In Myanmar putscht sich mal wieder das Militär an die Macht, die USA sind wieder dem Pariser Klimaabkommen beigetreten, in Südamerika verschwindet der Urwald schneller als die Gletscher auf Grönland und der Schachweltmeister hat eine Formkrise. Was das alles mit Corona zu tun hat? Nichts! Ist das nicht schön?

Wir sind so auf den kleinen Widerling Corona fixiert, dass wir tatsächlich vergessen zu leben. Kein Wunder, wird der eine oder andere jetzt sagen. Wir leben ja auch nicht, wir siechen dahin. So ohne jeden Spaßfaktor! Keine Party mit anschließendem Kopfschmerz, kein geselliges Beisammensein im amerikanischen Restaurant mit angefressenem Hüftgold, kein Besuch im Fitnessstudio mit zwei Tagen andauernden übersäuerten Muskelsträngen, und überhaupt: kein „alles“.

Wäre es nicht an der Zeit mal wieder mit dem Leben anzufangen. Wie denn, fragt man sich da. Aber ja, das ist auch bei den Einschränkungen möglich! Wir sollten, dürfen und vor allem müssen endlich akzeptieren, Corona wird uns weiter begleiten. Und somit später auch die eine oder andere Einschränkung. Das Ziel ist natürlich, aus dem Lockdown aufzuwachen. Wir brauchen offene Schulen, funktionierende Kitas, soziale Einrichtungen, die ihren Dienst verrichten können und wir brauchen vor allem Normalität. Sobald es geht!

Die Normalität können wir uns selbst ein Stück zurückholen. Vor allem in dem wir uns den „anderen“ Themen dieser Welt zuwenden. Schon vergessen: Es existieren gerade nicht-coronale, nichts desto trotz reale Probleme, die unserer Aufmerksamkeit bedürfen. Und da kann man sich doch auch herrlich echauffieren. Da ist das Klima, da ist das gesellschaftliche Ungleichgewicht von Nord- und Süd-Halbkugel, da sind die kleinen und großen Diktatoren. Und wer lieber den eigenen Teller im Blick behält: es geht sogar regional: da sind die Verklappungen von Hafenschlick und Elbvertiefung, da ist der digitale Fall-out, da ist der Rückbau der AKWs, da ist die Dauerbaustelle auf der A27 bei Bremen und, last but not least, da ist der Brite, der nicht nur Cuxhavens Fischer nervt.

Was wir nicht brauchen sind Schuldzuweisungen, Kurzschlusshandlungen und Egomanie. Es liegt an uns, wie weit wir uns ein bisschen Normalität zurückholen. Natürlich ohne den Pfad der Vernunft zu verlassen. Und ganz bestimmt: Corona kann uns mal da besuchen, wo die Sonne nicht scheint.

Ihr Stefan Hackenberg

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.