Ehrlich, können wir mal kurz stoppen mit dem Gezeter um verlorene Freiheiten? Die sind nicht verloren, die sind allenfalls verlegt. Und zwar nach hinten, also außerhalb der Reichweite des kleinen (und großen) Mannes respektive Frau. Zur Erinnerung, wir haben uns, ohne groß das Wort zu führen, den Restriktionen aus Politik und Verwaltung gebeugt. Nicht aus Ermangelung an Alternativen, sondern weil es uns im wahrsten Sinne des Wortes überlebenswichtig war. Und die Maßnahmen haben ja auch gefruchtet. Zwar sind fast 6.000 Tote, Stand 27. April, schrecklich. Auch schrecklich viele. Doch ohne die Einschränkungen wären es weit mehr. Ein Blick über den großen Teich beweist es. Und mal ehrlich, Hand aufs Herz: Jeder Demokrat hier zu Lande ist doch heil froh, das möchte ich jetzt strafrechtlich unbedenklich verstanden wissen, keinen derartigen überseeischen politischen Führer mit solcher Art Hirn- und Sprachleistung als Deutschlands Leader – der Begriff „Führer“ soll hier wegen der bekannten Konnotation nicht benutzt werden – vor der Nase zu haben.
Haben wir ja auch nicht, Gott sei Dank. Trotzdem muss an dieser Stelle mal Tacheles geredet werden. Es wird Zeit mal wieder positiv hinter dem Mundschutz heraus zu plaudern. Wir nähern uns einer, wenn auch neuen und unbekannten, Normalität. Klar, wichtig ist der Wegfall der coronal bedingten Berufsverbote. Und auch wenn es manchem schwerfällt, wir sollten uns schon auf einen geregelten Arbeitsalltag vorbereiten. Dass der jedoch anders sein wird als ehedem scheint sicher. Allein schon das Arbeiten mit Mundschutz wird eine Herausforderung. Und körperliche Distanz wird auch in den nächsten Monaten von uns erwartet. Gut, jetzt waren Umarmungen an der Fräsmaschine noch nie in Arbeitsverträgen festgelegt, aber schon der geforderte Mindestabstand von einem Meter fünfzig kann arbeitshinderlich sein. „Reich mir bitte mal den Hammer.“ „Tue ich doch schon.“ Solche Dialoge werden uns bald allzu vertraut sein. Doch wir werden auch hier Mittel und Wege finden, derartige Maläsen zu überwinden.
Dass wir in der Freizeit jetzt schon kreativ und trotzdem anweisungsgerecht handeln können, zeigt die Wiederentdeckung von Autokinos. Ja, Sie haben richtig gelesen. Das Auto wird vom bis vorkurzem noch verteufelten Umweltsünderhandwerkszeug zum Sozial-Multiplikator, egal ob mit grüner, blauer oder gar keiner Plakette. Und was kann man nicht alles auf die Leinwand respektive davor projizieren. Vom klassischen Filmerlebnis bis zum Rockkonzert, vom Museumsbesuch bis zum Fußballspiel. Das mit dem Fußball hätte auch den Vorteil, dass die Hardcore-Pyromanen erst einmal ihre eigenen Autos abfackeln würden. Und Hass-Gesänge könnten durch den Zwang zu geschlossenen Autoscheiben zu dem gemacht werden, was sie schon immer sein sollten. Zu überhörende Ohrbelästigungen, die nun nur noch dem Gröhler die Trommelfälle wegschmelzen.
Noch ist nicht alles gut. Aber es wird, wenn auch zäh und langsam. Wenn nun noch die Politik das Prinzip „Hoffnung“ wiederentdeckt, das heißt wenn die Berliner Politiker und ihre föderalen Berufskollegen solche jetzt vermitteln, wird nicht nur die Sonne lachen. Dann können wir die Geier im Sturzflug bemühen und freudig intonieren: „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt“. In die eigenen, wegen Corona.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.