Mutmachen ist auch ein Zeichen von Solidarität. Da einige Mitmenschen es momentan an selbiger vermissen lassen und sich auch grundsätzlich ungerne an gesellschaftliche Verantwortung erinnern wollen, ist diese Glosse denen gewidmet, die uns nach Ansicht der Verschwörungstheoretiker, der Volksdogmatiker, schlicht der cerebral Untätigen und Unterbeschäftigen diesen Virus auf den Hals gehetzt haben oder, noch arger, die ihn angeblich für ihre eigenen Ziele ausnutzen.
Um es mit einem kräftigen „Joo“ zu sagen: Joo, gemeint als Zieladressaten sind die in letzter Zeit in heftiger Kritik stehenden Wissenschaftler und die noch heftigeren Anfeindungen ausgesetzten Politiker. Ein Wunsch an diese beiden Gruppen: Behaltet doch bitte Eure Selbständigkeit und Eure Entscheidungsfähigkeit. Jedem ist bewusst, dass auch Entscheidungen gefällt werden, die sich im Nachhinein als falsch, zu grob, zu weitgehend oder gar überflüssig erweisen. Wichtig ist bei dieser Aussage der Begriff im „Nachhinein“. Denn Eure Kritiker sind mitnichten schlauer und können alles besser. Sie sind nur etwas lauter und auffälliger als der Rest.
Ein paar Beispiele gefällig? In einem Supermarkt verweigern einschlägig abgestumpfte Volksgläubige das Maskentragen, um sich mit der Polizei prügeln zu können. Auch als ganz besonders helle haben sich bislang Unbekannte in Muttis Hochburg an der Ostküste gezeigt, indem sie einen Grabstein vor ihr Abgeordnetenbüro gezerrt haben. Besonders stolz darf zudem ein Bürger sein, der feststellte, er würde niemanden kennen, der den Virus in sich trage. Speziell ihm sei geraten, einen herzhaften Atemzug in Mitten einer Protestveranstaltung gegen das Maskengebot zu nehmen und zwei Wochen später in den Spiegel zu schauen.
Und was passiert, wenn man zu früh an die menschliche Ratio glaubt, hat dieses Wochenende der Restart (Ri, nicht Reh) im bezahlten Fußball gezeigt. Ein Trainer, der freimütig vom Verstoß vorher mühsam ausgehandelter Regeln berichtet; Profis, die sich wie coronale Amateure gerieren und Funktionäre, die es gar nicht schlimm finden, wenn Spieler nach einem Tor fast koital übereinander herfallen. Und dazu die Aussage von angeblich Fußball-Verantwortlichen, man müsse jetzt auch über Spiele vor Fans nachdenken.
Da freut man sich, dass es einmal Fußball ohne Hassgesänge und Pyrodeppen gab, und da wollen die Unbelehrbaren sofort wieder ins alte Muster verfallen. Der Stimmung wegen, sagen sie, und als Mitmensch muss man sofort an die Titanic denken, auf der die Schiffsmusiker angeblich bis zum Schluss die Posaune bliesen.
Nein danke darf man, nein muss man sagen! Lieber eine Einschränkung zehn Minuten länger als verschränkte Arme in der Holzkiste. Es ist Eure Aufgabe, liebe Angesprochene, den Laden wieder flott zu machen. Dafür habt ihr sowohl ausreichend Wählerstimmen (als Politiker) als auch eine fundierte Ausbildung (als Wissenschaftler). Und wenn es weiteren Mutes bedarf, den kriegt ihr. In Form von Menschen, die gemeinsam mit euch diskutieren, die euch auf falsche oder bedenkliche Entscheidungen aufmerksam machen und die auch mal sagen: Gut gemacht! Es gibt sie, sie sind nur mitunter leiser als die grölende Minderheit.

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