OSTERBRUCH tw · Ganze 88 Gramm wog Ralf (Foto: tw), als er Ende September nach Osterbruch zur „Igelpflege im Landkreis Cuxhaven“ kam. Die Tierärztin, die ihn brachte, wusste genau, dass das viel zu kleine Igelchen bei Stefanie Röse in den bes­ten Händen ist. Gefunden wurde Ralf von seinem Namensgeber, der ihn auf der Seite liegend am Gehweg fand und gleich dachte, da stimmt was nicht, der braucht Hilfe. Ralf bekam am Anfang alle zwei Stunden Katzenmilch, mit Laktrase als Zugabe, weil Igel Laktoseintolerant sind, jetzt noch drei Mal täglich. Inzwischen wiegt er fast 140 Gramm „und ist putzmunter“.
Seit vier Jahren kümmert sich Stefanie Röse um Igel, die es allein in der Natur nicht schaffen würden. Sei es weil sie krank, verletzt, zu jung oder am Verhungern sind. Durch Zufall ist sie vor vier Jahren an ihren Job als „Igel-Mama“ gekommen. Da bekannt war, dass sie ein großes Herz für Tiere hat, brachte eine Kollegin einen Igel vorbei, der angefahren wurde. Sie schaffte es „Matschie“ wieder aufzupäppeln, so dass er gesund ausgewildert werden konnte. Dies sprach sich schnell rum, immer mehr Igel fanden bei ihr ein Zuhause auf Zeit und die „Igelpflege im Landkreis Cuxhaven“ war geboren.
Insgesamt 36 Ställe, gespendet vom Cuxhavener Tierheim, hat sie um die stacheligen Gartenbewohner zu versorgen. Zudem größere Gehege im Stall sowie im Garten etwa für den „Igelkindergarten“ oder blinde Igel, die bei ihr ein dauerhaftes Zuhause gefunden haben. Verbunden ist die Igelpflege mit viel Arbeit, doch die Liebe zu den Igeln überwiegt. Und das sieht man Stefanie Röse an. Sieht, mit wie viel Liebe sie einen jungen Igel mit dem Babyfläschchen füttert, sieht ihr strahlendes Lächeln wenn sie von ihrer ehrenamtlichen Arbeit erzählt.
Doch sie kann auch sauer werden. Wenn sie davon berichtet, warum manche Igel zu ihr kommen. Verletzt durch Mähroboter oder Rasentrimmer, die den kleinen Tieren mal eben so die Beinchen oder den Kiefer abschneiden. Ein anderer Negativfaktor: Das Nahrungsangebot sinkt, weil es immer weniger Insekten gibt. Die Igel greifen dann auf Nacktschnecken oder Würmer zurück, die Lungenwürmer und Parasiten übertragen können. „Daran sterben viele Igel im Winter“, so Röse. Deshalb komme jeder Igel auch erst einmal zum Tierarzt, den bei einem Befall muss der Igel entwurmt werden, bekommt bei Bedarf auch Antibiotika. Rund 40 bis 60 Euro kommen pro Igel an Tierarztkosten auf sie zu, die Medikamente noch nicht mit berechnet. Zudem kommt das Futter hinzu, für die Ställe Papier und Stroh. „Das bezahlt niemand außer mir.“ Umso mehr freut sie sich über die große Unterstützung, die sie erhält. Aus dem Ort und weit darüber hinaus durch Futter und Geldspenden, aber auch ganz handfeste Unterstützung der Nachbarn, die sich um die Igel kümmern, wenn sie mal für ein, zwei Tag nicht da ist. Und das Stroh erhält sie von einem Landwirt aus dem Ort. „Ich treffe die unterschiedlichsten Menschen, die alle helfen wollen und auch neue Ideen haben. Das ist schon toll“, sagt die Osterbrucherin mit strahlendem Gesicht.
Urlaub hat sie inzwischen gestrichen, und weiß sich glücklich, mit ihrem Ehemann einen Menschen an der Seite zu haben, „der voll hinter mir steht“. Denn seit dem sie die Igelpflege betreibt, ist ihr Tag durchgetaktet. Jeden Morgen steht sie um fünf Uhr auf, um sich um die Igel zu kümmern, die Ställe müssen ausgemistet und neu mit Papier und Stroh versehen werden sowie frisches Wasser und Frühstück verteilt werden. „Dann sind sie bis 14 Uhr bestens versorgt.“ Von der Arbeit zurück, schaut sie erst mal nach ihren „Untermietern“, versorgt die Kranken mit Medikamenten. Abends folgt dann noch die große Futteraktion. Hier verwendet sie vor allem Katzenfutter, trocken und feucht, mit hohem Fleischanteil und zwei bis drei Tropfen Leinöl. Denn Igel sind reine Fleischesser. Sieht man sie mal an einem Apfel, suchen sie nach Maden. Spezielles Igelfutter kann sie nicht empfehlen. „Das enthält als Füllmaterial zu viel Weizen, das Igel nicht vertragen. Trotz Futter verhungern sie.“ Ein Problem, auf das auch der Nabu aufmerksam macht.
Auf der Internetseite des Nabu https://niedersachsen.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/igel/ gibt es auch Hinweis für ein Igelgerechtes Umfeld im Garten und woran man erkennt, das Igel Hilfe brauchen. Denn auch wenn Igel nachtaktiv sind, „jetzt im Oktober sieht man auch tagsüber Jungtiere, die ihre Umgebung erkunden und sich Winterspeck anfressen“.
Bei einem „Igel-Notfall“ ist Stefanie Röse unter (0160) 95 79 80 61 erreichbar. Auch wer ihre Arbeit mit einer Spende unterstützen will ist hier genau richtig. Über jeden ihrer Igel führt Stefanie Röse genau Buch, schreibt auf, welche Medikamente das Tier bekommt, welche Entwicklung es aufweist , macht Fotos. Das alles können Interessierte auch über facebook, Stichwort „Igelpflege im Landkreis Cuxhaven“, verfolgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.