Ganz ehrlich? Verbeutelt haben wir es doch selbst. Dass nun die Infektionszahlen so hoch sind – und es, so scheint es auch, bleiben, haben wir nicht den Virologen oder gar den Politikern zu verdanken. Das haben wir uns selbst eingebrockt.
Als im Sommer die Zahlen so schön in den Keller gingen und wir gedacht haben, das wars, haben wir neben der WarnApp auch unser Hirn ausgeschaltet. Nur weg, möglichst weit weg, und dass gemeinsam mit allen anderen.
Wie eine Herde Gnus auf der Wanderung von den Winter- zu den Sommeräsungsflächen haben wir die Maske an den Nagel gehängt und sind in den erst besten Flieger gestürmt. Ab nach Malle war die Devise. Und so richtig mussten wir mit dem Urlaubs-Kuscheln ja auch gar nicht warten. Das ging schon im Flieger los. Da machte es auch nichts, dass wir dann auf der Partymeile weitermachten wie gewohnt.
Dass kluge Stimmen aus Wissenschaft und – ja hört es wohl, Ihr, die Ihr jetzt das Politiker-Bashing so lautstark anstimmt – der Politik schon in Sommerszeiten vor voreiliger Sorglosigkeit warnten, dass haben wir besserwisserisch ignoriert.
Nun aber, ich höre es schon, haben wir ja den Impfstoff. Und so trudeln passender Weise auch schon die Werbemails für den Sommerurlaub in den erstaunlich günstigen 4- und 5-Sterne Hotels auf dem Rechner ein. Und wir? Wir motzen auf die Politik, die Verwaltung und möglichst viele andere, weil die es gerade bei der Organisation der Impferei nicht gebacken kriegen und buchen parallel, natürlich mit kostenloser Stornierungsmöglichkeit, den günstigen Edelurlaub.
Ja, es läuft viel schlecht, es läuft viel falsch. Wenn den meist gefährdeten Mitmenschen nicht ein Impftermin via Post zugestellt werden kann, weil den Behörden aus datenschutzrechtlichen Gründen der Zugang zum Melderegister verweigert wird, ist das schon einen Weinbrand wert. In der Literflasche, auf Ex! Wenn den bekannterweise nicht unbedingt PC-affinen über 80jährigen ein digitaler Code für deren nicht vorhandenes Smartphone zur Terminabstimmung angedient wird, ist das den nächsten Weinbrand wert. Wer noch kann, bitte wieder auf Ex. Auch die Stimmen, die jetzt eine Zwangsimpfung vorschlagen, sind alles in allem – mögen sie aus der Politik oder aus der heimischen Küche kommen, nur mittels – ja richtig – einem Weinbrand aus den Ohren zu spülen. Die Stimmen sind gemeint, nicht die Politiker.
Und wer jetzt noch kann, sollte die leeren Flaschen aber tunlichst nicht als schlagendes Argument in der unvermeidlichen Corona-Diskussion einsetzen, sondern diese sachgerecht entsorgen. Sofern der nächste Container nicht gerade 15,1 Kilometer entfernt steht. Man merkt: Vieles ist, strafrechtlich unbedenklich ausgedrückt, verwundernswert.
Doch lassen wir den Kopf nicht hängen, wie sehr auch der Weinbrand in all seiner Fülle nach unten zieht. Es wird noch dauern bis zur relativen Normalität. Und bei allem Ärger, bei aller Not, lasst es uns deshalb diesmal besser machen als im Sommer. Denn zuallererst haben wir es in der Hand, nicht die anderen. Also, ertragen wir weiter die Einschränkungen, weil es vielen das Leben retten wird. Vielleicht sogar jemanden, den wir kennen und mögen. Und strengen wir – nicht immer nur die anderen – uns an, möglichst schnell die Pleiten, Pech und Pannen in Sachen Pandemie auszubügeln. Das wird schon: irgendwie, irgendwann!
Ihr
Stefan Hackenberg

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