LANDKREIS tw · Es war eine Ankündigung mit Überraschungseffekt, als die beiden Grünen-Kreisverbände Cuxhaven und Stade den Landtagsabgeordneten der Grünen und ehemaligen niedersächsischer Umweltminister Stefan Wenzel als Bewerber um das Bundestagstagticket für den Wahlkreis Cuxhaven-Stade II vorstellten. Eine Ankündigung, die große Aufmerksamkeit auch der Mitglieder auf sich zog, die ihn Anfang Dezember im Evangelischen Bildungszentrum Bad Bederkesa mit 32 Stimmen – bei einer Nein-Stimme und einer Enthaltung – wählten.
Nach langjähriger Erfahrung in der Kommunal- und Landespolitik sucht Wenzel jetzt neue Herausforderungen. Seit seinem Studium in Göttingen lebend wäre er auch gerne für die dortigen Grünen angetreten, wollte sich aber mit dem dort erneut antretenden Jürgen Trittin keine Zerreißprobe liefern. „Daher habe ich geschaut, wo es spannende Herausforderungen gibt“, erklärte er, und ist auf den Wahlkreis Cuxhaven/Stade II gestoßen, den er schon aus seiner Zeit als Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender und vor allem als niedersächsischer Umweltminister oft besucht und dabei kennengelernt hat.
Geboren in Nakskov, Dänemark, ist er in der Nähe von Kiel aufgewachsen, war von Kindheit an mit der Küste vertraut. „Daher ist mir das, was hier politisch das Leben bestimmt sehr geläufig.“
Im Mittelpunkt seines Wahlkampfs stehen deshalb die zentralen Herausforderungen der Region, wie er betonte. Zu denen gehört für ihn an erster Stelle die Veränderung des Klimas, das schon heute ganz real ins Leben der Menschen eingreife, wie etwa in der Land- und Forstwirtschaft. An der Küs­te liegend sei das Cuxland durch Meeresspiegelanstieg und immer stärkere Winde besonders betroffen. Küs­tenschutz und Klimaschutz sind für ihn daher zwei Seiten einer Medaille.
„Wir müssen unser Leben grundlegend umbauen“, befand er und nannte vor allem den Umbau der Energieversorgung auf nachhaltige erneuerbare Energie und einen Wandel in der Verkehrspolitik. Kein einfacher Weg, wie er zugab, „denn wir wissen, dass der Umbau der Energieversorgung nicht nur eine technische Frage ist, von der wir wissen wie es geht, sondern auch eine soziale und kommunikative Herausforderung“.
Ein Weg, der in Form der Windenergie, auch große Chancen für die Region biete und für die die Siemens-Ansiedlung in Cuxhaven ein positives Zeichen sei. Voraussetzung hierfür, sei jedoch das die Politik dies nachhaltig unterstützt. Das jetzige „rein in die Kis­te, raus aus der Kiste“ trage nur zur Verunsicherung bei. „Hier müssen wir für Verlässlichkeit sorgen.“
Eine weitere große Herausforderung sieht er in der Infrastruktur im ländlichen Raum. Und die liegt für ihn nicht im Ausbau von Autobahnen. „Deshalb müssen wir den Bundesverkehrswegeplan komplett umbauen, so dass er die alltäglichen Bedürfnisse der Menschen in den Blick nimmt.“ Das heißt für ihn Bahn, Busse, Radschnellwege, Fähren, Carsharing und Straßen aus einem Guss zu planen. So fände er es durchaus sinnvoll, wenn der Bund etwa eine Fährverbindung zwischen Cuxhaven und Bruns­büttel mitfinanziert, so wie er es auch bei Verbindungsstraßen tue.
Weitere für ihn wichtige Punkte: Die Nahversorgung zu erhalten, zu sichern und wo notwendig auszubauen. Die Gesundheitsversorgung auf sichere Beine zu stellen. Nachhaltiger Tourismus; Eine bessere Finanzierung der Kommunen; Ein Nein zur Elbvertiefung, deren Folgen sich an allen Ecken und Enden zeigten; Eine nachhaltige Landwirtschaft, die ihre Wertschöpfung nicht über Masse sondern den Wert ihres Produkts erzielt.
Jetzt freut er sich aber erst einmal auf viele Gespräche, um die Region noch besser kennenzulernen und die Wünsche der Menschen aufzunehmen.

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