Gerade ist eine Blindaquise via mail reingeschneit. Ob nicht der Erwerb eines Hula-Hopp-Reifens in der Coronazeit genau das Richtige für mich wäre? Er würde diskret verpackt, portofrei und garantiert innerhalb von drei Tagen aus China bei mir geliefert. Das hat mich sehr gefreut, zumal eine mir völlig unbekannte, mich trotzdem duzende und in ihrem beigefügten Bikinibild ausgesprochen durchtrainiert wirkende Sonja mich so lieb anlächelt.

Jeder der mich kennt weiß, schon das Bewegen einer Schachfigur ist für mich quasi Mord durch Sport. Und in der Zeit der geschlossenen Schwimmhallen, der verriegelten Fitnessfolterkammern und der an die einstige Rushhour auf der A7 bei Hamburg erinnernden Waldwege ist dieser Teil von Corona mehr Lust als Frust. Und nun kommt Sonja mit ihrem Hula-Hopp-Reifen. Au Backe!

Das ist für mich so, als würde die Bundesregierung mir das Angebot machen, ich dürfte nach Herzenslust shoppen und auch wieder Freunde, sofern ich die noch habe nach der langen Zeit, wieder bei mir bewirten. Ich müsste nur dazu akzeptieren, dass die Läden weiter geschlossen bleiben. Es sei denn, ich würde unter die Ausnahmeregeln fallen. Die es zwar gibt, die aber so unkoordiniert und bürokratischen Traditionen folgend unverständlich präsentiert sind, das Shoppen irgendwie an Schachspielen erinnert. Siehe oben.

Also bleibt es beim Alten. Ich sage genauso Sonja ab wie dem Angebot zum Shoppen. Und auch die verlustig gegangenen Freunde werde ich benachrichtigen, dass sie weiter bleiben können, wo der Pfeffer wächst. Nämlich in den ohnehin geöffneten Supermärkten. Denn Reisen ist ja nicht, zu Recht.

Ganz ehrlich, es fällt schwer momentan zu den Mutmachern zu gehören, wenn der Irrsinn vermuten lässt, man lebe in Abstrusien. Und tatsächlich wäre Mutmachen gerade jetzt so wichtig. Doch Obacht! Nicht dem einfachen Bürger fehlt es an Mut. Das hat er in großer Anzahl in den letzten 15 Monaten zur Genüge bewiesen. Auch wenn vereinzelt vegan kochende oder schlecht trällernde Holzpfosten immer mal wieder beweisen wollen, dass es sie doch gibt.

Mut zu machen bleibt trotzdem das Ziel. In diesem Fall soll der Mut jedoch mal in alle fahren, die gesellschaftliche und politische Entscheidungen fällen müssen. Denn tatsächlich stellen sich einfache Gemüter wie das eigene die Lösung so vor: Nicht nur verhindern, sondern möglich machen. Der Bürokratie eine Absage erteilen, nicht dem Bürger. Wenn Schulen geöffnet werden sollen, baut für kleines Geld Abluftanlagen ein. Wie das geht, erklärt der kompetente Fachverkäufer im wiedereröffneten Baumarkt. Gebt den niedergelassenen Allgemeinmedizinern eine Packung Spritzen und den mittlerweile ausreichend zur Verfügung stehenden Impfstoff mit dem Namen, der an ein Sondermodel einer Rüsselsheimer Automarke erinnert. Und glaubt den Wirten und Restaurantbetreibern, dass sie selbst an einem funktionierendem Hygienerezepten das größte Interesse haben. Wer will schon seine Kundschaft an einen Virus verlieren?

Es scheint so einfach, und, glaubt es oder nicht, es ist so einfach. Was es braucht ist nur ein bisschen Mut. Und ein bisschen weniger Bürokratie. Na gut, einen Haufen weniger Bürokratie. Aber der habt ihr doch sowieso den Kampf angesagt. Dann macht mal, nun aber Hopp. Ohne Hula und ohne Sonja.

Ihr Stefan Hackenberg