten. Fragen Sie einen Iren mal nach der Bedeutung von Belfast, einen Düsseldorfer nach der Bedeutung von Köln oder einen Bremer nach der Bedeutung des HSV. Gut, bei Letzterem werden die meisten Deutschen eher Mitleid als Streitsucht verspüren, aber es ist doch klar, was gemeint ist. Aber bei den anderen Beispielen kommt man leicht auf den vierfachen Sinn …
Um beim verklausulierten Thema „Neues aus dem Land der ziemlich begrenzten Menschlichkeiten“ aus der Wutmacher- in die Mutmacher-Ecke zu wechseln, soll heute der vierfache Schriftsinn beim Namen des selbst ernannten allmächtigen – extra klein geschrieben – Trump bemüht werden.
Der mittelalterlichen Tradition gemäß steht Trump, in das Hier und Heute transferiert, für erstens einen historischen Präsidenten (wertneutral), zweitens für das demokratieverachtende System Trump, drittens für die unmenschliche Seele und viertens für den himmlischen Trump, was soviel bedeutet, wie: hoffentlich wird er bald abgewählt und fährt im Trump-Tower in die oberste Etage. (Das mit dem Trump-Tower ist keine Allegorie)
Nun mag der geneigte Leser sich fragen, wo denn da die Mutmacher-Ecke bleibt. Na, das liegt doch auf der Hand beziehungsweise im Satzspiegel. Deutschland mag ein wenig kümen, stöhnen und lamentieren, aber bislang läuft es doch ermutigend positiv. Natürlich, jeder Sterbefall ist eine Tragödie, und doch macht die im Vergleich zu anderen Nationen geringe Rate Mut. Natürlich, die Einschränkungen sind hart, etwa wenn man seine Verwandten nicht besuchen kann oder man aus seiner Zweitwohnung verwiesen wird, aber im Bewusstsein, dass dies alles absehbar ein Ende haben wird, doch nur halb so wild. By the way, wieso beschweren sich gerade die, die gerne mal drei Wochen auf Malle in Hotelburgen kaserniert, äh, Entschuldigung, Urlaub machen, über die lange Auszeit in den eigenen vier Wänden? Zurück zum Positiven.
Was Deutschlands ach so oft kritisierten Wohlstandsbürger an Solidarität, Einsatz und Empathie zeigen und beweisen, ist die Antwort auf transatlantische Lügen, Realitätsverlust und Allmachtphantasien. Und da sind wir dann auch wieder in der Mutmacher-Ecke eingetroffen. Und das mit der Wirtschaft kriegen wir auch wieder hin, garantiert!

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