Nun also doch. Der Kanzlerin Geheiß nach einem verbindlichen Mundschutz verhallte zuerst noch in so manchem Ministerpräsidenten-Ohr, doch nun gilt – zumindest ab Montag – ein bundesweites Vermummungsgebot. Vielleicht lag in der potentiellen Vermummung eines ganzen Volkes auch die Furcht zögernder Landesobrigkeiten begründet, den Menschenscharen – beispielsweise vor Eisdielen, Gyrosbuden und – wie in Bayern – auf Parkbänken bei ungenügendem Abstand zum Nächsten nicht kostenpflichtig die Leviten lesen zu können. Mangels Identifizierung und so! Und Geld muss her. Schließlich muss die Krise ja auch von irgendwem bezahlt werden.
Wo bislang also ein Vermummungsverbot herrschte, ist nun auf jeden Fall das Gegenteil erbeten. Beziehungsweise geboten. Hinweg gefegt vom Virussturm ist die Angst, Deutschland könnte seine Missetäter nicht mehr identifizieren. Was durchaus die Frage erlaubt, wieso hatten wir nochmal ein Vermummungsverbot? Waren es die vielen Überfälle auf das maskenlose Volk? Eher nicht, wurde die Strafbarkeit bei Maskenträgern doch zuvorderst im politischen Kontext bemüht. Doch nun ist alles anders. Und tatsächlich dient es der Volksgesundheit. Da kann man auch als furchtsamer Politiker schlecht gegen andiskutieren. Und wenn wir schon einmal dabei sind: Das Tragen von Vermummung aus religiösen Gründen könnten wir ja nach unseren Corona-Erfahrungen auch noch einmal ins Gespräch bringen und neu bewerten. Das Argument mit der nicht-deutschen-Kultursache hat sich nämlich nach ein paar Wochen Maskengebot erledigt.
Doch wahrlich, das merkelt man uns: Die Maske allein reicht nicht aus. Eine Kombi aus Maske und Vernunft soll, nein, muss es sein. Denn der beste Mundschutz ist sinnlos, wenn ich an der Supermarktkasse meinem Vordermann oder meiner Vorderfrau, ohne dass ein anderer mithören kann, ins Ohr flüstere, wie überflüssig der Kauf von weiteren 50 Kilogramm Mehl doch ist. Auch dass in Ermangelung ausreichend trister, jedoch wirksamer medizinischer Gesichtsmasken nun jeder an die Nähmaschine eilt, um „seine“ modische Maske selbst zu kreieren, ist in Zeiten von Kurzarbeit und damit gleichkommendem Stubenarrest nettes Beiwerk. Es muss nur etwas bringen, muss sinnvoll und damit wirksam sein.
Und hier kommt die Vernunft ins Spiel. Deutschland, besser seine Bürger, haben sich in überwiegender Zahl mustergültig verhalten und damit einen so geringen Corona-Todesquotienten erreicht, dass man sich im Ausland schon wieder neidvoll am Bild des Super-Deutschen abarbeitet.
Maske und Vernunft. Das eine, die Maske nämlich, kann man verordnen. Das Zweite, die Vernunft, die müssen – und können – wir selbst beisteuern. Und nach den Erfahrungen der letzten Woche – horcht auf, Ihr Völker, hier kommt der Mutmacher – schaffen wir das auch. Gemeinsam, wie es vor ein paar Wochen noch undenkbar war und über persönliche Fragwürdigkeiten hinaus muss hier einfach in Erinnerung an das Merkelsche „Wir schaffen das“ ertönen: Wir haben viel geschafft, wir schaffen auch das Kommende! Nur Mut.

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