Kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg. Die Tagestouristen. Was haben wir sie vermisst. Gut, einige unserer weniger zum Denken begabten Mitbürger haben in der Hochzeit – nicht zu verwechseln mit Vermählung – also in der Hochzeit, hohe Zeit eben, nichts Besseres zu tun gehabt, als mal eben jeden mit „Nicht-Cux-Kennzeichen“ am Auto wüst zu beschimpfen. Aber denen, da möchte man wetten, ist der Allerwerteste auf Grundeis gegangen, als sie merkten, ohne die „Fremden“ geht es nun mal nicht. Ein klärendes Gespräch mit einem Gastronomen dieser Tage würde auch dem letzten dieser mit Blockwart-Mentalität gestraften Zeitgenossen die Schamesröte ins Gesicht treiben.
Wie gut, dass jetzt die freiheitlich-demokratischen Grundrechte wieder beginnen zu greifen. In Köln dürfen sich beispielsweise seit dem Wochenende 100 Menschen auf einmal treffen, mit gebührendem Abstand und Mund-Nasen-Schutz ausgestattet natürlich. Das haben am Wochenende mal eben Hunderte völlig missverstanden und sich zu einer nicht angemeldeten Demo getroffen. Vergessen wurde dabei, dass die oben angesprochenen Grundrechte auch durch Verordnungen geschützt sind. Bei Demonstrationen beispielsweise durch das Anmelden einer solchen. Und der Angabe eines Veranstalters. Andernorts sieht es ähnlich aus. In den von dem Virus nicht ganz so arg betroffenen Landkreisen im Osten der Republik. Allerdings auch im vom Virus besonders geprüftem Süden. Überall reicht es den Menschen, und es zu befürchten, es reicht dann doch nicht. Zum Denken nämlich. Als ob die erlassenen Beschränkungen in böser, der Freiheit des Einzelnen geltenden Absicht erfunden worden wären.
Deshalb soll an dieser Stelle denen Mut gemacht werden, die den Hang zu Verfolgungswahn und Verschwörungstheorien haben, und die zudem noch Dogmengläubige sind. Mut machen zum Denken. Es ist nicht der böse Staat, der Euch verfolgt. Es sind auch nicht Angehörige von bestimmten Religionsgemeinschaften wie den Microsoftianern, die einen Blofeldischen Krieg gegen die Zivilisation führen. Und niemand will hier irgendwen oder irgendwas wirtschaftlich zu Grunde richten.
Kritik ist nötig. Vieles ist unverständlich. Beispielsweise warum Kitas geschlossen bleiben, Spielplätze aber wieder offen sind. Auch die Logik, sich zwar die Haare schneiden zu lassen sei okay, die Nagelpediküre aber nicht, entbehrt der gedanklichen Substanz. Viele weitere Beispiele sind möglich. Doch bitte, bitte, Ihr Zweifler, sofern Ihr könnt, denkt. Denkt einfach mal nach. Das „nach“ ist wichtig, weil es die Vergangenheit einschließt. Ihr lebt noch und eure Angehörigen hoffentlich auch. Und dass, weil Staat, Land und Kommune in der Gesetz- und Erlaßgebung auch mal übers Ziel hinausgeschossen sind. Dem Bürger das Betreten seiner Zweitwohnstätte zu verbieten und Bußgelder zu verhängen, ist schon ein Ding. Aber was passiert, wenn der Politik die Menschen egal sind, erlebt man gerade in Brasilien und den USA. Dort wird munter vor sich hingestorben, und meistens trifft es die Ärmeren in den Favelas und den runtergekommenen Stadtvierteln amerikanischer Städte. Also, Mut gefasst, das Denken wieder hochfahren und aus Wutbürgern können auch wieder Mutbürger werden. Das wäre für die Mehrzahl der Menschen eine Erleichterung in den zugeben harten Zeiten.

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