CUXHAVEN tw · Das Schöne, Gefällige, einfach um zu gefallen ist nicht ihr Ding. Gabriele R. Luetgebrune (Foto: tw) ist immer auf der Suche nach dem, was unter der Haut liegt. „Meine Arbeiten sind Ermittlungen in eigener Sache“, sagt die Cuxhavener Künstlerin. „Sie bewegen sich zwischen Erinnerung und Ereignis. Haben viel mit Verwandlung und mit Zeit zu tun“. Es ist der schmale Grat zwischen „nicht mehr und noch nicht“, der Luetgebrune umtreibt. „Sobald man meint etwas einfangen zu können, ist es schon weg“, erklärt sie. Ein Zustand, in dem sie sich gerade selbst befindet. Geht doch auch an ihr die jetzige „Corona-Zeit“ nicht Spurlos vorüber.
„Menschliche Emotionen und persönliche Lebensgeschichten sind wesentliche Wirkmomente meiner Arbeit“, erzählt sie. Was für sie nicht heißt, sie dem Betrachter auf dem Silbertablett zu präsentieren. Denn eines hat sie schon während ihres Studiums an der Hochschule für Künste Bremen verinnerlicht. „Dass was einem am nächs­ten ist, sollte man versuchen im Bild zu verbergen. Man sollte dem Betrachter nie zeigen was man so fühlt und will.“
Es sind die Gegensätze die sie anziehen. In jeder Sache auch das Gegenteil zu sehen. Eine Grundhaltung, die ihr hilft, auch in der jetzigen Coronazeit zu versuchen nicht nur das Negative sondern auch das Positive zu sehen. Auch wenn ihr das nicht leichtgefallen ist. „Das war ein Desaster für mich“, gesteht Gabriele R. Luetgebrune. Denn die finanzielle Situation bildender Künstler ist in den seltensten Fällen rosig. Kunstvermittlung und -vorträge halten sie über Wasser. Und diese fielen erst einmal weg. Und auch was die Unterstützungsleis­tungen anging, fiel und fällt sie durch alle Raster. Wie so viele Künstler. Doch sie schaffte es, die Situation für sich umzudrehen. Im Juni stellte sie Druckarbeiten in der Galerie der Altstadt-Buchhandlung im Voß-Haus in Otterndorf aus, die Vorarbeiten dazu haben sie abgelenkt und „wach gemacht“. Ebenso wie die von ihr im September organisierte Ausstellung zum Thema „Akt“ im City-Center mit Werken der von ihr geleiteten Künstlergruppe. „Das hat uns alle bei Laune gehalten.“
Jetzt sollte es endlich wieder losgehen, mit einem vollen Programm im November. Der Schock des erneuten „Teil-Lockdowns“ war deshalb umso größer. Von ihr geplante Kurse zur Kunstvermittlung fielen ins Wasser. Doch auch wenn es erst einmal wieder ein Schlag ins Kontor war, als sie Ende Oktober hörte, dass der Kunstverein im Zuge des Teil-Lock­downs auch die Kunstwerkstatt ab sofort schließen würde, und sie sich fangen musste, sieht sie auch jetzt die Möglichkeiten, die ihr diese Zeit bietet. Nutzt die Chance „aus einem nicht mehr ein noch nicht zu machen“. Ein Satz, der auch sinnbildlich für ihre Arbeiten steht. „Alles kommt aus der Vergangenheit und hat erst in der Zukunft einen Sinn.“ Sie sieht die Chance sich ganz auf ihre Kunst zu konzentrieren, und „einfach nur zu malen“.
Die Kunst begleitet Gabriele R. Luetgebrune schon ihr ganzes Leben. Geprägt auch durch ihren Vater, der selbst künstlerisch tätig war. Ihre Passion war schon immer das Zeichnen, das durch ihre Bauzeichnerlehre und ihr Innenarchitekturstudium in geordnete Bahnen gezogen wurde. Aus dieser Erfahrung heraus entstehen unter ihren Händen keine glatten Werke. Sie sind immer mit einem Bruch versehen, einer Störung. Vor über 20 Jahren begann sie 1997 ihre künstlerischen Studien. War Gaststudentin der Freien Kunst an der Hochschule für Künste Bremen. Ist Gründungsmitglied der Künstlergruppe „WO.02“. War über zehn Jahre, von 1995 bis 2006, in die Vorstandsarbeit des Cuxhavener Kunstvereins involviert. Ist seitdem als Dozentin an der Kunstwerkstatt des Kunstvereins tätig, wie auch in anderen kulturellen Einrichtungen, und bietet hier auch eigene Kurse an.
In ihrer Arbeit lässt sich Luetgebrune auf keinen Kunststil festlegen. Vom Zeichnen über Holzdruck bis zu Bronzearbeiten reicht ihre Passion. Fertigkeiten, die sie sich unter künstlerischer Begleitung verschiedener Professoren wie Rolf Thiele, Dr. Peter Rautmann, Katharina Hinsberg, Dr. Michael Glasmeier und Fritz Vehring aneignete und umsetzte. Eines fällt bei ihrer Kunst auf: „Ich habe immer in der Kunst aufgebaut, nie abgetragen.“ Dabei sei der Anfang immer schwierig. Bis sich ein Druck aufbaue, sie fast platze und ihr Inneres raus muss. „Wenn der Druck zu groß wird, passieren gute Sachen“.
Ihre Kunstwerke sind zugleich immer Ausdruck ihrer Identität. „Was ich empfinde, überträgt sich in dem, was ich tue“, sagt sie. Sie zeigen den Zwiespalt des Menschen und gehen der Frage nach, wie man trotz aller Schicksalsschläge überlebt. Vielleicht einfach so: „An Wunder glauben!“ In einem ist sie jedenfalls zuversichtlich. „Dass es auch in Zukunft viele Begegnungen mit Kindern und Erwachsenen in und mit der Kunst geben wird“, und freut sich schon darauf, wenn bald wieder die Kurse für Groß und Klein in ihrem Atelier und der Kunstwerkstatt möglich sind.

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