NORDHOLZ tw · „In fünfeinhalb Jahren Amtsausübung bin ich noch nie so leichtfüßig zu einer Mitgliederversammlung des Aeronauticums gekommen“, freute sich Marcus Itjen, Bürgermeister der Gemeinde Wurster Nordseeküste und zugleich 3. Vorsitzender des Fördervereins Deutsches Luftschiff- und Marinefliegermuseum Nordholz e.V. am Dienstagabend bei der dann anstehenden aktuellen Mitgliederversammlung. Und das hatte einen guten Grund. „Noch nie konnten wir so optimistisch in die Zukunft schauen, haben wir doch durch materielle Mittel Wind unter die Flügel bekommen.“
Bernhard Jährling, Vorsitzender des Fördervereins für das Aeronauticum und Kuratoriumsvorsitzender Dirk Wurzer konnten sich noch gut an das Treffen erinnern, das den Weg zu mehr finanziellen Spielraum geebnet hatte. Am 29. August des letzten Jahres kam es zu einem Gespräch bei Landrat Kai-Uwe Bielefeld, bei dem es um die angespannte finanzielle Lage ging. An diesem Gespräch nahm auch der Finanzausschussvorsitzende Gunnar Wegener teil, der versprach, Kontakt zum damaligen haushaltspolitischen Sprecher der SPD, Johannes Kahrs aufzunehmen, der daraufhin das Aeronauticum besuchte und seine Unterstützung versprach. Und das mit Erfolg. Der Bund hat den Betriebskostenzuschuss von 25.000 Euro auf 400.000 Euro erhöht.
Was Schatzmeister Mario Tutas einen größeren Wortschatz beschert, wie er schmunzelnd bemerkte. Denn wenn Museumsleiterin Dr. Anja Dörfer zu ihm kam, und fragte ob man dieses oder jenes anschaffen könne, kam die obligatorische Antwort „Nein“. „Jetzt kommen ganz neue Begriffen hinzu. Ja und Vielleicht.“ Und fügte hinzu: „Jetzt können wir endlich was voranbringen.“
Nach dem beschwingten Start ins neue Jahr, bekam der aufsteigende Optimismus mit der beginnenden Corona-Pandemie und dem darauffolgenden Lockdown, der die Schließung des Museums am 17. März zur Folge hatte, jedoch einen gehörigen Dämpfer, der Jährling noch schlaflose Nächte bereiten sollte, wie er zugab. Denn durch die Schließung und die fehlenden Besucher fehlten auch 80.000 Euro an Einnahmen, die Kreditlinie ausgeschöpft. Hilfe kam von zwei Seiten. Der zweite Vorsitzende und kaufmännische Leiter Hans-Peter Weber bemühte sich erfolgreich um eine Corona-Liquiditäts-Soforthilfe der N-Bank in Höhe von 20.000 Euro und der Kommandeur des Marinefliegerkommandos Thorsten Bobzin bemühte sich ebenso erfolgreich beim Bundesverteidigungsministerium um einen Vorschuss von 50.000 Euro auf die anvisierten 400.000 Euro. Was ihm Dank eines zum großen Teil ehrenamtlich agierenden Team, dass das Aeronauticum auf immer professioneller und interessantere Füße gestellt hat, leicht fiel, wie er in seinem Grußwort betonte.
Vor drei Wochen gab der Kulturausschuss des Landkreises sein positives Votum für eine Erhöhung des Zuschusses auf 100.000 Euro.
Diese positive Ausgangslage, „wollen wir durch eine neue Struktur sichern“ so Wurzer, für die der Vorstand am Dienstag die Zustimmung der Mitglieder bat und diese auch einstimmig erhielt. Die Geschäftsordnung wird dahingehend geändert das es neben der wissenschaftlichen Leitung mit Dr. Anja Dörfer auch eine kaufmännische Leitung geben wird. Ein Schritt, der dringend nötig wurde, wie Wurzer deutlich machte. Denn bisher nahm der geschäftsführende Vorstand die Aufgaben der kaufmännischen Leitung wahr. Eine Aufgabe, „die eine nicht mehr zumutbare Aufgabe für einen ehrenamtlich tätigen Vorstand sein kann“.
Zudem sollen Möglichkeiten ausgelotet werden, das Aeronauticum in eine Stiftung zu überführen.
Und jetzt kann auch die schon lange geplante komplette Überarbeitung der Dauerausstellung nach neuesten museumspädagogischen Gesichtspunkten in Angriff genommen werden. Finanzielle Unterstützung für das mit rund 500.000 Euro veranschlagte Projekt kommt dabei auch von der Stiftung Klosterkammer, der EWE- und der Sparkassen-Stiftung, so Weber.
„Seit der Gründung des Vereins gab es noch nie eine Situation, in der die Finanzen des Aeronauticums in trockenen Tüchern war und auf lange Sicht positiv ausgelegt ist“, freute sich auch Bernhard Jährling, Vorsitzender des Fördervereins für das Aeronauticum zum Abschluss. Und so konnten es dann auch nur „Freudentränen sein“, wie Itjen betonte, die mit Verve aufs Dach der „Arado-Halle“ prasselten, in der die Mitgliederversammlung stattfand.

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