OTTERNDORF tw · Jeder hat es zuhause – ein „Fundstück“ das man in Ehren hält, sei es weil es der Oma gehörte, ein besonderer Fund auf dem Flohmarkt war, oder man einfach eine besondere Erinnerung mit seinem kleinen Schatz verbindet. Ab dem 27. August sind unter dem Titel „Fundstücke – mein persönliches Kulturerbe“ 150 solcher privaten kulturellen Schätze auf Plakaten in der Stadtscheune Otterndorf zu sehen.
Zusammengekommen sind sie durch einen Aufruf des Vereins „Kunst, Gesundheit, Bildung e.V.“ und der Künstlerin Elke Prieß.
Seit vielen Jahren veranstaltet der Verein in der ReArt-Halle Ihlienworth Projekte zu den Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Kultur. Für nächs­tes Jahr steht das Thema Kulturerbe, mit Elke Prieß als Kuratorin, im Vordergrund. Viele verbinden mit dem Begriff die von der Unesco anerkannten Weltkulturerbestätten wie die Speicherstadt in Hamburg oder niedersächsische Kulturerbestätten wie etwa das Kranichhaus in Otterndorf.
Kulturerbe sind aber auch die kleinen Dinge, Schätze, die in vielen Haushalten der Region schlummern. Und die nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch eine besondere oder kuriose Geschichte zu erzählen haben. Und so will Prieß, die sich in ihrem eigenen künstlerischen Wirken auch immer wieder mit dem Thema Kulturerbe auseinandersetzt, mit der jetzigen Ausstellung einen Einstieg in das Thema bieten, und eine Diskussion in Gang setzen, „dass Kulturerbe auch immer ganz persönlich mit uns selbst zu tun hat“.
Sie ist dankbar, dass die Menschen ihre Fundstücke und Geschichten zur Verfügung gestellt haben. Die Bandbreite reicht von einem 1950er-Jahre Teller, der an die Liebe erinnert über einen Kochtopf der als Zeichen für eine vergangene Gemeinschaft steht bis zu einem Brief aus der Gefangenschaft, einem geliebten Teddy oder einem Käthe Kollwitz-Druck. „Das ist ein Schatz, den man eigentlich auch in einem Buch herausbringen sollte“, findet sie.
Da die persönlichen Beziehungen zu den Gegenständen eine große Rolle spielen, hatte Prieß die Teilnehmer auch gebeten einen Text zu ihrem Objekt zu schreiben. „Das sind ganz schöne Geschichten“, erzählt sie begeistert. Geschichten, von denen man sich persönlich angesprochen fühlt und die zum Nachdenken anregen.
Eigentlich war geplant, die Originale zu zeigen, und mit den Besitzern persönlich in den Dialog treten zu können. Daher waren Elke Prieß und ihre Mitstreiter zu Beginn der Coronakrise nicht sicher ob sie das Projekt umsetzen wollen. Schnell war aber die Alternativ-Idee geboren, die nach einem anfänglich etwas zähen Start schnell an Dynamik gewann und die Ausstellung, die eigentlich als kleiner Prolog zur Kunstausstellung „ReArt meets Kulturerbe 2021“ gedacht war, zu einem eigenen Highlight macht. „Das ist ein sehr gelungener Einstieg in die Auseinandersetzung mit unserem Kulturerbe“, freut sich Prieß.
Die Ausstellung ist bis zum 3. September dienstags, mittwochs und donnerstags von 15 bis 19 Uhr, sowie samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Zur Nacht der langen Kultur am Freitag, 28. August, ist die Galerie von 18 bis 23 Uhr geöffnet. Dann ist auch ein Kurzvortrag von Dr. Wolfgang Dörf­ler zum Thema „Kulturerbe – Leben in alten Dingen“ um 19 und um 20.30 Uhr ge­plant. Für den Vortrag ist eine Anmeldung der Besucher telefonisch unter (0162) 347 73 96 oder per Email: peter@von-spreckelsen.de notwendig.
www.rearthalle.de

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