lpd · Ein Sack mit Stroh, Ketten mit Holz zum Kauen – Schweinen im Stall wird Einiges geboten, um ihre Langeweile zu vertreiben. Denn die Tiere sind von Natur aus neugierig und erkunden gerne ihre Umgebung. Zudem benötigten sie ursprünglich zur Nahrungssuche viel Zeit zum Wühlen und Kauen. Dieses natürliche Verhalten wird in tiergerecht ausgestatteten Buchten nachgeahmt, schreibt der Landvolk-Pressedienst. Zudem sind Beschäftigungsmöglichkeiten in der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vorgeschrieben.

„Über die Vorschriften hinaus müssen die Sachen aber auch Sinn machen“, sagt Thorsten Riggert. Der Vorsitzende des Bauernverbandes Nordostniedersachsen hat mit seinen Ställen am bundesweiten Ringelschwanzprojekt teilgenommen und misst der Tierbeobachtung einen großen Stellenwert bei. „Dann kann man individuell entscheiden, was bei Problemen hilft“, lautet sein Fazit. Die besten Erfahrungen hat er mit Seilen gemacht, auf denen die Schweine herumkauen, anstatt die Ringelschwänze der anderen Schweine zu verletzen.

Mit den verschiedenen Materialien hat sich auch das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) auseinandergesetzt. „Veränderbare organische Materialien mit Neuigkeitswert bieten Schweinen optimale Voraussetzungen ihre Motivation zum Kauen, Erkunden und Wühlen zu befriedigen“, erläutert Stephan Fritzsche vom KTBL. Das könne Stroh sein, aber auch Presslinge erzielen diese Wirkung. Sie haben den Vorteil des geringen Strohverbrauchs und sind in der Gülle unproblematischer als Stroh.

Seile und Ketten in Kombination mit veränderbarem Material wie Holz, Kunststoff oder Presslingen mit Holzanteil erfüllen dieselben Voraussetzungen, sind für den Landwirt mit weniger Aufwand verbunden. „Wühlbereiche sind sehr betreuungsintensiv und stellen hohe hygienische Anforderungen an den Landwirt“, erläutert Fritzsche. Beim Schweinespielzeug nennt er den Spieligel, der wegen seiner Form nur punktförmigen Kontakt zum Boden hat. Er bleibt dadurch sauber, obwohl er von den Tieren intensiv bespielt wird.

Die Initiative Tierwohl (ITW) hat für herausragende Projekte den Innovationspreis Tierwohl 2020 an drei Schweinehalter aus Niedersachsen verliehen. Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis erhielt Christoph Becker für seinen „Schweinebuzzer“. In seinem Maststall können die Tiere durch eine Wühlbewegung des Rüssels über eine spezielle Vorrichtung einen Taster betätigen, der eine Schweinedusche auslöst. Ein Geothermie-Stall und ein Stallsystem für Tierwohl von der Sauenhaltung bis zur Mast folgen auf den Plätzen zwei und drei der Innovationen, die das Tierwohl-Niveau in den Ställen wirksam anheben.

Foto: Landpixel

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