CUXHAVEN tw · Da ein Zitat von Ringelnatz, dort ein Bericht von Max Schmeling, mit dem der Dichter und Maler befreundet war, gefolgt von einem Artikel über Todesanzeigen, in dem die Todesanzeige von Ringelnatz‘ Frau abgedruckt ist. Es ist ein buntes Sammelsurium von Zeitungsausschnitten, die Erika Fischer, Leiterin des Ringelnatz-Museums, sortiert, schaut, wo stehen wichtige Informationen zu Ringelnatz, wo wird er nur in einer Zeile im Fernsehprogramm erwähnt.
Denn als Ende Februar letzten Jahres die Sammlung von Norbert Gescher-Ringelnatz als Dauerleihgabe an das Museum ging, beinhaltete es nicht nur 20 Ölgemälde und Aquarelle mit einigen der schönsten und interessantesten Bilder Ringelnatz‘, sondern auch „acht Kartons voller Schätze, mit denen ich die nächsten zwei bis drei Jahre beschäftigt sein werde“, wie Fischer bei der Übergabe im letzten Jahr sagte. Hatte Gescher-Ringelnatz doch extra einen Zeitungsausschnitt-Dienst beauftragt alles zu sammeln, was in Zeitungen und Zeitschriften über Ringelnatz steht.
Schon manche Stunde hat sie seitdem über den Kisten gesessen und geschaut was ist wichtig, wo ist es erschienen und wann. Eine Arbeit, in die man sich verlieren kann, in der Stunden wie im Fluge vergehen und dazu verleitet, weitere Nachforschungen anzustellen und Querverweise zu finden. Zum Teil direkt in Schriftstücken die im Museum selbst lagern. Zu finden ist all dies im Archiv des Museums.
Archive, die sich als wahre Schatzkisten erweisen. Denn nicht alles was ein Museum besitzt, kann in der Dauerausstellung gezeigt werden. Und so müssen Kunstwerke, Bücher, Schriftstücke einen gesicherten Aufenthaltsort haben. Doch die Museumsarchive sind nicht nur ein Ort, um nicht gezeigte Ausstellungsstücke gut zu verwahren, sie beinhalten oft auch einen Fundus an weiteren wichtigen Objekten, die für Forschung und Wissenschaft interessant sind.
Beim Rundgang mit Erika Fischer durch das Archiv des Ringelnatz-Museums wird dabei eines ganz deutlich. „Gemälde, die wir nicht zeigen, müssen fachgerecht gelagert werden“, so Fischer. Das heißt, sie werden in säurefreien Papieren und Kartons gelagert. Und: „Die Inventarisierung ist immanent wichtig, damit wir wissen, was wir haben und wo wir es finden.“ So wird jedes Objekt verschlagwortet, das heißt Stichworten zugeordnet, die deren Inhalt beschreiben, um sie in einer Liste zu erfassen und damit besser zugänglich zu machen. Dazu gehören unter anderem Titel, Provenienz, in wessen Besitz es vorher war, ob eine Schenkung oder gekauft, der Zustand, aber auch – etwa bei einem Buch – das Fotografieren einer Widmung oder Zeichnung. „Das sind schon manchmal kleine Romane, die dabei entstehen.“
Zum großen Buchsortiment des Archivs gehören die Werke von Ringelnatz selbst, verschiedene Ausgaben mit unterschiedlichen Covern oder in anderen Sprachen. So wurde Ringelnatz etwa auch ins Japanische übersetzt. Aber auch Bücher, die über Ringelnatz geschrieben wurden und Bio­grafien von Zeitzeugen wie etwa Max Schmeling, Heinz Rühmann, Heinrich George, Otto Dix oder Theodor Heuss, die über ihre Begegnung mit Ringelnatz schreiben, gehören dazu.
Überraschendes ist zum Teil auch in den sogenannten Konvoluten zu finden. Sammlungen über Ringelnatz, von denen die Sammler wünschen, dass sie zusammenbleiben. Beispielsweise von Dr. Illing, der 1979 als Ringelnatz-Experte in Wim Thoelkes „Großen Preis“ dabei war. Es beinhaltet unter anderem Erstausgaben, Scherenschnitte aber auch Briefmarken mit Ringelnatz‘ Konterfei.
Wichtig ist Erika Fischer zudem eine Liste der verschollenen Gemälde Ringelnatz, zu denen sie jede auffindbare Informationen sammelt, die für jedes Gemälde in einer extra Hängeregistratur zusammengefasst werden. Dazu gehören Zeitungsausschnitte und Kataloge, in denen über das Werk berichtet wird oder Dokumentationen von Res­tauratoren. „Alle Dinge ergeben, wie ein Puzzle zusammengesetzt das ganze Bild“, so Erika Fischer.
Dies alles und noch mehr ist eine Fundgrube für die Forschung und bietet eine Fülle von Material für künftige Sonderausstellungen. Als nächste ist eine über „Muschelkalk“, Ringelnatz‘ Frau, in Planung.

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